Autor
Panagopoulos DJ, Litovsky R, Chamberlin K.
Griechenland
Herausgeber:
Taylor & Francis Online
Veröffentlicht in:
Electromagn Biol Med 2026: 1-10 [im Druck]
Veröffentlicht: 19.04.2026
auf EMF:data seit 22.05.2026
Schlagwörter zu dieser Dokumentation:
Funkfeldmessungen
Fachartikel

Aufzeichnung der extrem niederfrequenten Schwingungen elektromagnetischer Felder der drahtlosen Kommunikation.

Recording the extremely low frequency pulsations of wireless communication electromagnetic fields.

Zusammenfassung

Diese Studie wurde im ElektrosmogReport 02/2026 vorgestellt und wie folgt ausgewertet:

Reale Mobilfunk- und WLAN-Signale werden in der wissenschaftlichen Literatur oftmals als hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) charakterisiert. Diese Einordnung erfasst jedoch nur einen Teil der physikalischen Realität. Sämtliche Signale drahtloser Kommunikationstechnologie (Mobiltelefonie, WLAN, DECT, Bluetooth) werden diskontinuierlich in Form von Ein-/Aus-Pulsen (auch „Frames“, „Multi-Frames“, „Sub-Frames“ etc.) ausgesendet. Das eigentlich hochfrequente Trägersignal wird mit extrem niederfrequenten (ELF: 3-3000 Hz) oder sehr niederfrequenten (VLF: 3-30 kHz) Wiederholungsraten emittiert. Zudem unterliegt die Signalamplitude einer hohen Variabilität im ultra-niederfrequenten Bereich (ULF: 0-3 Hz). Die Hinweise darauf, dass diese niederfrequente Signal-Modulierung für die biologische Wirksamkeit realer Drahtloskommunikation entscheidend sein könnte, mehren sich. Dieser Zusammenhang wird jedoch von der aktuellen Risikobewertung der Gesundheitsbehörden vollständig ignoriert. Die vorliegende Publikation zeichnet die ELF-Pulsation handelsüblicher Drahtlosgeräte, WLAN-Router, Mobiltelefon mit LTE (4G) und New Radio (5G) im zeitlichen Verlauf auf.

Studiendesign und Durchführung:

Die Wissenschaftler verwendeten eine Breitband-UWB-Spiralantenne, verbunden mit einem Hochfrequenz-Spektrumsanalysator, kalibriert auf die jeweilige Trägerfrequenz (2,45 GHz für WLAN, 840 MHz für 4G, 1876 MHz für 5G). Durch einen sogenannten „Zero-Span“-Modus wurde der Spektrumsanalysator als Oszilloskop betrieben, was die ausgesendete Leistung in Abhängigkeit der Zeit darstellt. Als Emissionsquellen dienten ein kommerzieller WLAN-Router (TP-Link, WiFi 6) bei aktivem Videostreaming sowie ein kommerzielles Mobiltelefon (Apple iPhone 15, entweder im 4G- oder 5G-Modus) während eines Telefongesprächs. Der Abstand der Antenne zum WLAN-Router betrug 1 m, der zum Mobiltelefon 10 cm. Je Messbedingungen wurden 10 Aufzeichnungen erstellt. Die Hintergrundmessung erfolgte bei abgeschalteten Emissionsquellen.

Ergebnisse:

Die Trägerfrequenz des WLAN-Routers wurde mit einer Wiederholungsfrequenz von ca. 10 Hz (5-20 Hz) gepulst, die Pulsamplitude lag ca. 20 dB über dem Hintergrundrauschen. Das 4G-Signal des iPhones wies eine „hierarchische“ Pulsstruktur auf. „Sub-Frames“ (ca. 500 Hz) waren in „Frames“ (ca. 100 Hz) enthalten, zusammengefasst zu „Multi-Frames“ (ca. 3 Hz). Die Pulsamplituden lagen 40-53 dB über dem Hintergrundrauschen. Das 5G-Signal des iPhones zeigte ein ähnliches Bild. „Sub-Frames“ mit ca. 500 Hz in „Frames“ mit ca. 100 Hz und „Multi-Frames“ mit ca. 13 Hz. Die Amplituden lagen hierbei 40-45 dB über dem Hintergrund. In allen gemessenen Signalen wurde eine Variabilität in Amplitude, Dauer und Wiederholungsfrequenz der Pulse beobachtet. Neben der beschriebenen UWB-Spiralantenne wurden ähnliche Messungen mit einer Vivaldi-Hornantenne durchgeführt, die Ergebnisse waren vergleichbar.

