Autor(en):
Yu G*, Bai Z, Song C, Cheng Q, Wang G, Tang Z, Yang S.
* Department of Urology, Renmin Hospital of Wuhan University, Wuhan.
China
Veröffentlicht in:
Environ Pollut 2021; 282: 116952
Veröffentlicht: 01.08.2021
auf EMF:data seit 01.12.2021
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
Wirkungen auf Hoden/Spermien, Fertilität
Reviews/Übersichtsarbeiten
zur EMF:data Auswertung

Aktuelle Erkenntnisse zur Wirkung von Mobilfunk-Feldern auf die Spermien-Qualität: Ein aktualisierter systematischer Review und Meta-Analyse von Human- und Tierstudien.

Current progress on the effect of mobile phone radiation on sperm quality: An updated systematic review and meta-analysis of human and animal studies.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposition:

Mobiltelefone
SAR < 2 W/kg

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Drahtlose Kommunikationsgeräte erzeugen nicht-ionisierende Strahlung, welche als hochfrequente elektromagnetische Strahlung bezeichnet wird. Die zunehmende Nutzung von diesen drahtlosen Kommunikationsgeräten, wie z.B. Mobiltelefonen, hat Bedenken über mögliche, gesundheitliche Auswirkungen aufkommen lassen. Unter anderem besteht die Sorge, ob hochfrequente Felder die Spermienqualität und damit die männliche Fruchtbarkeit negativ beeinflussen können. Laut den Autoren herrscht derzeit der Öffentlichkeit Konsens, dass Hochfrequenzstrahlung ein Hauptrisikofaktor für eine verminderte Spermienqualität darstellt. Die Ergebnisse aktueller Forschungen zeigen jedoch kein einheitliches Bild, sodass die Frage, ob Mobilfunkstrahlung die Spermienqualität negativ beeinflussen kann, in der wissenschaftlichen Fachwelt ungelöst und diskutiert bleibt. Die Autoren der hier vorgestellten Übersichtsarbeit haben eine Meta-Analyse aktueller Forschungsarbeiten durchgeführt, um Licht in das Dunkel über den Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und männlicher Fruchtbarkeit zu bringen.

Quelle: ElektrosmogReport Dezember 2021 | 27. Jahrgang, Nr. 4

Studiendesign und Durchführung

Die Autoren führten eine Meta-Analyse von 39 Studien durch. Darunter befanden sich 5 Querschnittsstudien am Menschen, 8 in-vitro Studien an menschlichen Spermien sowie 26 Nagetierstudien. Ein Auswahlkriterium für die in-vitro Studien zu menschlichen Spermien sowie den Tierstudien war eine Strahlenbelastung mit einer spezifischen Absorptionsrate (SAR) von unter 2 W/kg.

Ergebnisse

Laut den Wissenschaftlern mangelt es momentan an relevanten epidemiologischen Studien am Menschen. Studien würden überwiegend anhand von Tiermodellen durchgeführt, von denen einige Mobiltelefone als Strahlungsquelle nutzten, während andere Simulatoren einsetzten. Nur wenige Studien befassten sich mit den Auswirkungen von 4G- oder 5G-Geräten und es wurden erhebliche Unterschiede zwischen den Bewertungsmethoden der tatsächlichen Strahlendosen festgestellt. Des Weiteren bewerteten die meisten Studien die Wirkung von Mobilfunk auf die Spermienqualität anhand von Parametern wie Dichte, Beweglichkeit, Lebensfähigkeit und Morphologie. Nur wenige untersuchten fortgeschrittene Spermienfunktionstests, den DFI-Test oder Tests zur Bewertung der Nachkommen. Fast alle ausgewählten Studien untersuchten die Auswirkungen von Ganzkörperbestrahlung, sehr wenige widmeten sich der lokalen Bestrahlung der Fortpflanzungsorgane. Bei der Auswertung aller Querschnittsstudien am Menschen konnten die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen Mobilfunknutzung und Abnahme der Spermienqualität feststellen. Allerdings trug das Studiengebiet zur Heterogenität der Studien bei. Die Nutzung von Mobiltelefonen in Osteuropa sowie Westasien konnten mit einer verminderten Spermiendichte und -motilität in Verbindung gebracht werden. Die kombinierten Ergebnisse der in-vitro Studien an menschlichen Spermien zeigten, dass Hochfrequenzstrahlung von Mobiltelefonen reife Spermien beeinträchtigen kann. Es konnte eine Verminderung der Spermienmotilität sowie Überlebensfähigkeit demonstriert werden. Auch die Studien am Tiermodell konnten negative Auswirkungen von Hochfrequenz auf die Spermienqualität feststellen. Die gebündelten Ergebnisse zeigen eine Verringerung der Spermienmotilität sowie Überlebensfähigkeit bei Ratten. Bei Mäusen konnte eine verminderte Spermienkonzentration festgestellt werden. Untergruppenanalysen deuteten darauf hin, dass die Studienheterogenität bei fixierten Ratten abnahm. Eine weitere Untergruppenanalyse deutete darauf hin, dass Hochfrequenz bei Ratten, welche älter als 10 Wochen waren, auch zu einer Abnahme der Spermiendichte führte. Bei jüngeren Ratten wurden keine derart signifikanten Auswirkungen festgestellt.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse der Meta-Analyse zeigen, dass sowohl beim Menschen als auch in Tierversuchen verminderte Spermienqualität in Verbindung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern gebracht werden kann. Laut den Autoren seien weitere Studien zur Auswirkung von Hochfrequenz auf die männliche Fruchtbarkeit von großer praktischer Bedeutung. Selbst geringe Auswirkungen, welche nur bei wenigen Promille der Mobilfunknutzer zu Problemen führten, könnten demnach dennoch zu einer globalen medizinischen Katastrophe führen. Die Wissenschaftler formulieren außerdem ihre persönliche Meinung, dass der SAR-Wert als Schlüsselindex für die Bewertung von Umweltrisiken obsolet sei. Sie führen verschiedene Gründe auf, unter anderem: unstimmige Berechnungen; lediglich Berücksichtigung thermische Mechanismen; keine Berücksichtigung tatsächlicher Dichte, Permeabilität und Dielektrizitätskonstante von Organen; nicht-standardisierte SAR-Messungen. Der SAR-Wert sei möglicherweise nicht mehr sicher genug, um die menschliche Gesundheit zu schützen. Aus diesem Grunde müsse die akademische Gemeinschaft andere, geeignetere Indizes ermitteln. Außerdem sollten interdisziplinäre Kooperationen eingerichtet werden, um den sicheren Grenzwert für die Hochfrequenzdosis von Mobiltelefonen neu zu definieren. (RH)