Autor(en):
Maluin SM*, Osman K, Jaffar FHF, Ibrahim SF.
* Department of Physiology, Faculty of Medicine, Universiti Kebangsaan Malaysia (UKM), Kuala Lumpur.
Malaysia
Veröffentlicht in:
Front. Physiol. 12:732420
Veröffentlicht: 24.09.2021
auf EMF:data seit 05.12.2021
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Universität Kebangsaan Malaysia (Research grant: FRGS/1/2019/SKK06/UKM/02/3 and FF-2021-200).

Schlagwörter zu dieser Studie:
Wirkungen auf Hoden/Spermien, Fertilität  |  Testosteron
Reviews/Übersichtsarbeiten
zur EMF:data Auswertung

Wirkung der von drahtlosen Geräten ausgehenden Strahlung auf männliche Fortpflanzungshormone: Ein systematischer Review.

Effect of Radiation Emitted by Wireless Devices on Male Reproductive Hormones: A Systematic Review.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposure to radiofrequency electromagnetic radiation (RF-EMR) from various wireless devices has increased dramatically with the advancement of technology. One of the most vulnerable organs to the RF-EMR is the testes. This is due to the fact that testicular tissues are more susceptible to oxidative stress due to a high rate of cell division and mitochondrial oxygen consumption. As a result of extensive cell proliferation, replication errors occur, resulting in DNA fragmentation in the sperm. While high oxygen consumption increases the level of oxidative phosphorylation by-products (free radicals) in the mitochondria. Furthermore, due to its inability to effectively dissipate excess heat, testes are also susceptible to thermal effects from RF-EMR exposure. As a result, people are concerned about its impact on male reproductive function. The aim of this article was to conduct a review of literature on the effects of RF-EMR emitted by wireless devices on male reproductive hormones in experimental animals and humans. According to the findings of the studies, RF-EMR emitted by mobile phones and Wi-Fi devices can cause testosterone reduction. However, the effect on gonadotrophic hormones (follicle-stimulating hormone and luteinizing hormone) is inconclusive. These findings were influenced by several factors, which can influence energy absorption and the biological effect of RF-EMR. The effect of RF-EMR in the majority of animal and human studies appeared to be related to the duration of mobile phone use. Thus, limiting the use of wireless devices is recommended.

Keywords

Wi-Fi | follicle-stimulating hormone (FSH) | luteinizing hormone (LH) | mobile phone | testosterone

Exposition:

2450 MHz
Mobiles Internet/WLAN
Mobiltelefone
850-1850 MHz

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Die Belastung mit hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung diverse drahtloser Geräte nimmt durch den Fortschritt der Technik immer weiter zu. Die Hoden stellen Hochfrequenz gegenüber ein besonders gefährdetes Organ dar, da sie sowohl gegenüber oxidativem Stress als auch Hitzeentwicklung empfindlich reagieren. Die Empfindlichkeit gegenüber oxidativem Stress ist auf die hohe Zellteilungsrate und den mitochondrialen Sauerstoffverbrauch sowie schwache antioxidative Schutzmechanismen zurückzuführen. Sowohl Hitze als auch oxidativer Stress werden mit einer Störung des Keimzellzyklus sowie erhöhter Apoptose der Spermien in Verbindung gebracht. Der Verlust von Keimzellen kann sich auf den Hormonhaushalt auswirken, da sie eine der wichtigsten Komponenten der sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse sind. Das komplizierte Zusammenspiel der an dieser Achse beteiligten Hormone, insbesondere des Gonadoliberins, des follikelstimulierenden Hormons (FSH), des luteinisierenden Hormons (LH) sowie des Testosterons und Östrogens ist für die männliche Fruchtbarkeit von wesentlicher Bedeutung. Die hier vorgestellte Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Auswirkungen von Mobilfunk-und WLAN-Strahlung auf die Hypothalamus-Hypophysen-Achse und die männlichen Fortpflanzungshormone.

