Autor(en):
Torkan A*, Zoghi M, Foroughimehr N, Yavari A, Jaberzadeh S.
* Monash Neuromodulation Research Unit, Department of Physiotherapy, School of Primary and Allied Health Care, Monash University, Melbourne, VIC 3199.
Australien
Veröffentlicht in:
Sensors 2025; 25 (9): 2749
Veröffentlicht: 26.04.2025
auf EMF:data seit 23.08.2025
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

This research received no external funding.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Sonstige Wirkungen auf das Gehirn  |  Hirnaktivität & EEG
Reviews/Übersichtsarbeiten
zur EMF:data Auswertung

Wirkungen mobiler elektromagnetischer Exposition auf Gehirn-Oszillationen und kortikale Erregbarkeit: Scoping-Review.

Effects of Mobile Electromagnetic Exposure on Brain Oscillations and Cortical Excitability: Scoping Review.

Original Abstract

With the widespread adoption of smartphones, concerns about increased exposure to non-ionizing radiofrequency have emerged. This scoping review examines the effects of mobile phone exposure on neural oscillations and cortical excitability, focusing on both motor and non-motor regions of the cerebral cortex. A scoping review identified seventy-eight studies that involved healthy individuals and employed electroencephalography and only two studies that investigated transcranial magnetic stimulation as primary technical tools. The findings suggest that mobile phone exposure may affect brain oscillations and cortical excitability. However, inconsistencies in experimental methods across studies make it difficult to draw definitive conclusions. Additionally, research on fifth-generation technology, particularly mmWave exposure from next-generation mobile networks, remains limited and needs further exploration. These gaps highlight the need for more in-depth studies on how mobile phone exposure impacts brain function.

Keywords

electromagnetic exposure | brain oscillations | electroencephalography | corticospinal excitability | 5G | EME

Exposition:

450 MHz-3,5 GHz
Mobiltelefone

EMF:data Auswertung

Einleitung

Mobiltelefone sind ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Mit jeder neuen Mobilfunkgeneration steigen Sendeleistung und Frequenzbereiche, bis hin zum Millimeterwellenbereich (> 26 GHz). Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, ob und wie Mobilfunkstrahlung die Hirnfunktion beeinflussen kann. Die vorliegende „Scoping Review“ trägt den aktuellen Forschungsstand zu der Wirkung von Mobilfunk auf Gehirnwellen (EEG) und kortikaler Erregbarkeit (TMS) bei gesunden Erwachsenen zusammen. Im Gegensatz zu einer systematischen Übersichtsarbeit wird keine quantitative oder Metaanalyse durchgeführt.

Quelle: ElektrosmogReport September 2025 | 31. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Die Autoren durchsuchten die vier Datenbanken MEDLINE, Pubmed, Web of Science und Scopus nach englischsprachigen Primärstudien an gesunden erwachsenen Menschen. Ausschlusskriterien waren Tiermodelle, Patientengruppen oder Studien ohne quantitative EEG- oder TMS-Erhebung. Charakterisiert wurden Mobilfunkfrequenz (0,45 bis 3,5 GHz), Sendeleistung oder SAR-Wert, Expositionsdauer (1 Min bis 8 h), Studiendesign (Verblindung, cross-over) und Details (z. B. Augen auf oder geschlossen). Bewertet wurden die Auswirkungen des Mobilfunks auf die EEG-Signale (EEG-Band-Amplitude und Konnektivität) bzw. die corticospinale und corticocorticale Erregbarkeit (TMS). Insgesamt wurden 80 relevante Studien identifiziert, wovon 78 EEG-Studien und lediglich 2 TMS-Studien waren. Datenextraktion und Darstellung folgten PRISMA-Richtlinien.

Ergebnisse

Innerhalb der 78 EEG-Studien unterscheiden die Autoren dazwischen, ob die Probanden während der Messungen die Augen offen oder geschlossen hatten. 22 der 33 Studien mit offenen Augen zeigten signifikante Veränderungen der Hirnwellen durch die Mobilfunkbefeldung. Waren die Augen der Probanden während des Versuchs geschlossen, wurden bei 35 von 48 Studien signifikante Auswirkungen beobachtet. Die Art der Modifikation war jedoch heterogen. Je nach Studiendesign wurden sowohl Steigerungen als auch Verringerungen der EEG-Amplitude in allen Bändern beobachtet. Am häufigsten traten jedoch Steigerungen der alpha- und beta-Band-Amplituden auf. Insgesamt wurden mehr Steigerungen als Verringerungen dokumentiert. In beiden TMS-Studien wurden signifikante Veränderungen der Erregbarkeit (Intracorticale Fazilitation) beschrieben.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit (Scoping Review) weisen darauf hin, dass Mobilfunk in der Lage ist, neuronale Schwingungen und kortikale Erregbarkeit zu modulieren. Die Autoren identifizieren klaffende Lücken im Forschungsstand, insbesondere im Hinblick auf aktuelle Risikobewertungen, nicht-thermische Wirkungen und 5G-mm-Wellen-Applikationen. Zu letzteren gäbe es kaum experimentelle Studien. Als Limitationen nennen die Autoren unter anderem die sehr geringe Anzahl der inkludierten TMS-Studien, was die Datenlage zur kortikalen Erregbarkeit wenig belastbar erscheinen lässt. Außerdem seien die enorme Anzahl und Diversität der Bewertungsparameter zwischen den verschiedenen EEG-Studien eine Einschränkung. Dadurch werde eine Metaanalyse unmöglich. Des Weiteren könnte eine unpräzise Charakterisierung der Probanden (Alter, Geschlecht) und das Fehlen vordefinierter Effektgrößen unter Berücksichtigung von Stichprobengrößenkalkulationen die Aussagekraft der Daten einschränken. Die Wissenschaftler empfehlen eine Reihe von Verbesserungen für zukünftige Studien zu dem Thema, darunter mehr 5G-Studien, vor allem zu mm-Wellen, bessere Differenzierung der Probanden (Alter, Geschlecht etc.) und standardisierte experimentelle Parameter (Feldstärken, Kontrollen, Verblindung, cross-over-Design, technische Details der EEG/TMS-Messung).

Anmerkungen der Redaktion:

Der Einsatz von PRISMA-Scoping-Kriterien verleiht der Arbeit Struktur und Nachvollziehbarkeit. Die systematische Kategorisierung, inkl. Charakterisierung des hochfrequenten Feldes, die hohe Anzahl an doppeltverblindeten Primärstudien und die transparente Benennung der methodischen Limitationen erhöhen die Aussagekraft der Übersichtsarbeit ebenfalls. (RH)