Schlussfolgerungen:

Die Studie belegt messtechnisch eindeutig, dass alle untersuchten Kommunikationssignale ELF-Pulskomponenten aufweisen, die an sich in Bezug auf Amplitude, Wiederholungsfrequenz, Dauer, Verlauf etc. stark variieren. Laut den Autoren trüge die hohe Variabilität der realen Kommunikationssignale im Niederfrequenzbereich, in Kombination mit der Tatsache, dass sie vollständig polarisiert und kohärent sind, entscheidend zu der Bioaktivität der Drahtloskommunikation bei. Lebende Organismen seien nicht in der Lage, sich an stark variable, polarisierte und kohärente Stressoren anzupassen. Als vermittelnden Mechanismus benennen die Wissenschaftler die Ionen-Oszillation an spannungsgesteuerten Ionenkanälen. Dieser sei für die nicht-thermische, biologische Wirksamkeit von Mobilfunk und WLAN verantwortlich und nicht die unmodulierte hochfrequente Trägerwelle.

Anmerkungen der Redaktion:

Die Publikation liefert direkte Zeitbereichsmessungen der niederfrequenten Pulsstruktur von handelsüblichen WLAN-, 4G- und 5G-Geräten. Die Messungen sind methodisch nachvollziehbar und reproduzierbar. Die messtechnische Stärke liegt in der Nutzung des Zero-Span-Modus als Niederfrequenzoszilloskop. Als methodische Einschränkung ist die Auflösungsbandbreite des Spektrumsanalysators zu nennen, die zu einer gelegentlichen Verminderung der Amplitude des Signals führt. Obwohl eindeutig definiert, verwenden die Autoren nicht die ITU-Nomenklatur für die Frequenzbereiche. ITU-konform wäre ULF als der Bereich von 300–3000 Hz definiert, 0,3–3 Hz entsprächen TLF. Der Bereich von 3–300 Hz wäre in ELF (3–30 Hz) und SLF (30–300 Hz) unterteilt. Die Identifikation der Niederfrequenz-Komponenten als Mediator der biologischen Wirksamkeit ist kohärent mit den Befunden der Studien von Jangid et al. (1) (2) in dieser Ausgabe des EREP (02/26), welche reale Kommunikationssignale als wirksamer beschreiben als generische unmodulierte HF-Wellen. In der ebenfalls in dieser Ausgabe des EREP rezensierten Publikation von Kim et al. (3) wird der molekulare Mechanismus identifiziert, wie Niederfrequenz die Expressionsrate von Genen verändern kann. Auch wenn sich die mechanistischen Zusammenhänge von Experiment (Kim) und Modell (Panagopoulos) unterscheiden, spielen bei beiden Ionen-Oszillationen und spannungsgesteuerte Ionenkanäle eine Schlüsselrolle. Die regulatorischen Konsequenzen sollten auf der Hand liegen. Grenzwerte, die auf thermischen Effekten und der spezifischen Absorptionsrate (SAR) beruhen, sind für die Risikobewertung gepulster Felder ungeeignet. Eine Neubewertung unter expliziter Berücksichtigung des identifizierten Wirkmechanismus ist unabdingbar (RH).

1.   Jangid P, Rai U, Sevak JK, Ranjan R, Singh S, Singh R (2026). Radiofrequency radiation-induced changes in Leydig cell function. Scientific Reports, Mar 25. https://doi.org/10.1038/s41598-026-39244-6

2.   Jangid P, Rai U, Sevak JK, Singh S, Singh R (2026). Cellular redox disruption and apoptosis: Differential effects of RFR frequencies on Leydig cells. Toxicology and Applied Pharmacology, Jun; 511:117807. https://doi.org/10.1016/j.taap.2026.117807

3.   Kim J, Hwang Y, Kim S, Kwon D, Park J, Cho B, et al. (2026). Electromagnetic field-inducible in vivo gene switch for remote spatiotemporal control of gene expression. Cell, 1-16. https://doi.org/10.1016/j.cell.2026.03.029