Autor(en):
Treder M*, Glück M, England SJ, Traynor KS.
* State Institute of Bee Research, University of Hohenheim, Erna-Hruschka-Weg 6, 70599, Stuttgart.
Deutschland
Veröffentlicht in:
Environ Pollut 2025: 126836 [im Druck]
Veröffentlicht: 14.07.2025
auf EMF:data seit 23.08.2025
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

This research did not receive any specific grant from funding agencies in the public, commercial, or not-for-profit sectors. 

Schlagwörter zu dieser Studie:
Wirkung auf Tiere  |  Verhalten und kognitive Prozesse
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Hochfrequente elektromagnetische Felder reduzieren Blütenbesuche von Hummeln.

Radiofrequency electromagnetic fields reduce bumble bee visitation to flowers.

Original Abstract

Radiofrequency electromagnetic fields (RF-EMF) are an integral part of our daily lives and we may struggle to imagine life without them, using them to transmit and stream data for television, the internet, or cell phones. Debates circulate on whether this anthropogenic radiation may be an additional stress factor for pollinators, potentially disrupting important habitats and refugia, especially in highly developed areas. Could these anthropogenic fields interfere with foraging pollinators, influence their foraging behavior or reduce the attractiveness of entire habitats? Current data on sublethal impacts is sparse. We tested the effects of realistic 2.4 and 5.8 GHz radiation on flower visitation rates of different pollinators over two years in a blinded study using a standardized radiation source and a novel study design. Documenting 2882 pollinators, we found no effect of this radiation on honey bee visitation rates on Salvia and Lavandula plants. However, we found a significant reduction in the number of bumble bee visits per observation when the plants were subjected to RF-EMF exposure, highlighting the need for in-depth and long-term studies to elucidate the underlying mechanisms of this effect.

Keywords

Electromagnetic radiation | RF-EMF exposure | Wild bees | Bumble bees | Apis mellifera | Flower visitation

 

Exposition:

Magnetfeld der Erde
HF/Mikrowellen (1 - 300 GHz)
2400 MHz
2450 MHz

EMF:data Auswertung

Einleitung

Insekten sind anthropogenen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt, vor allem in dicht bebauten Gebieten, wo sie weit verbreitet sind. Sie kommen in der Regel auf zwei Arten mit diesen Feldern in Berührung: wenn sich ihre Nester in exponierten Gebieten befinden oder wenn sie auf der Suche nach Nahrungsressourcen oder Nistmaterial solche Felder durchqueren. In diesem aufstrebenden Forschungsbereich zu den Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (RF-EMF) auf Bestäuber, gibt es in letzter Zeit eine Vielzahl von Veröffentlichungen. Die Autoren der aktuellen Arbeit fragten, ob die Exposition gegenüber den üblicherweise verwendeten Wi-Fi-Frequenzen die Blütenbesuchsrate von Bestäubern an Pflanzen und damit ihr Nahrungsverhalten beeinflussen könnte. Wenn diese Strahlung Störungen oder negative Auswirkungen verursacht, könnte sie exponierte Bereiche in Städten für Bienenartige weniger attraktiv machen und somit einen Störfaktor darstellen, der sich auf Bestäuber in hoch entwickelten Gebieten auswirken könnte.

Quelle: ElektrosmogReport September 2025 | 31. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Das Experiment wurde im Sommer 2023 und 2024 an der Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim, Deutschland, durchgeführt. Ziel war es, die kurzfristigen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern auf die Besuchsraten und das Suchverhalten von Honigbienen und Hummeln zu untersuchen. Das bedeutet, dass die elektromagnetische Behandlung zwar auf die Pflanzen einwirkt, die Forscher aber ein Experiment durchführten, das die direkten Auswirkungen auf den Besuch der Bestäuber untersuchte. Insgesamt wurden 12 Blumentöpfe mit jeweils drei Pflanzen verwendet, 6 mit Lavandula angustifolia (n= 18) und 6 mit Salvia-Arten (n = 18). Um eine definierte Bestrahlung der Blumentöpfe zu gewährleisten, wurden die Töpfe in einem Abstand von 2 m zur Strahlungsquelle aufgestellt.

