Autor(en):
Kim HS*, Paik MJ, Seo C, Choi HD, Pack JK, Kim N, Ahn YH.
* Department of Neurosurgery, Ajou University School of Medicine, Suwon.
Südkorea
Veröffentlicht in:
Int J Radiat Biol 2021; 97 (2): 282-287
Veröffentlicht: 16.11.2020
auf EMF:data seit 21.09.2021
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
Serotonin
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Einflüsse der Exposition bei 915-MHz-Radiofrequency Identification-Signalen auf Serotonin-Metabolite bei Ratten: Eine Pilotstudie.

Influences of exposure to 915-MHz radiofrequency identification signals on serotonin metabolites in rats: A pilot study.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposition:

HF (9 kHz - 1 GHz)
915 MHz
SAR = 2 W/kg

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Im Jahr 2020 haben mehr als 4,7 Milliarden Personen weltweit Mobiltelefone benutzt, und die Zahl steigt weiter. Die Bevölkerung ist ständig der Strahlung ausgesetzt, ohne dass eine statistisch signifikante Erhöhung der Temperatur damit verbunden ist. Die Bevölkerung absorbiert die Strahlung den ganzen Tag im ganzen Körper von den überall installierten Mobilfunknetzen, und die Bevölkerung ist beunruhigt über die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks. Serotonin (5-Hydroxy-Tryptamin) ist ein Monoamin-Neurotransmitter, der auch als Glückshormon bekannt ist, und der verschiedene neurologische Funktionen steuert wie Laune, Schlaf, Tag-Nacht-Rhythmus, Lernen,  Gedächtnis und Stress. Serotoninmangel findet man bei vielen Erkrankungen, dazu gehören neurodegenerative Erkrankungen und Depressionen. Eines der Haupt-Stoffwechselprodukte von Serotonin ist 5-Hydroxy-Indol-Essigsäure (5-HIAA), dessen Konzentration im Urin Hinweise über den Umsatz der Ausgangsmoleküle dieses Neurotransmitters (Tryptophan) im Zentralnervensystem gibt. Änderungen des Serotoninumsatzes durch verschiedene Umweltstressoren können zur Abnahme der 5-HIAA-Konzentration im Urin führen. Bei Säugetieren wird ungefähr 95 % des Serotonins im Magen-Darm-Trakt synthetisiert, der Rest im Zentralen Nervensystem. Tryptophan (TRP), ein Serotonin-Vorläufer, wird überführt in 5-Hydroxy-Tryptophan (5-HTP) durch die TRPHydrolase. Danach wird 5-HTP in Serotonin umgewandelt durch die Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase. Serotonin wird in viele verschiedene Organe verteilt und wird von der Monoamin-Oxidase zu 5-HIAA abgebaut, das schließlich in 5-Methoxylindol-3-Essigsäure (5-MIAA) durch die Hydroxyindol-O-Methyltransferase umgewandelt und über die Nieren ausgeschieden wird. Diese Kaskaden finden im Zentralnervensystem und im Nervensystem des Darms statt. Serotonin ist ein wichtiger Neurotransmitter in der Hirn-Darm-Achse und spielt eine große Rolle bei der Regulation der Physiologie des ganzen Körpers einschließlich des Immunsystems. Wenige Studien haben den Einfluss von Hochfrequenz auf den Serotonin-Stoffwechsel an Tieren untersucht. Es gab widersprüchliche Ergebnisse, deshalb wurde diese Tierstudie zur weiteren Klärung durchgeführt.

Quelle: ElektrosmogReport September 2021 | 27. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

22 männliche Ratten wurden in 2 Gruppen geteilt, 10 Tiere bekamen Scheinbestrahlung, 12 Tiere wurden mit 2 W/kg 8 Stunden täglich 5 Tage pro Woche für 2 Wochen mit 915 MHz bestrahlt. Vor und nach der Bestrahlung wurde 24-Stunden-Urin von jeder Ratte entnommen und die Konzentrationen von Tryptophan, 5-Hydroxy-Tryptophan, Serotonin, 5-Hydroxy-Indol-Essigsäure und 5-Methoxyindol-3-Essigsäure mit Gaschromatografie-Massenspektroskopie bestimmt. Die Serotonin-Konzentrationen werden im Urin auf das Nieren-Ausscheidungsprodukt Kreatinin bezogen.

Ergebnisse

Die Konzentration von Serotonin sank um 20 % in der scheinbestrahlten und um 40 % bei der bestrahlten Gruppe. Die Serotonin-Konzentration in der scheinbestrahlten Gruppe vor und nach der Behandlung betrug 54,64 ± 11,66 bzw. 40,99 ± 15,66 nmol/mg Kreatinin; bei der bestrahlten Gruppe 50,89 ± 22,38 bzw. 29,96 ± 14,89 nmol/mg Kreatinin. Der Unterschied in der Serotonin-Konzentration ist in der bestrahlten Gruppe größer als in der Kontrolle. Die Konzentrationen von 5-MIAA in der bestrahlten Gruppe vor und nach der Bestrahlung war 6,28 ± 1,80 bzw. 4,39 ± 2.00 nmol/mg Kreatinin. Bei 5-MIAA gab es in der Kontrollgruppe keinen statistisch signifikanten Unterschied nach der Scheinbestrahlung. Auch in der bestrahlten Gruppe gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede bei
den TRP- und 5-OH-TRP-Konzentrationen.

Schlussfolgerungen

In dieser Studie wurden die Stoffwechselprodukte des Serotonins im Urin von Ratten gemessen, um die Mechanismen des Einflusses von 915-MHz-Strahlung auf den TRP-Stoffwechselweg zu verstehen. Die Konzentrationen von TRP und 5-HTP blieben unverändert, während die Serotonin- und 5-MIAA-Konzentrationen abnahmen. Das Verhältnis von Serotonin zu 5-HIAA war in keinem Fall verändert. Damit ist der zugrunde liegende Mechanismus der Serotoninsynthese nicht geklärt, es kann aber angenommen werden, dass die Serotonin-Synthese eher von der Strahlung beeinflusst wird als der Serotonin-Umsatz. Diese Pilotstudie kann keine Ergebnisse zu Langzeit-Wirkungen der Strahlung liefern. Weitere Studien sind erforderlich mit längerer Laufzeit und niedrigeren SARs zur Erfassung einer Dosis-Wirkungs-Beziehung. Da bei älteren Individuen ein Serotoninmangel zu psychiatrischen Störungen führen kann, sollten auch ältere Tiere untersucht werden. Der Serotonin-Umsatz ist bei depressiven Personen erhöht, die Konzentration von 5-HIAA nimmt bei Depressionen im Gehirn ab. Da nur 10 % des 5-HIAA im Urin vom Gehirn stammt, sollten in weiteren Studien die Serotonin-Stoffwechselprodukte im Liquor cerebrospinalis und in der Zirbeldrüse untersucht werden. Die Bestrahlung mit 2 W/kg reicht aus, um den Serotonin-Stoffwechsel bei Ratten zu verändern, unabhängig davon, ob die Intensität der Strahlung als schädlich für Lebewesen betrachtet wird. (IW)