Autor(en):
Wardzinski EK*, Jauch-Chara K, Haars S, Melchert UH, Scholand-Engler HG, Oltmanns KM.
* Section of Psychoneurobiology, Center of Brain, Behavior and Metabolism, University of Luebeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Luebeck.
Deutschland
Veröffentlicht in:
Nutrients 2022; 14 (2): 339
Veröffentlicht: 14.01.2022
auf EMF:data seit 23.02.2022
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Fördernr. SFB-TRR 134.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Gehirn-Stoffwechsel
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Mobiltelefon-Felder stören die Energie-Homöostase des Gehirns und fördern die Nahrungsaufnahme des Menschen.

Mobile Phone Radiation Deflects Brain Energy Homeostasis and Prompts Human Food Ingestion.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Obesity and mobile phone usage have simultaneously spread worldwide. Radio frequency-modulated electromagnetic fields (RF-EMFs) emitted by mobile phones are largely absorbed by the head of the user, influence cerebral glucose metabolism, and modulate neuronal excitability. Body weight adjustment, in turn, is one of the main brain functions as food intake behavior and appetite perception underlie hypothalamic regulation. Against this background, we questioned if mobile phone radiation and food intake may be related. In a single-blind, sham-controlled, randomized crossover comparison, 15 normal-weight young men (23.47 ± 0.68 years) were exposed to 25 min of RF-EMFs emitted by two different mobile phone types vs. sham radiation under fasting conditions. Spontaneous food intake was assessed by an ad libitum standard buffet test and cerebral energy homeostasis was monitored by ³¹phosphorus-magnetic resonance spectroscopy measurements. Exposure to both mobile phones strikingly increased overall caloric intake by 22–27% compared with the sham condition. Differential analyses of macronutrient ingestion revealed that higher calorie consumption was mainly due to enhanced carbohydrate intake. Measurements of the cerebral energy content, i.e., adenosine triphosphate and phosphocreatine ratios to inorganic phosphate, displayed an increase upon mobile phone radiation. Our results identify RF-EMFs as a potential contributing factor to overeating, which underlies the obesity epidemic. Beyond that, the observed RF-EMFs-induced alterations of the brain energy homeostasis may put our data into a broader context because a balanced brain energy homeostasis is of fundamental importance for all brain functions. Potential disturbances by electromagnetic fields may therefore exert some generalized neurobiological effects, which are not yet foreseeable.

Keywords

mobile phone | radio frequency-modulated electromagnetic fields | brain | food intake | body weight

Exposition:

900 MHz
Mobiltelefone
GSM
SAR = 0,97 W/kg (Mobiltelefon 2); 1,33 W/kg (Mobiltelefon 1)

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Vor 30 Jahren begann die weltweite Verbreitung des Mobiltelefons, heute sind etwa 6 Milliarden Geräte in Betrieb. Gleichzeitig stiegen weltweit Körpergewicht und Fettleibigkeit in der menschlichen Bevölkerung an. Fettleibigkeit ist eins der größten Gesundheitsrisiken, tatsächlich ist eins von 5 Kindern und Jugendlichen in der Welt übergewichtig und besonders solche sind betroffen, die Mobilfunk stark nutzen. Auf den ersten Blick scheint der Zusammenhang weit hergeholt. Aber: Die elektromagnetischen Felder der Mobiltelefone werden zu mehr als 80 % vom Kopf des Nutzers absorbiert, bei Kindern und Jugendlichen mehr als bei Erwachsenen. Die Strahlung dringt in das Gehirn ein, beschleunigt den Glucose-Stoffwechsel des Gehirns, beeinflusst das EEG und verändert die Erregbarkeit der Nervenzellen. Nahrungsaufnahme, Appetit-Wahrnehmung und Sättigungsgefühl werden vom Hypothalamus reguliert. Experimente mit Ratten ergaben, dass das Körpergewicht bei den erwachsenen Tieren anstieg, wenn sie als junge Tiere 2 Stunden täglich bestrahlt worden waren. Ein anderes Experiment zeigte, dass bestrahlte Tiere mehr Futter aufnahmen als die Kontrolltiere. Vor diesem Hintergrund fragten sich die Autoren, ob zwischen Mobilfunkstrahlung und Nahrungsaufnahme eine Verbindung besteht. Sie testeten, ob auch Menschen mehr Nahrung aufnahmen bei akuter Bestrahlung mit Mobilfunkfrequenzen. Weil gepulste und amplitudenmodulierte Mikrowellen bei Ratten die Homöostase im Gehirn beeinflussen und der Energiestatus im Gehirn eine wichtige Rolle bei der Nahrungsaufnahme und der Körpergewichtsregulation spielt, nahmen die Forscher an, dass die Mobilfunkstrahlung auf die Energiehomöostase des Gehirns einwirkt und so die Nahrungsaufnahme beeinflusst.