Ein Software Defined Radio (SDR) wurde verwendet, um realistische Wi-Fi-Strahlung bei 2,45 und 5,8 GHz zu simulieren. Die Strahlungsquelle entspricht technisch den kommerziell genutzten Wi-Fi-Geräten. Der neue Versuchsplan umfasste wiederholte Expositions- und Kontrollversuche, die in engen zeitlichen Abständen durchgeführt wurden. Durch den häufigen Wechsel zwischen kurzen Expositions- und Nichtexpositionsperioden alle vier Tage kontrolliert dieses Design störende Faktoren wie natürliche zeitliche Schwankungen. Dieser Wechsel fand während der gesamten Versuchszeiträume in den zwei Jahren statt, was zu insgesamt 21 Zeitphasen mit EMF-Exposition und 23 ohne EMF-Exposition führte.

Um die Auswirkungen auf die Blütenbesuchsrate verschiedener Bestäuber zu ermitteln, wurden die Insekten an 92 Tagen, verteilt auf die Jahre 2023 und 2024, erfasst. Alle Pflanzen in jedem Topf wurden gemeinsam beobachtet. Insgesamt wurden 1.307 Blumentopfbeobachtungen durchgeführt. Alle besuchenden Bestäuber wurden für genau 5 Minuten pro Blumentopf gezählt. Die Blütenbesuchsraten wurden mit verallgemeinerten linearen gemischten Modellen (GLMM) analysiert.

Ergebnisse

Die Autoren verzeichneten insgesamt 2.876 Blütenbesucher, wobei 50,4 % aller Blütenbesuche von Honigbienen (n = 1.450) und 32,5 % von Hummeln (n = 936) in den beiden Jahren der Studie erfolgten. Für die Bestäuber insgesamt wurde im Hauptmodell ein signifikanter negativer Effekt von EMF auf den Blütenbesuch festgestellt (EMF: 0,15, p = 0,0118). Eine genauere Betrachtung der Daten zeigt, dass dieser Effekt besonders deutlich für die Gruppe der Hummeln ist (EMF: 0,25, p = 0,0029), die signifikant häufiger (um 28 % erhöht) auf den Blüten zu finden waren, wenn die Pflanzen nicht bestrahlt wurden. Im Gegensatz dazu wurde dieser Effekt für die Gruppe der Honigbienen nicht gefunden (EMF: p > 0,05).

Schlussfolgerungen

Die Nutzung elektromagnetischer Felder zur Übertragung von Informationen ist für die Menschen und den technischen Fortschritt von enormer Bedeutung. Da die Nutzung dieser Felder jedoch zunimmt, müssen wir verstehen, welche potenziellen Auswirkungen sie auf Insekten, insbesondere auf Bestäuber, haben. Der beschriebene experimentelle Ansatz skizziert ein geeignetes Design, um die schwachen Auswirkungen von EMF auf die Blütenbesuchsraten von Bestäubern zu ermitteln. Dies erfordert eine große Stichprobengröße und Messungen über Tage und Monate, um Umweltvariabilität zu kontrollieren. Obwohl keine Auswirkung auf die Besuchshäufigkeit von Honigbienen gefunden wurde, stellten die Autoren fest, dass Hummeln ihre Besuche reduzierten, wenn die Pflanzen bestrahlt wurden. Dies deutet darauf hin, dass Hummeln möglicherweise Pflanzen in städtischen Gebieten meiden, wenn diese Pflanzen weit verbreiteten Wi-Fi-Frequenzen ausgesetzt sind. Eine solche Meidung verringert die Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen und könnte sie dazu zwingen, auf andere Nektar- und Pollenquellen auszuweichen, was einen größeren Aufwand bei der Nahrungssuche und damit zusätzlichen Ernährungsstress für diese Bestäuber bedeuten könnte. Gleichzeitig kann sich dies auch negativ auf die Pflanzen auswirken, indem die Bestäubungsrate verringert wird.

Anmerkungen der Redaktion:

Es handelt sich hier um eine methodisch hervorragende Semi-Feldstudie, mit möglichst realitätsnahen Bedingungen. Es wäre interessant, weitere Anstrengungen in diese Richtung zu sehen, die auch weitere Insekten (wenngleich Honigbienen und Hummeln sicherlich die allgemein wichtigsten Bestäuber sind) oder Strahlungsquellen als das hier verwendete Wi-Fi-Signal verwenden, z.B. Hochspannung oder Mobilfunkbasisstationen. Möglicherweise lassen sich die hier vorliegenden Befunde schon so auf andere technische Hochfrequenzen übertragen, wobei nur die Frage zu klären wäre, welche Entfernung zu einer Basisstation der hier verwendeten Entfernung von 2 m zu einem WLAN-Router entsprechen würde. (AT)