Autor(en):
Balmori A*
* C/ Rigoberto Cortejoso, 14 47014, Valladolid
Spanien
Veröffentlicht in:
Environ Res 2022; 214 Pt 2: 113851
Veröffentlicht: 14.07.2022
auf EMF:data seit 06.09.2022
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
Mikrowellensyndrom  |  Krebserkrankungen (nicht spezifiziert)
Reviews/Übersichtsarbeiten
zur EMF:data Auswertung

Evidenz für ein Gesundheitsrisiko durch HF für Menschen in der Nähe von Mobilfunk-Basisstationen: Von Hochfrequenz-Krankheit bis Krebs.

Evidence for a health risk by RF on humans living around mobile phone base stations: From radiofrequency sickness to cancer.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposition:

Mobilfunk-Basisstation

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Diese Übersichtsarbeit gibt einen aktuellen vollständigen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zur Wirkung von Mobilfunkantennen auf den Menschen. Vor 50 Jahren begannen Untersuchungen zu Auswirkungen von Radio-, Fernseh- und Radarantennen. In den letzten Jahren wurden weltweit hunderttausende Basisstationen aufgestellt, die auf die Bevölkerung und die Natur – auch Naturschutzgebiete – einwirken, in den Städten mehr als auf dem Land. Biologische und gesundheitliche Umweltauswirkungen der elektromagnetischen Strahlung wurden kaum beachtet. In Indien beispielsweise sind etwa 15 % der Bevölkerung mehr als 12 V/m ausgesetzt, in Schweden wurden 2018 auf dem Land bei Frequenzen zwischen 3 und 30 MHz mittlere Leistungsflussdichten von 16 µW/m2 und in Städten 2400 µW/m2 gemessen. Die Feldstärken variieren stark, je nach Abstand zur Antenne, auch innerhalb von Gebäuden. Es gibt gegensätzliche Aussagen dazu, ob Basisstationen Gesundheitsrisiken darstellen: Einige sagen, es gibt keine, andere Wissenschaftler fanden erhöhte Krebsraten oder andere Gesundheitsprobleme.

Quelle: ElektrosmogReport September 2022 | 28. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Ausgewählt wurden ausschließlich Arbeiten, die unter realen Bedingungen Mobilfunk-Basisstationen nahe an Wohnungen in Städten, oder größere Gebiete mit vielen Antennen aufgrund von Berechnungen und geografischen Daten untersucht hatten. Gesucht wurde in EMF-Portal, Google Scholar und PubMed nach „mobile base station and health“ und „cell tower and health“. Studien mit weiteren Strahlungsquellen (WLAN, Radio, TV, Radar, Smartmeter usw.) wurden für die Ergebnisse ausgeschlossen (85 Stück), aber in den Schlussfolgerungen berücksichtigt, da sie wichtige Aspekte enthalten.

Ergebnisse

Insgesamt ergab die Untersuchung 3 Typen von gesundheitlichen Auswirkungen: 1. Mikrowellen-Krankheit (z. B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen u. v. a.), 2. Krebs und 3. Veränderungen der biochemischen Parameter. Von den 38 Arbeiten – die meisten hatten 900 und 1800 MHz untersucht – fanden 28 (73,6 %) Wirkungen: Mikrowellen-Krankheit 73,9 % (17 von 23), Krebs 76,9 % (10 von 13) und Veränderungen der biochemischen Parameter 75,0 % (6 von 8). Aufgeschlüsselt nach Studienart zeigt sich bei der Mikrowellen-Krankheit „Wirkung nein“ zu „Wirkung ja“: 6/17, bei Krebs 3/10 und bei biochemischen Parametern 2/6. Das heißt, die meisten Forschergruppen aus 20 verschiedenen Ländern ziehen dieselben Schlussfolgerungen.

Die Studien der 3 Kategorien zeigen trotz einiger Einschränkungen und Unterschiede zusammen ein stimmiges Bild bezüglich der gesundheitlichen Wirkungen auf Menschen, die in der Nähe von Basisstationen leben. Die zusätzlichen wichtigen Ergebnisse der oben erwähnten 85 Studien lieferten ähnliche Wirkungen von verschiedenen Strahlungsquellen wie Radar, Radio, TV, Schnurlostelefonen, Smartmetern und Hochspannungsleitungen, oder es waren theoretische Abhandlungen, Simulationen und Laborstudien, die die Schlussfolgerungen dieser Übersicht untermauern. Von besonderer Bedeutung sind die Studien mit Tieren oder Bäumen in der Nähe von Basisstationen, da psychosomatische Wirkungen ausgeschlossen werden können. Wichtige Laborstudien wie die NTP- und Ramazzinistudie haben die Krebs erregenden Wirkungen von Mobilfunkstrahlung klar belegt, die NTP-Studie auch DNA-Schädigung. Ebenso ergänzen Studien aus dem letzten Jahrhundert die Ergebnisse, die bei beruflicher Nutzung von Radar-, TV- und Radiofrequenzen gefunden wurden: Anstieg von Fehlgeburten, veränderte Anzahlen von roten und weißen Blutzellen, Anstieg von Kinder-, Hoden- und anderen Krebsarten. Bei kanadischen und US-Amerikanischen Diplomaten trat 2016–2017 das so genannte Havanna-Syndrom auf, das mit Schlaf- und Hörstörungen, Kopfschmerzen, neurologischen Störungen, Übelkeit u. a. einherging; ähnliche Symptome wurden früher von der Moskauer Botschaft berichtet. Smartmeter können ähnliche Symptome hervorrufen.

Bei einigen Studien, die keine Wirkungen finden, ist von Wahrnehmungsstörungen und Nocebo-Effekt die Rede. Das kann aber nicht bei Krebs oder Unfruchtbarkeit sowie bei Tieren und Pflanzen auftreten. Die vielfach nachgewiesenen plausiblen Mechanismen wie Änderungen der Ionenkanäle, der Bildung von freien Radikalen und Eingriffe in Stoffwechselwege können die schädlichen Wirkungen erklären. Einige Studien belegen, dass die Forschungsergebnisse davon abhängen, wer die Studien bezahlt hat.

Schlussfolgerungen

Das Ergebnis dieser Übersicht zeigt 3 Typen von Wirkungen durch die Strahlung von Basisstationen auf die menschliche Gesundheit: Mikrowellenkrankheit (nein 6, ja 17), Krebs (nein 3, ja 10) und Änderungen der biochemischen Parameter (nein 2, ja 6). Demzufolge scheinen sich Wissenschaftler einig zu sein, dass es schwerwiegende Probleme gibt, die von Experten durch wichtige Appelle ausgedrückt wurden (Blank et al. 2015, Hardell und Nyberg 2020). Allerdings haben weder die Medien noch verantwortliche Organisationen diese wichtigen Informationen in die Bevölkerung getragen, so dass die Menschen uninformiert bleiben. Deshalb wird die heutige Situation wahrscheinlich in einer Krise enden, nicht nur gesundheitlich, sondern auch für diese Technologie, weil sie nicht nachhaltig und schädlich für Mensch und Umwelt ist. (IW)