Autor(en):
Gulati S*, Kosik P, Durdik M, Skorvaga M, Jakl L, Markova E, Belyaev I.
* Department of Radiobiology, Cancer Research Institute, Biomedical Research Center, Slovak Academy of Sciences, Bratislava, 845 05.
Slowakei
Veröffentlicht in:
Environ Pollut 2020; 267: 115632
Veröffentlicht: 01.12.2020
auf EMF:data seit 23.02.2021
Weitere Veröffentlichungen:
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Auswirkungen verschiedener UMTS-Signale von Mobiltelefonen auf DNA, Apoptose und oxidativen Stress in menschlichen Lymphozyten.

Effects of different mobile phone UMTS signals on DNA, apoptosis and oxidative stress in human lymphocytes.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposition:

1920-1980 MHz
Mobiltelefone
UMTS/3G

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Mobilfunkstrahlung ernsthafte Auswirkungen auf unsere Umwelt haben kann. Diese elektromagnetische Verschmutzung (Elektrosmog), verursacht durch drahtlose Kommunikation, kann nicht nur den Menschen, sondern auch Säugetiere, Vögel und Insekten beeinflussen. Mobilfunkstrahlung wurde von der „International Agency for Research on Cancer“ (IARC) als möglicherweise krebserregend beim Menschen eingestuft. Es wird vermutet, dass oxidativer Stress ein Schlüsselfaktor für das durch Mobilfunkstrahlung verursachte Auftreten von Hirntumoren und Leukämie im Kindesalter sein könnte. Das Tumorsuppressorgen TP53, welches für das p53-Protein codiert, ist das am häufigsten mutierte Gen bei menschlichen Krebserkrankungen, einschließlich Hirntumoren. Somatische TP53- Mutationen wurden in bis zu 20 % der akuten myeloischen Leukämie nachgewiesen, oft in Zusammenhang mit einer schlechten Überlebensrate. Andere frühe, primäre, genetische Anomalien bei der Entstehung akuter Leukämie im Kindesalter sind Umlagerungen von Chromosomenabschnitten in blutbildenden Zellen. Dabei tauschen zwei Chromosomen Abschnitte untereinander aus, was in diesem Fall zu sogenannten präleukämischen Fusionsgenen (PFG) führt. Diese Studie hat verschiedene, sich ergänzende Techniken angewandt, um die Auswirkungen von UMTS (3G) Strahlung auf menschliche Lymphozyten in vitro zu überprüfen. Dabei lagen reaktive Sauerstoffspezies (ROS), DNA-Schäden, Apoptose, TP53-Mutationen und die häufigsten PFG im Fokus.

Quelle: ElektrosmogReport März 2021 | 27. Jahrgang, Nr. 1

Studiendesign und Durchführung

Die Studie wurde an primären, menschlichen Lymphozyten in vitro durchgeführt. Ein Nokia 6650 mit 0,25 W diente als Basis der Strahlungsquelle. Es wurden drei UMTS Frequenzkanäle mit den mittleren Frequenzen von 1923, 1947,47 und 1977 MHz getestet. Bestrahlung sowie Scheinbestrahlung der Kontrollen wurde gleichzeitig über 1 und 3 Stunden durchgeführt. Der ermittelte SAR-Wert von 40 mW/kg lag dabei deutlich unter dem derzeit akzeptierten Wert von 2 W/kg. Die Bestrahlung führte nicht zu Temperaturerhöhung der Proben. Die Autoren untersuchten DNA-Schäden mit dem alkalischen Comet-Assay, ROS sowie Apoptose durch Durchflusszytometrie, p53-Mutationen durch Restriktionsstellenmutationstest (RSM) sowie Auftreten von PFG durch RT-qPCR.

Ergebnisse

Die Wissenschaftler fanden bei dem höchsten UMTS-Frequenzband von 1977 MHz eine statistisch signifikante Erhöhung von DNA-Schäden. Diese vermehrten DNA-Schäden war nicht zeitabhängig (kein Unterschied zwischen 1 h und 3 h Bestrahlung). Die anderen beiden Frequenzbänder 1923 und 1947,47 MHz erzielten keine statistisch signifikante Erhöhung der DNA-Schäden. Dies könnte darauf hinweisen, dass die beobachtete Mobilfunkwirkung frequenzabhängig ist. Anschließend wurden ROS untersucht. Dort beobachteten die Autoren keinerlei Veränderungen nach UMTS-Einwirkung. Die Überprüfung der Apoptose zeigte eine signifikante Abnahme der überlebenden Zellen in Abhängigkeit der Inkubationsdauer, allerdings nicht in Abhängigkeit der Bestrahlung. Dies weist darauf hin, dass es sich um endogene Apoptosevorgänge handelt. Dies weist zudem darauf hin, dass die UMTS-Belastung unter den gewählten Bedingungen keine Apoptosen in Lymphozyten hervorruft. Auch die Analyse von p53-Mutationen und PFG-Induktion durch UMTS-Strahlung bleiben unauffällig. Im Zuge der RT-qPCR wurden jedoch statistisch signifikant verminderte RNA-Level nach einstündiger Bestrahlung gefunden.

Schlussfolgerungen

In der vorgestellten Studie untersuchten die Autoren nichtthermische Auswirkungen von drei verschiedenen UMTS Frequenzbändern auf menschliche Lymphozyten. Sie fanden eine relativ geringe, aber statistisch signifikante Induktion von DNA-Schäden bei 1977 MHz. Die anderen analysierten Parameter (ROS, Apoptose, TP53-Mutationen, Auftreten von PFG) blieben unauffällig. Nach dem Kenntnisstand der Autoren ist dies der erste Bericht, der darauf hinweist, dass nicht-thermische Mobilfunkauswirkungen die Gesamt-RNA Bildung beeinflussen kann. Auf Grund ihrer Daten fordern sie, dass jedes einzelne in der drahtlosen Kommunikation verwendete Frequenzband getestet werden sollte, um auszuschließen, dass die Exposition gegenüber Mobilfunk die menschliche Population und die Umwelt negativ beeinflusst. (RH)