Autor(en):
Baldini GM*, Lot D, Ferri D, Montano L, Tartagni MV, Malvasi A, Laganà AS, Palumbo M, Baldini D, Trojano G.
* Obstetrics and Gynecology Unit, Department of Biomedical Sciences and Human Oncology, University of Bari “Aldo Moro”, 70121 Bari.
Italien
Veröffentlicht in:
Toxics 2025; 13 (6): 510
Veröffentlicht: 18.06.2025
auf EMF:data seit 23.08.2025
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

No funding was received for the realisation of this study.

Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Beeinflusst die elektromagnetische Verschmutzung im ART-Labor die Spermienqualität? Eine Beobachtungsstudie mit Querschnittscharakter.

Does Electromagnetic Pollution in the ART Laboratory Affect Sperm Quality? A Cross-Sectional Observational Study.

Original Abstract

In recent decades, exposure to electromagnetic fields (EMFs) generated by standard devices has raised concerns about possible effects on reproductive health. This cross-sectional observational study examined the impact of EMFs on sperm motility in a sample of 102 healthy males aged 20–35 years in the IVF laboratory. Semen samples were exposed to different sources of EMF for one hour, and motility was assessed immediately thereafter. The results showed a significant reduction in progressive sperm motility after exposure to EMFs generated by mobile phones and Wi-Fi repeaters in the laboratory. In contrast, other equipment showed no significant effects. The study demonstrated a statistically significant reduction in progressive sperm motility following in vitro exposure to electromagnetic fields (EMFs) emitted by mobile communication devices and wireless local area network access points. Conversely, other electromagnetic emitting devices evaluated did not elicit significant alterations in this parameter. These findings suggest a potential negative impact of specific EMF sources on semen quality, underscoring the necessity for further comprehensive research to elucidate the clinical implications and to develop potential mitigation strategies aimed at reducing risks to male reproductive health. This study discourages the introduction of mobile phones in IVF laboratories and recommends positioning Wi-Fi repeaters on the ceiling.

Keywords

electromagnetic fields | sperm motility | oxidative stress | mobile phones | Wi-Fi

Exposition:

EMF allgemein

EMF:data Auswertung

Einleitung

In den letzten Jahren hat die allgegenwärtige Nutzung mobiler Kommunikationsgeräte Fragen zu möglichen Einflüssen auf die männliche Fruchtbarkeit aufgeworfen. Diese Geräte sind auch in Laboren für in vitro-Fertilisationen präsent, wo ihr Einfluss auf die reproduktive Gesundheit, insbesondere auf die Qualität der Samenflüssigkeit, von besonderer Bedeutung sein könnte. Dementsprechend werden zu diesem Thema nach wie vor wissenschaftliche Debatten geführt. In solchen Laboren sind jedoch auch zahlreiche andere elektronische Geräte in Benutzung, welche elektromagnetische Felder produzieren. Die vorliegende Querschnittsstudie untersucht mögliche Auswirkungen verschiedener elektromagnetischer Quellen auf die progressive Motilität menschlicher Spermien in vitro.

Quelle: ElektrosmogReport September 2025 | 31. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Aus insgesamt 487 Probanden selektierten die Wissenschaftler 102 gesunde Männer zwischen 20 und 35 Jahren nach strengen Inklusionskriterien: genitale Anamnese, Doppler-Ultraschall des Hodensacks, negative Spermienkultur und hormonelle Tests. Nach einem initialen Seminogramm wurden die Spermienproben eines jeden Probanden in 7 Aliquots (Teilmengen) aufgeteilt. 6 von den 7 Aliquots wurden unterschiedlichen, im Fertilisationslabor vorkommenden, elektromagnetischen Quellen ausgesetzt: 1) PC-Monitor 2) Time-Lapse-Inkubator 3) iPhone 12 4) WLAN-Repeater 5) Inverses Mikroskop 6) Laptop. Die übrigbleibende Probe wurde keinem elektromagnetischen Feld ausgesetzt. Die Proben wurde in 10 cm Abstand zu den jeweiligen EMF-Quellen platziert, die Befeldungsdauer betrug 1 h. Die Intensität des elektromagnetischen Feldes wurde gemessen und in mV/m angegeben. Mobiltelefon (1610,6 mV/m Spitze; 295 mV/m Durchschnitt) und WLAN-Repeater (4259,2 mV/m Spitze; 241,5 mV/m Durchschnitt) erzeugten hierbei die stärksten Felder. Als Kontrollen für die Motilitätsparameter (progressiv, nicht-progressiv und immotil) wurden die restlichen befeldeten Gruppen herangezogen (Monitor, Mikroskop, Inkubator und Laptop).

Ergebnisse

Die Basismotilität ohne Befeldung lag durchschnittlich bei 45,08 % progressiv, 16,4 % nicht-progressiv und 38,7 % immotil. Im Vergleich zu den anderen befeldeten Gruppen wurde eine statistisch signifikante Abnahme der progressiven Motilität sowohl beim Mobiltelefon als auch beim WLAN-Repeater dokumentiert. Die Verminderung betrug hier ca. 19,5 %. Korrespondierend nahm bei diesen beiden Gruppen der Anteil nicht-progressiver (ca. 9 %) und immotiler (ca. 10 %) Spermien statistisch signifikant zu.

Schlussfolgerungen

Die Daten der vorliegenden Studie weisen nicht darauf hin, dass die elektromagnetischen Felder des Laborequipments von Fertilisations-Laboren die Beweglichkeit von Spermien signifikant einschränkt. Im Gegensatz dazu, beeinflussten drahtlose Kommunikationsgeräte, namentlich ein iPhone 12 und ein Ubiquiti UniFi 6-WLAN-Repeater, die Spermienmotilität statistisch signifikant negativ. Die Verringerung progressiv-motiler und damit fruchtbarer Spermien betrug hierbei knappe 20 %. Die Autoren weisen darauf hin, dass mögliche Störgrößen (Lebensstil, genetische Faktoren etc.) nicht mittels Regressionsanalyse kontrolliert wurden. Außerdem sei die Messapparatur nur in der Lage zwischen 50 MHz und 3,5 GHz zu messen, weswegen die Intensität des WLAN-Repeaters, der auch bei 5 GHz operiert, möglicherweise unterschätzt werde. Anhand ihrer Daten empfehlen die Autoren jedoch dringlich Mobiltelefone und WLAN-Geräte aus Fertilisationslaboren zu verbannen.

Anmerkungen der Redaktion:

Der systematische Aufbau, die stringente Kontrolle der Probanden, die standardisierten Messbedingungen (einheitlicher Abstand, Temperaturkontrolle) sowie die angemessene Stichprobengröße (n = 102), führen zu einer qualitativ hochwertigen Studie mit belastbaren Daten. Da es sich bei dem WLAN-Repeater um ein kommerzielles Produkt handelt, wiegt die Fehlmessung der Feldintensität nicht schwer. Die Empfehlung der Autoren, biologisches Material lediglich in der Abwesenheit von Mobiltelefonen/WLAN-Geräten zu behandeln, ist dementsprechend angemessen und sinnvoll. Obwohl es sich um eine in vitro-Studie handelt, sollten mögliche Implikationen für die allgemeine Bevölkerung nicht unterschätzt werden. (RH)