Autor
The Cyprus Medical Association, the Vienna/Austrian Medical Chambers and the Cyprus National Committee on Environment and Children’s Health.
International
Herausgeber:
The Cyprus Medical Association, the Vienna/Austrian Medical Chambers and the Cyprus National Committee on Environment and Children’s Health.
Veröffentlicht: November 2017
auf EMF:data seit 27.03.2018
Seitenzahl: 4
Format: A4
Schlagwörter zu dieser Dokumentation:
Mobilfunk und Kinder  |  Grenzwerte allgemein  |  Mobilfunk, Elektrosmog & Politik
Appell

Erklärung von Nikosia zu elektromagnetischen Feldern / hochfrequenter Strahlung.

Nicosia Declaration on Electromagnetic Fields / Radiofrequencies.

Pressemitteilung

Die Zyprische Ärztekammer, die Ärztekammer Wien und die Österreichische Ärztekammer sowie das Zyprische Nationale Komitee für Umwelt und Kindergesundheit (NCECH) haben bei der wissenschaftlichen Konferenz am 11. November 2017 unter dem Titel „Die Auswirkung nicht-ionisierender Strahlung auf die Gesundheit: Mythos oder neu entstehende medizinische Herausforderung“ die Erklärung von Nikosia zu EMF/RF unterzeichnet.
 
Die Veranstaltung fand unter Schirmherrschaft seiner Exzellenz, des Gesundheitsministers Dr. George Pamborides, und der Kommissarin für Umwelt, Frau Ioanna Panayiotou, statt.
 
In seiner Begrüßungsrede brachte der Gesundheitsminister insbesondere seine Unterstützung für die Aktivitäten der NCECH zum Ausdruck. Er sagte, dass die Investitionen in die Gesundheit für Kinder von äußerster Wichtigkeit seien. Er begrüßte die Kooperation, die zwischen den drei Organisationen aus Zypern und Österreich entstanden ist. Er sagte, dass die Erklärung eine wichtige Entwicklung mit konkreten und sehr wichtigen Zielen sei. In Bezug auf das Problem mit EMF/RF erwähnte er, dass sie als möglicherweise krebserregend eingestuft wurden. Er schloss daraus, dass Vorsorge die einzige Wahl ist.
 
Der Präsident der zyprischen Ärztekammer, Dr. Petros Agathangelou, hob hervor, dass der Europarat, das Europäische Parlament, Ärztekammern und viele andere Wissenschaftler warnen. Trotz wissenschaftlicher Kontroversen seien die wissenschaftlichen Hinweise auf schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen stark genug. Die Exposition gegenüber einer möglicherweise krebserregenden Strahlung (IARC, 2011) nehme schließlich exponentiell zu, so der Mediziner. Wir müssen das Vorsorgeprinzip anwenden. Die gesetzlichen Grenzwerte müssen dringend überarbeitet werden. Fachleute, Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit müssen über die möglichen Gesundheitsgefahren angemessen informiert werden. Außerdem müssen neue Techniken auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen hin angemessen kontrolliert werden. Zu guter Letzt hob er hervor, dass es dringend erforderlich sei, die Exposition zu minimieren.
 
Die Präsidentin des NCECH, Dr. Stella Canna Michaelidou, hob die in der Erklärung vorgeschlagene realistische Vorgehensweise hervor. Kombiniert mit angemessener Bewusstseinsbildung und Erziehung wird ein Rahmen für eine vernünftige und sichere Nutzung der Technik definiert und für sie geworben. Die Technik sollte als Werkzeug und nicht als Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen verwendet werden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf eine angemessene, solide Erziehung und die Beziehungen zu unseren Kindern.
 
Dr. Piero Lercher von der Ärztekammer Wien und der Österreichischen Ärztekammer überbrachte die Grüße von deren Präsident Prof. Dr. Thomas Szekeres. Er betonte, dass unsere Kinder unsere Zukunft sind. Er erklärte auch, dass diese Veranstaltung und die unterzeichnete Erklärung das Potenzial habe, weltweit zu einem stärkeren Problembewusstsein zu führen.
 
Die Unterzeichnung der Erklärung von Nikosia ist ein Meilenstein von internationaler Bedeutung und er ist sehr bedeutsam für Zypern. Dieses Land trägt wesentlich zu internationalen Bemühungen bei, potenzielle Gesundheitsrisiken durch EMF/RF zu verstehen sowie ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Am wichtigsten ist aber die Tatsache, dass es wirksame Maßnahmen ergreift, um die Risiken der sich neu entwickelnden Technik zu minimieren. Im Allgemeinen Positionspapier werden wissenschaftliche Hinweise aufgeführt. Es basiert auf Positionen und Empfehlungen für den Umgang mit diesem ernst zu nehmenden und komplizierten Gesundheitsproblem. Es ist ein Problem mit weitreichenden Auswirkungen. Die schwerwiegenden Risiken betreffen nämlich besonders alle Kinder, die jungen Generationen, aber auch die gesamte Bevölkerung.
 
