Autor(en):
Almášiová V*, Holovská K, Andrašková S, Cigánková V, Ševčíková Z, Raček A, Andrejčáková Z, Beňová K, Tóth Š, Tvrdá E, Molnár J, Račeková E.
* Department of Morphological Disciplines, University of Veterinary Medicine and Pharmacy in Kosice.
Slowakei
Veröffentlicht in:
Histol Histopathol 2021: 18331 [im Druck]
Veröffentlicht: 25.03.2021
auf EMF:data seit 25.05.2021
Weitere Veröffentlichungen:
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Möglicher Einfluss einer pränatalen hochfrequenten elektromagnetischen 2,45 GHz-Feldexposition auf die Hoden von Wistar-Albino-Ratten.

Potential influence of prenatal 2.45 GHz radiofrequency electromagnetic field exposure on Wistar albino rat testis.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

An ever-increasing use of wireless devices over the last decades has forced scientists to clarify their impact on living systems.Since prenatal development is highlysensitive to numerous noxious agents, including radiation, we focused on the assessment of potential adverse effects of microwave radiation (MR) on testicular development.Pregnant Wistar albino rats (3 months old, weighing 282±8 g) were exposed to pulsed MR at a frequency of 2.45 GHz, mean power density of 2.8 mW/cm²,and a specific absorption rate of 1.82 W/kg for 2 hours/day throughout pregnancy. Male offspring were no longer exposed to MR following birth. Samples of biological material were collected after reaching adulthood (75 days). In uteroMR exposure caused degenerative changes in the testicular parenchyma of adult rats. The shape of the seminiferous tubules was irregular, germ cells were degenerated and often desquamated. The diameters of the seminiferous tubulesand the height of the germinal epithelium were significantly decreased (both at ∗∗p<0.01), while the interstitial space was significantly increased(∗∗p<0.01) when compared to the controls. In the group of rats prenatally exposed to MR, the somatic and germ cells were rich in vacuoles and their organelles were often altered. Necrotizing cells were more frequent and empty spaces between Sertoli cells and germ cells were observed. The Leydig cells contained more lipid droplets.An increased Fluoro Jade –C and superoxide dismutase 2 positivity was detectedin the ratsexposed to MR. Our results confirmed adverse effects of MR on testicular development.

Keywords

rats | fetal development | microwaves | testes

Exposition:

2450 MHz
SAR = 1,82 W/kg
2,8 mW/cm²

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Der flächendeckende Einsatz von mobilen Kommunikationsgeräten nimmt weltweit zu. Dementsprechend wurde sowohl das öffentliche als auch wissenschaftliche Interesse an der Aufklärung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen geweckt. Embryonales bzw. fötales Gewebe sind sehr empfindlich gegenüber diverser schädlicher Einflüsse, einschließlich Strahlung. Es existieren eine Reihe von Studien, welche berichten, dass selbst die Belastung mit geringen Dosen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (HF-EMF) während  der Embryonalentwicklung, ernsthafte Folgen auf die spätere Gesundheit haben können. Hoden von Säugetieren gelten im Allgemeinen als sehr anfällige Organe gegenüber Stressfaktoren. Beeinträchtigungen der Hodenentwicklung während der embryonalen Phase können die Fähigkeit der Gonaden (männliche Keimdrüsen), Spermatozoen zu produzieren, nachhaltig negativ beeinflussen. Aus diesem Grund entschieden sich die Autoren der hier vorgestellten Studie, den Einfluss von 2,45 GHz Hochfrequenzstrahlung auf Reproduktionsparameter erwachsener männlicher Ratten zu untersuchen, welche lediglich während ihrer Embryonalentwicklung (in utero) bestrahlt wurden.

Quelle: ElektrosmogReport Juni 2021 | 27. Jahrgang, Nr. 2

Studiendesign und Durchführung

Insgesamt 6 trächtige Ratten (3 bestrahlt, 3 Kontrollen) wurden in einer Expositionskammer für freilaufende Tiere bestrahlt. Die Kontrolltiere wurden unter Standardbedingungen gehalten und nicht bestrahlt (keine Scheinbestrahlung). Die Bestrahlung erfolgte von Tag 1 der Trächtigkeit bis zum Wurf mit 2,45 GHz, 2,8 mW/cm², SAR = 1,82 W/kg für 2 Stunden täglich. Da die Bestrahlung intrauterin stattfand, konnte eine Temperaturerhöhung nicht ausgeschlossen werden. Dementsprechend können die Wissenschaftler nicht die Beteiligung einer thermischen Wirkung in dem Experiment bestätigen oder ausschließen. Zwei männliche Nachkommen pro Muttertier wurden 75 Tage nach der Geburt geopfert und deren Hodengewebe untersucht. Es folgten morphologische Analysen, histochemischen und immunohistochemische Untersuchungen.
 

Ergebnisse

Die morphologischen Analysen offenbarten diffuse, moderate, degenerative Veränderungen der Hoden bei den bestrahlten männlichen Ratten. Es wurden Unregelmäßigkeiten in der Morphologie der Hodenkanälchen (Durchmesser, Epithelhöhle, Zwischenzellraum) sowie unreife Keimzellen im Lumen der Hodenkanälchen festgestellt. Die Hodenkanälchen sind das Gewebe, in dem im Rahmen der Spermatogenese die Spermien gebildet werden (Anm. der Redaktion). Eine elektronenmikroskopische Bewertung zeigte degenerative Veränderungen in verschiedenen Zelltypen, unter anderem waren Sertoli-, Leydig- sowie verschiedene Stadien der sich entwickelnden Keimzellen betroffen. Die histochemische Fluoro Jade – C-Untersuchung bestätigte degenerative Veränderungen innerhalb der Hodenkanälchen. Abschließend wurden oxidative Veränderung durch die Konzentration des Enzyms Superoxid-Dismutase (SOD2) bewertet. Dies fand mittels immunohistochemischer Methoden statt. Die Hochfrequenzstrahlung verursachte eine erhöhte SOD2 Produktion in den Keimzellen, welche im Rahmen der Spermatogenese Zellteilung durchlaufen (Spermatogonien und Spermatozyten). Bei den Spermatiden, welche die Meiose bereits durchlaufen hatten, wurden allerdings geringere Konzentrationen von SOD2 festgestellt.

Schlussfolgerungen

Die Autoren schlussfolgern, dass Strahlungsbelastung (2,45 GHz, 2,8 mW/cm², SAR = 1,82 W/kg, 2h/Tag), welche vor der Geburt stattfand, im späteren Verlauf des Lebens einen negativen Einfluss auf die Hodenstruktur sowie die Spermatogenese der Ratten besaß. Sie ziehen oxidative Schädigungen sowie eine beeinträchtigte Blut-Hoden-Schranke als mögliche Mechanismen in Betracht, wie die Gewebeschäden entstehen konnten. Diese Gewebeschäden manifestierten sich in Form von Keimzelldegeneration sowie morphologischen Veränderungen. Laut den Wissenschaftlern könnte die Elektronenmikroskopie Hinweise darauf liefern, dass die gestörte Spermatogenese aus einer fehlerhaften Konformation der Sertoli-Zellen, oder einer Kombination aus Entwicklungsstörungen von Sertoli-, Leydigund Stammkeimzellen resultierte. (RH)