Quelle: ElektrosmogReport Dezember 2021 | 27. Jahrgang, Nr. 4

Studiendesign und Durchführung

Von ursprünglich 368 recherchierten Artikeln wählten die Autoren 19 als für diese Übersichtsarbeit geeignet aus. Es wurden Mobilfunkstudien mit Frequenzen zwischen 850 und 1850 MHz sowie WLAN-Studien mit 2,45 GHz berücksichtigt. 14 der 19 Studien beschrieben die Auswirkung von Mobilfunk auf männliche Fortpflanzungshormone anhand von Nagetieren als Modellorganismen. Das Studiendesign unterschied sich jedoch in vielerlei Hinsicht, unter anderem beim Alter der Tiere, Variationen in der Frequenz sowie der Strahlungsquelle, Strahlungsdauer sowie Abstand zwischen Strahlungsquelle und Versuchstier. 2 Nagetierstudien untersuchten die Auswirkung von 2,45 GHz WLAN-Strahlung. 3 Kohortenstudien beschäftigten sich mit der Wirkung von Mobiltelefonen auf den Menschen.

Ergebnisse

85% (12 von 14) der Studien zu Mobilfunkstrahlung am Tiermodell zeigten eine signifikante Abnahme des Testosteronspiegels nach Bestrahlung. Als Gründe dafür wurden negative Auswirkungen auf die Leydigzellen in Form von oxidativem Stress, Apoptose sowie Veränderungen der Proteinkinase C angeführt. Keine der Studien untersuchte die Wirkung von Mobilfunk auf den männlichen Östrogenspiegel. Lediglich 6 Studien analysierten die Serumspiegel der Gonadotropinhormone LH und FSH. Die Befunde dieser 6 Studien waren nicht übereinstimmend: 2 Artikel fanden erhöhte LH- und FSH-Spiegel, 2 zeigten verminderte LH- und FSH-Spiegel und 2 beschrieben keine Veränderungen nach Mobilfunkbestrahlung. Die Auswirkung von Mobilfunk ist somit nicht definierbar, es scheint sich jedoch möglicherweise ein Trend je nach Expositionsniveau abzuzeichnen. Beide Studien, welche verminderte Gonadotropinhormonspiegel feststellten, besaßen eine höhere Mobilfunkintensität, als die beiden Studien, welche einen erhöhten Hormonspiegel aufzeigten. Die beiden Studien, welche sich mit der WLAN-Wirkung beschäftigten, besaßen ebenfalls widersprüchliche Ergebnisse. Die Studienanzahl als solche war außerdem zu gering um aussagekräftige Rückschlüsse ziehen zu können. Ähnlich verhielt es sich mit den epidemiologischen Humanstudien. Da in diesem Fall nur drei Artikel zur Verfügung standen, waren Rückschlüsse nicht möglich. Außerdem wurde der altersabhängige Rückgang des Testosterons in diesen Kohortenstudien nicht berücksichtigt.

Schlussfolgerungen

Die zum momentanen Zeitpunkt vorhandenen Daten, sowohl von Tierversuchsmodellen als auch vom Menschen, zu der Auswirkung von Hochfrequenzstrahlung auf die männlichen Fortpflanzungshormone sind inkonsistent und aufgrund der Heterogenität schwer zu interpretieren. Im Falle von Tiermodellen sind ein verbessertes Studiendesign, einschließlich Tierauswahl, Dosimetrieanalyse sowie Expositionsbeurteilung von Nöten, um die Heterogenität zu vermindern und eine korrekte Interpretation der biologischen Ergebnisse zu ermöglichen. Trotzdem stimmen die meisten Tierstudien darin überein, dass die langfristige Belastung mit Hochfrequenz männliche Fortpflanzungshormone, insbesondere Testosteron, beeinflussen kann. Aus diesem Grund empfehlen die Autoren langfristigen und übermäßigen Gebrauch von drahtlosen Kommunikationsgeräten zu vermeiden, um nachteilige Auswirkungen von Hochfrequenz zu verringern. Wirkung und Mechanismus von Hochfrequenzstrahlung auf die Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse sind noch fraglich, es bedarf weiterer Forschung. (RH)