Quelle: ElektrosmogReport März 2022 | 28. Jahrgang, Nr. 1

Studiendesign und Durchführung

Nach sorgfältiger Erfassung der persönlichen Daten und Lebensgewohnheiten wurden 15 normalgewichtige junge Männer von 21 bis 29 Jahren (23,47 ± 0,68 Jahre, Body Mass Index (BMI) 22,62 ± 0,32) 25 Minuten lang der maximalen Strahlung von 2 verschiedenen Mobiltelefonen ausgesetzt. Nachdem die Probanden 12 Stunden gefastet hatten erfolgte ein einfach-verblindeter, mit Scheinbestrahlung kontrollierter Cross-Over-Vergleich. Alle Teilnehmer absolvierten 3 Tests im Abstand von mindestens 2 Wochen: Telefon 1, Telefon 2 und Scheinbestrahlung. Verwendet wurden 2 normale 900-MHz-Mobiltelefone, deren Strahlung über ein fest installiertes Headset mit SAR 0,97 bzw. 1,33 W/kg einwirkte. Die Basisstation war ein Simulator mit konstanter Übertragung. Die spontane Nahrungsaufnahme wurde mit einem Standardbuffet-Test ausgewertet und die Energie-Homöostase im Gehirn wurde mittels ³¹P-Magnet-resonanzspektroskopie bestimmt. Der Energie-Status in den Gehirnzellen wurde als Adenosintriphosphat (ATP) und Kreatinphosphat (Phosphokreatin, PCr) im Verhältnis zu anorganischem Phosphat (Pi) berechnet. Die Bestrahlung bzw. Scheinbestrahlung erfolgte mit maximaler Leistung des Mobiltelefons zunächst für 5 Minuten (um festzustellen, ob es einen sofortigen Einfluss der Strahlung auf den Stoffwechsel des Gehirns gibt), danach für 20 Minuten. Anschließend konnten die Probanden ab 8.30 Uhr 40 Minuten lang so viel essen wie sie wollten. Sie konnten nicht wahrnehmen, dass die Menge der Nahrungsmittel vor und nach der Mahlzeit gewogen wurde. Sie wussten nur, dass mit dem Experiment die Wirkung der Mobilfunkstrahlung auf den Energiestoffwechsel des Gehirns untersucht werden sollte. Um zu vermeiden, dass sie zu viel aßen, wurde ihnen gestattet, den Rest später mitzunehmen.

Weil der Appetit durch den Glucose-Stoffwechsel reguliert wird, wurden Glucose-Gehalt im Blut, Insulin und das C-Peptid im Serum bestimmt. (Das C-Peptid ist ein Spaltprodukt des Insulins und ein Faktor bei der Regulation von Glucose-Stoffwechsel und Appetit, die Red.). Die Blutproben wurden vor Beginn der Bestrahlung (Basalwerte), nach der 5-minütigen und fünfmal nach der 20-minütigen Bestrahlung genommen.

