Autor(en):
Thill A*
Luxemburg
Veröffentlicht in:
umwelt • medizin • gesellschaft 3/2020; 33 (1) Suppl: 1-28
Veröffentlicht: 14.09.2020
auf EMF:data seit 12.09.2020
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie Akut Luxemburg | Co-Finanzierung: Diagnose-Funk e.V., NaBu Baden-Württemberg

Schlagwörter zu dieser Studie:
Wirkungen auf Tiere
Reviews/Übersichtsarbeiten

Biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Insekten. [dt. Original-Titel]

Biological effects of electromagnetic fields on insects.

Original Abstract

Weltweit nehmen die Insekten mit alarmierender Geschwindigkeit ab. Es ist bekannt, dass hierbei, neben anderen Ursachen, insbesondere die Verwendung von Pestiziden und die moderne landwirtschaftliche Praxis eine große Rolle spielen. Die kumulativen Auswirkungen  multipler niedrig dosierter Toxine und die Ausbreitung von Giftstoffen in der Natur sind noch nicht methodisch erforscht, oder erst in den Anfängen.

Bestehende Forschung deutet auf einen weiteren Faktor anthropogenen Ursprungs hin, welcher subtile schädliche Auswirkungen haben könnte: die zunehmend häufigere Verwendung von technisch erzeugten elektromagnetischen Feldern (EMF) wie Hochspannung, Mobilfunk und WLAN. Die Infrastruktur der nächsten Generation der Mobilfunktechnologien  (5G) wird aktuell aufgebaut, ohne vorher auf mögliche toxische Auswirkungen geprüft worden zu sein. Mit dem Streben der Menschheit nach Allgegenwart der Technologie könnten selbst bescheidene Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Organismen irgendwann ein Sättigungsniveau erreichen, das nicht mehr ignoriert werden kann.

Dieses systematische Review wertet die Studienlage zu den toxischen Wirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) auf Insekten aus. Ebenfalls enthalten ist eine allgemeine Übersicht über berichtete Effekte und Mechanismen der Einwirkung von EMF, die auf neue Erkenntnisse der Zellbiologie eingeht. 72 der 83 analysierten Studien fanden einen Effekt. Als negative Wirkungen wurden in Studien beschrieben: Einschränkungen des Orientierungssinns, reduzierte Fortpflanzungsfähigkeit und Fruchtbarkeit, Lethargie, Veränderungen der Flugdynamik, Misserfolg in der Nahrungssuche, reduzierte Reaktionsgeschwindigkeiten, Fluchtverhalten, Störung der circadianen Rhythmik, Blockierung der Atmungskette und  Schädigung der Mitochondrien, Fehlaktivierungen im Immunsystem, erhöhte Anzahl von DNA-Strangbrüchen.

Einige Wirkmechanismen, die zu diesen Schädigungen führen, werden identifiziert. EMF beeinträchtigen den Stoffwechsel, u. a. wirken sie auf spannungsgesteuerte Calciumkanäle, z.B. in der neuronalen Erregungsübertragung und im Muskelgewebe, was zu einer Überaktivierung der Signaltransduktion und Atmungskette mit Produktion von freien  Sauerstoffradikalen und in der Folge zu oxidativem Zellstress führen kann.

Im Ergebnis zeigt sich, dass EMF einen ernstzunehmenden Einfluss auf die Vitalität von Insektenpopulationen haben könnten. Festgestellt wurde in einigen Experimenten, dass trotz geringen Belastungen durch Sendeanlagen nach mehreren Monaten schädliche Auswirkungen eintraten. Feldstärken bereits 100-fach unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte könnten schon Auswirkungen haben. Vor dem Hintergrund des rapiden Rückgangs der Insekten und des weiteren Ausbaus hochfrequenter elektromagnetischer Feldquellen besteht nicht nur weiterer, dringender Forschungsbedarf, insbesondere auch für die Wechselwirkungen mit anderen schädigenden Noxen wie Pestiziden. Bei der Planung des Mobilfunkausbaus müssen jetzt schon Lebensräume der Insekten vor EMF-Belastung geschützt werden.

Quelle: umwelt • medizin • gesellschaft | Übersetzung durch EMF:data
Exposition:

EMF allgemein