Autor(en):
Broom KA*, Findlay R, Addison DS, Goiceanu C, Sienkiewicz Z.
* Centre for Radiation, Chemical and Environmental Hazards, Public Health England, Chilton, Oxfordshire.
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
Veröffentlicht in:
Bioelectromagnetics 2019;40:498–511.
Veröffentlicht: 01.10.2019
auf EMF:data seit 26.02.2020
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Department of Health and Social Care Policy Research Programme (Early Life Exposure to RadioFrequency Fields [ELERaFF]); grant number: 091/0211.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Gedächtnis, Lernen, Verhalten
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Die frühzeitige Exposition bei gepulsten hochfrequenten LTE-Feldern verursacht anhaltende Veränderungen in der Aktivität und dem Verhalten bei C57BL/6 J-Mäusen.

Early-Life Exposure to Pulsed LTE Radiofrequency Fields Causes Persistent Changes in Activity and Behavior in C57BL/6 J Mice.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Despite much research, gaps remain in knowledge about the potential health effects of exposure toradiofrequency (RF)fields. This study investigated the effects of early‐life exposure to pulsed longterm evolution (LTE) 1,846 MHz downlink signals on innate mouse behavior. Animals wereexposed for 30 min/day, 5 days/week at a whole‐body average specific energy absorption rate (SAR)of 0.5 or 1 W/kg from late pregnancy (gestation day 13.5) to weaning (postnatal day 21). Abehavioral tracking system measured locomotor, drinking, and feeding behavior in the home cagefrom 12 to 28 weeks of age. The exposure caused significant effects on both appetitive behaviorsand activity of offspring that depended on the SAR. Compared with sham‐exposed controls,exposure at 0.5 W/kg significantly decreased drinking frequency (P≤0.000) and significantlydecreased distance moved (P≤0.001). In contrast, exposure at 1 W/kg significantly increaseddrinking frequency (P≤0.001) and significantly increased moving duration (P≤0.005). In theabsence of other plausible explanations, it is concluded that repeated exposure to low‐level RFfieldsin early life may have a persistent and long‐term effect on adult behavior.

© 2019 The Authors. Bioelectromagnetics Published by Wiley Periodicals, Inc.

Keywords

electromagnetic fields | locomotion | activity | brain | rodent

Exposition:

LTE/5G

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Trotz vieler Forschung bleiben Lücken im Wissen über mögliche Gesundheitsrisiken durch Mobilfunkstrahlung. Kinder reagieren empfindlicher als Erwachsene aufgrund ihrer stärkeren Absorption von Strahlung im Kopf und aufgrund ihrer längeren Lebenszeit. Das größte Risiko besteht bei Kindern für die Entwicklung und Reifung des Gehirns, für schädliche Auswirkungen auf das Immunsystem und andere empfindliche Organe. Nur wenige Studien haben die biologischen Folgen von Strahlung der Smartphones der 4. Generation (LTE = Long-term Evolution) untersucht, z. B. die Wirkung auf Gehirn und Spermien. Diese Studie hier untersuchte die Wirkung der LTE-Frequenz 1846 MHz auf das Verhalten, wenn Mäuse schon im Mutterleib und nach der Geburt bestrahlt wurden.

Studiendesign und Durchführung

Von den Nachkommen der bestrahlten Mütter wurden nur die männlichen Tiere für das Experiment eingesetzt. Die männlichen Tiere (anfangs je 5 oder 6, an Tag 14, 21 und 28 je 3) waren im Mutterleib und danach 30 Minuten/Tag 5 Tage/Woche 35 Tage lang mit gepulster 1846-MHz-Strahlung behandelt worden (simulierter Downlink SAR 0,5 oder 1 W/kg Ganzkörper), vom Tag 13,5–18,5 der Trächtigkeit und von Tag 3 bis zur Entwöhnung am Tag 21 nach der Geburt. Die SAR in den Feten betrug zwischen 0,125–1,39 bzw. 0,249–2,79 W/kg. In dieser frühen Lebensphase erfolgt die Entwicklung von Gehirn und Hippocampus. Eine Kontrollgruppe wurde scheinbestrahlt. Das Experiment wurde zweimal wiederholt. Außerdem wurde das Gewicht bestimmt. Die Tiere kamen im Alter von 10 Wochen in einen individuellen Käfig mit einem Laufrad und einem Unterschlupf, wo sie sich 2 Wochen lang eingewöhnen konnten. Futter und Wasser waren stets vorhanden.

Das angeborene Verhalten der Tiere wurde 17 Wochen lang (12.–28. Woche, junge bis erwachsene Tiere) im eigenen Käfig einmal wöchentlich mit einer Videoaufzeichnung beobachtet. Untersucht wurde das Verhalten bezüglich Trinkgewohnheiten, Futteraufnahme, Bewegungsmuster und Ruhezeiten.