Ergebnisse

Bei keinem der Teilnehmer zeigten die Basalwerte, die Werte nach 5-minütiger und 20-minütiger Bestrahlung in Blut und Serum signifikante Unterschiede. Erstaunlicherweise stieg bei 13 der 15 Probanden bei beiden Mobilfunkgeräten die Kalorienaufnahme hochsignifikant um 22–27 % gegenüber der Scheinbestrahlung an, hauptsächlich durch vermehrte Aufnahme von Kohlenhydraten. Bei Telefon 1 waren es 1152,2 ± 75,1 zu 941,6 ± 85,2 kcal (p=0,001) und beim 2. Telefon 1195,2 ± 79,3 kcal zu 941,6 ± 85,2 kcal (p=0,001). Am Ende gab es zwischen den beiden Telefontypen keine signifikanten Unterschiede, auch die Bestimmung von Glucose im Blut, Insulin und C-Peptid im Serum ergab keine Unterschiede. Die Untersuchung der Nahrungsbestandteile ergab nach der Bestrahlung neben der erhöhten Aufnahme von Kohlehydraten an 2. Stelle mehr Proteine, die Fettzufuhr war als Trend nur bei Telefon 2 leicht erhöht.

Die Messungen des Energiegehaltes in den Gehirnzellen ergaben kurz nach der Bestrahlung kaum einen Unterschied zur Scheinbestrahlung, bei der die Werte über die ganze Zeit konstant blieben. Nach der 20-minütigen Bestrahlung jedoch stieg das ATP/Pi und PCr/Pi-Verhältnis stark an und erreichte bei 50 und 55 Minuten einen hochsignifikanten Anstieg unter der Mobilfunk-Bestrahlung, um dann stark abzufallen und bei 65 Minuten wieder anzusteigen.

Schlussfolgerungen

Die Daten dieser Studie an Menschen (junge Männer) zeigen, dass Mobilfunkstrahlung von 2 verschiedenen Telefon-Typen (900 MHz) die Kalorienaufnahme um 22 % und 27 % steigert, vor allem durch erhöhte Aufnahme von Kohlenhydraten. Die Ergebnisse decken sich mit Ergebnissen der wenigen bekannten Untersuchungen an Nagetieren. Auch wenn man Ergebnisse nicht direkt von Tierversuchen auf den Menschen übertragen kann, weil die Nagetiere Ganzkörperbestrahlung ausgesetzt wurden und die Tiere sich außerdem bewegen, deuten diese und frühere Ergebnisse darauf hin, dass Mobilfunkstrahlung ein möglicher beitragender Faktor zu übermäßigem Essen sein kann. Andere Untersuchungen mit Kindern und Jugendlichen ergaben ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Computer- und Mobilfunknutzung und erhöhtem BMI. Das heißt, Hochfrequenzstrahlung könnte zur epidemischen Fettleibigkeit beitragen. Die Bedingungen der Mobilfunkbestrahlung hier sind mit 25 Minuten realistisch und haben keine Wärmewirkung zur Folge.

Darüber hinaus wurden in diesem Experiment Veränderungen der Energie-Homöostase im Gehirn festgestellt. Der Anstieg des hochenergetischen Phosphatstoffwechsels nach Einwirken der Mobilfunkstrahlung könnte darauf hindeuten, dass der Glucosebedarf zur Aufrechterhaltung der Homöostase in den Nervenzellen erhöht ist. Das ergibt eine fundamentale Bedeutung für alle Hirnfunktionen, mit Einfluss auf mentale Gesundheit, Verhalten und auf weitere Organe. Mögliche Störungen durch elektromagnetische Felder könnten daher einige allgemeine neurobiologische Wirkungen haben, die noch nicht überschaubar sind. Besonders Kinder und Jugendliche sind betroffen, da sie vom Beginn ihres Lebens der Strahlung ausgesetzt sind und deren Gehirn signifikant mehr Strahlung aufnimmt, die tiefer in das Gehirn eindringt, z. B. in den Hypothalamus.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. (IW)