In der Erklärung werden folgende Hauptprobleme genannt:
 
Zu den potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen nicht-ionisierender Strahlung von EMF/RF gehören auch die Kanzerogenität (Gruppe 2B der IARC, 2011),  die Neurotoxizität, die die Entwicklung stört, Auswirkungen auf die DNA, Fruchtbarkeit, Überempfindlichkeit sowie andere schwerwiegende Auswirkungen. Diese sind in wissenschaftlich-fachlich überprüften Studien gut dokumentiert. Sie treten bei Intensitäten auf, die deutlich unterhalb der  bestehenden Grenzwerte liegen. Die Tatsache, dass Föten und Kinder empfindliche biologische Systeme haben, die die Entwicklung des menschlichen Lebens steuern, wird bestätigt. Es mag zwar wissenschaftliche Kontroversen geben. Trotzdem: Beträchtliche wissenschaftliche Hinweise zu Risiken für Föten und Kinder sind vorhanden. Diese deuten auf Schädigungen hin, die schwerwiegend und in manchen Fällen irreversibel sein könnten. Diese Hinweise sind deutlich genug, um Maßnahmen im Sinne des Vorsorgeprinzips zu unterstützen sowie um aktiv zu werden und Regeln zur Minimierung der Exposition sowie zum vorsichtigen Umgang mit der Technik zu erlassen. Diese Bedenken und die neu entstehenden Risiken wurden durch die wissenschaftlichen Präsentationen angesehener Redner, wie Professor Olle Johanson, Dr. Piero Lercher, Dr. Antigoni Papavasileiou, Dr. Theodoros Metsis und Dr. Stella Canna Michaelidou, zusätzlich bestätigt.
 
Zusammenfassung der Hauptaussagen:
 
1. Auf der Ebene der Politik müssen Richtlinien und vorgeschriebene Grenzwerte überarbeitet werden. In der Zwischenzeit müssen für die Bewertung der Exposition von Kindern gegenüber Geräten oder Anlagen Kriterien angewendet werden, die auf wissenschaftlicher Grundlage beruhen und biologisch relevant sind.
 
2. Entscheidungsträger, insbesondere im Bereich von Bildung und Gesundheit, müssen Kenntnis haben über die Risiken sowie die vorhandenen sicheren technischen Alternativen. Sie müssen berechtigte Besorgnisse bezüglich der Gesundheit und der Verletzlichkeit von Kindern berücksichtigen. Außerdem müssen sie die Schaffung sicherer Umgebungen in den Schulen, Tagesbetreuungseinrichtungen und Einrichtungen der Kinderheilkunde unterstützen. Sie müssen eine altersgerechte, vernünftige Verwendung der digitalen Technik fördern.  Drahtlose Netzwerke sollten in Schulen verboten werden, insbesondere in Vorschulen, Kindergärten und Grundschulen. Dort sollten kabelgebundene Verbindungen eingesetzt werden. Wir weisen sie dazu an, sich an das ALARA-Prinzip (ALARA = As Low as Reasonably Achievable = so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar) sowie der Resolution 1815 des Europarats zu halten, um alle vernünftigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Exposition gegenüber hochfrequenten Feldern zu verringern.
 
3. Die Exposition zu Hause und in Schulen (wo Kinder – je nach Alter – mindestens 60 bis 90 % ihrer Zeit verbringen) kann und muss verringert werden, indem die Nutzung von Handys und anderen Drahtlosgeräten auf ein Minimum beschränkt wird.
 
4. Medizinisches Fachpersonal, insbesondere Kinderärzte und Geburtshelfer, sollten angemessen geschult werden.
 
5. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, vollständig über mögliche Gesundheitsrisiken durch alle kabellosen und EMFStrahlung abgebende Geräte/Systeme aufgeklärt und über Strategien zur Risikoverminderung informiert zu werden. Eltern müssen dazu ermutigt werden, zu Hause und in den Schulen ein sicheres Umfeld einzufordern.
 
Sechzehn praktische Handyregeln werden für die Bevölkerung vorgeschlagen (siehe gemeinsames Positionspapier). 
 
Übersetzung: diagnose:funk e.V., www.diagnose-funk.org