Ergebnisse

Die Bestrahlung hatte keine sichtbaren Auswirkungen auf die Schwangerschaften und die Anzahl der Nachkommen im Vergleich mit den scheinbestrahlten Tieren. Es gab keine morphologischen Abweichungen. Das Körpergewicht der bestrahlten Tiere war höher als das der Kontrolltiere; nach 32 Wochen wogen die Tiere mit 0,5 W/kg am meisten, bei 1 W/kg etwas weniger, beide waren jedoch deutlich schwerer als die Kontrolltiere. Bei fast allen untersuchten Parametern waren die Unterschiede zu der Kontrollgruppe signifikant, nicht-signifikant waren nur bei 0,5 W/kg die Anzahl der Drehungen und bei 1 W/kg die Gesamtstrecke. Im Vergleich zu den Kontrolltieren tranken die Tiere bei 0,5 W/kg signifikant weniger, bei 1 W/kg signifikant mehr, der Unterschied zwischen 0,5 und 1 W/kg war auch signifikant. Die Futteraufnahme war bei beiden bestrahlten Gruppen signifikant, bei 0,5 W/kg geringer, bei 1 W/kg teilweise höher.

Das Bewegungsverhalten wurde gemessen als Aktivität und Gesamtzahl der Umdrehungen im Laufrad, der Gesamtstrecke, kumulativer Bewegungsdauer und Anzahl der aktiven Phasen. Bewegung im Laufrad: Die Anzahl der Umdrehungen bei 1 W/kg war signifikant höher als bei 0,5 W/kg und den Kontrollen. Die Gesamtstrecke war bei beiden signifikant niedriger gegenüber der Kontrollgruppe, so auch die kumulative Bewegungsdauer. Die Anzahl der nicht-aktiven Phasen waren signifikant niedriger bei 0,5 W/kg als bei den Kontrollen, 1 W/kg führten zu signifikant mehr inaktiven Phasen gegenüber den Kontrollen. Die Anzahl der Besuche im Unterschlupf unterschied sich signifikant zwischen bestrahlten und scheinbestrahlten Tieren. Die bestrahlten Tiere suchten den Unterschlupf signifikant häufiger auf und die gesamte Aufenthaltsdauer dort war bei den bestrahlten Tieren deutlich länger als bei den Kontrolltieren.

Die gefundenen Unterschiede waren über die gesamten 6 Monate der Beobachtungszeit zu sehen. Bei fast allen Parametern wurden Unterschiede zu den scheinbestrahlten Kontrollen gefunden. Aber es gab keine einheitliche Bestrahlungs-Reaktions-Beziehung. Dies sind vorläufige Ergebnisse, denn die Anzahl der Tiere war gering. Bei 0,5 W/kg trat häufiger eine hemmende Wirkung im Verhalten auf und bei 1 W/kg eine Steigerung. Die Tiere der 1-W/kg-Gruppe waren aktiver im Laufrad, aber sie verbrachten auch mehr Zeit im Ruhebereich als die Kontrolltiere.

Die Forscher überlegen, dass das veränderte Verhalten mit Einwirkung der Strahlung auf den Stoffwechsel oder dass die Strahlung den Hippocampus verändert hat, der zur Zeit der Bestrahlung in der Entwicklung war, und somit das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt ist. Das wirkt sich auf das Trink- und Futterverhalten aus.

Die beobachteten Verhaltensänderungen sollten weiter untersucht werden, um die Mechanismen zu erfahren. Da das Verhalten einige Wochen nach der Bestrahlung gemessen wurde, sind einfache Erklärungen wie Wahrnehmungsstörungen oder thermische Wirkungen unhaltbar ebenso wie unbekannte Stressfaktoren in der Umgebung. Wie sollte man erklären, dass ein einzelner Faktor in den Gruppen gegensätzliche Verhaltensänderungen verursachen kann, zumal die Ergebnisse im zweiten Ansatz bestätigt wurden. Im Gegensatz dazu waren die Unterschiede im Verhalten in einer Pilotstudie mit unbestrahlten Tieren nicht zu sehen. Außerdem zeigt die Stetigkeit der beobachteten Veränderungen über die Zeit des Experiments, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Ergebnisse zufällig sind, und der Versuchsansatz auch nicht verantwortlich ist. Insgesamt muss man schlussfolgern, dass die Strahlung die Ursache ist. Die Gehirne der Tiere sollten untersucht werden ob Strukturen der Nervenzellen verändert sind, z. B. Synapsenstruktur, Neurotransmitterstatus und der Zusammenbruch der Blut-Hirn-Schranke. Da die Mäuse Ganzkörper-Bestrahlung bekamen, können auch andere Bereiche des Nervensystems oder Systeme außerhalb des Gehirns betroffen sein. Solche Mechanismen wurden bei vorgeburtlichen Bestrahlungen mit ionisierender Strahlung bei Menschen gefunden.

Schlussfolgerungen

Da es keine andere einleuchtende Erklärung gibt, wird der Schluss gezogen, dass die wiederholte Bestrahlung mit niedriger Feldstärke von Mobilfunk-Strahlung (gepulsten 1846 MHz, simulierter Downlink, Ganzkörper-SAR 0,5 und 1 W/kg, im Mutterleib und kurz nach der Geburt) bei männlichen Mäusen im frühen Leben eine fortdauernde und lang anhaltende Nachwirkung bei den erwachsenen Tieren hat. (IW)