Autor(en):
Miao X*, Lin Y, Guo J, Lin J, Gao P, Zhang W, Zeng L, Guo G, Li J.
* Department of Radiation Medical Protection, School of Military Preventive Medicine, Air Force Medical University, Xi'an.
China
Veröffentlicht in:
Front Public Health 2025; 13: 1623701
Veröffentlicht: 19.09.2025
auf EMF:data seit 19.11.2025
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

The National Natural Science Foundation of China (Grant no. 51677189).

Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Unterschiedliche Stoffwechselreaktionen von Leydig- und Spermatogonienzellen der Maus auf die Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern.

Differential metabolic responses of mouse Leydig and spermatogonia cells to radiofrequency electromagnetic field exposure.

Original Abstract

Introduction: Although existing studies have shown that radiofrequency electromagnetic fields (RF-EMFs) have a variety of effects on living organisms, the specific impact of RF-EMFs on the metabolism of reproductive cells and their underlying mechanisms remain unclear.This study aims to explore the effects of RF-EMFs on the metabolism of mouse Leydig cells (TM3) and spermatogonia cells (GC-1) through metabolomics analysis, revealing the potential mechanisms
by which RF-EMFs affect reproductive health.
Methods: We employed liquid chromatography-mass spectrometry (LC-MS) to analyze the metabolomic profiles of TM3 and GC-1 cells under two irradiation modalities: continuous and intermittent RF-EMF exposure. The data were further analyzed using KEGG pathway analysis to identify significantly enriched metabolic pathways. The ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) was used to detect glutathione levels.
Results: Our results showed that continuous irradiation had a more pronounced impact on the metabolism of TM3 cells, primarily affecting amino acid metabolism, the citric acid cycle, ABC transporters, bile secretion, and glutathione metabolism. In contrast, intermittent irradiation mainly altered the levels of fatty acyls and purine nucleosides, with significant enrichment in purine metabolism, biosynthesis of unsaturated fatty acids, and fatty acid metabolism. Compared to TM3 cells, GC-1 cells exhibited lower sensitivity to RF-EMF irradiation. Both irradiation modalities affected purine metabolism and lysine degradation pathways in TM3 cells, suggesting that changes in ADP levels may serve as a key metabolic signature in the cellular response to RF-EMF exposure. 
Conclusion: Continuous irradiation significantly impacts TM3 cell metabolism,
particularly amino acid and glutathione pathways, while intermittent irradiation
mainly affects fatty acyls and purine metabolism. GC-1 cells show lower sensitivity to
RF-EMF. ADP level changes may be a key metabolic signature of RF-EMF exposure.

Keywords

RF-EMFs | reproductive health | metabolomics | sensitivity | KEGG

Exposition:

1950 MHz
GSM

EMF:data Auswertung

Einleitung

Eine Reihe von Studien weist darauf hin, dass hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) schädigende Wirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit haben können, u. a. durch Verminderung der Spermienqualität und Testosteronproduktion sowie genotoxische Wirkungen. Durch die Quantifizierung und Kennzeichnung von Metaboliten, ermöglicht das Feld der Metabolomik die Identifizierung gestörter Stoffwechselwege, Proteine und Gene, was Aufschluss über zugrundeliegende Mechanismen bieten kann. Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen von Hochfrequenz auf den Stoffwechsel von Maus Leydig-Zellen (TM3-Zelllinie) und Maus Spermatogonien (GC-1-Zelllinie) durch eine metabolomische Analyse.

Quelle: ElektrosmogReport 4/2025 | 31. Jahrgang Nr. 4

Studiendesign und Durchführung

Die Zelllinien (TM3 und GC-1) wurden 24 h lang entweder kontinuierlich oder im 1 h an/aus Intervall mit einer unmodulierten Frequenz von 1950 MHz und einem SAR-Wert von 3 W/kg befeldet, die Kontrollen scheinbefeldet. Die Temperatur wurde konstant bei 37 °C gehalten. Nach der Befeldung wurden Metabolite extrahiert, flüssigkeitschromatographisch aufgetrennt und massenspektrometrisch analysiert. Unterschiedlich gebildete Metabolite wurden mittels KEGG-Datenbank untersucht, um angereicherte Stoffwechselwege zu bestimmen. Außerdem wurde die Glutathion-Konzentration mittels ELISA ermittelt.

Ergebnisse

Die Hochfrequenz-Wirkung war expositions- und zelltypspezifisch. Die statistisch signifikanten Veränderungen der Metabolite wiesen bei den kontinuierlich befeldeten TM3-Zellen auf substanzielle Störungen des Aminosäuremetabolismus und des Zitronensäurezyklus hin. Bei den unterbrochen befeldeten TM3-Zellen wiesen die Veränderungen hingegen auf Beeinträchtigungen des Energiestoffwechsels und Nukleotid-Signalwege hin. Die KEGG-Analyse zeigte bei der kontinuierlichen Befeldung signifikante Anreicherungen differentiell gebildeter Metabolite bei ABC-Transportern, anderen Membrantransportern und Glutathion-Stoffwechsel. Damit übereinstimmend wurde auch signifikant weniger Glutathion in den kontinuierlich befeldeten Zellen festgestellt. Bei beiden Befeldungsarten wurden Störungen im Purin-Metabolismus und der Lysin-Degradierung festgestellt. Unter anderem war das Schlüsselmolekül ADP betroffen. Bei der Spermatogonien-Zelllinie (GC-1) fiel die Hochfrequenzwirkung deutlich geringer aus. Lediglich bei der diskontinuierlichen Befeldung konnten Veränderungen im Fettstoffwechsel festgestellt werden, welche möglicherweise auf eine veränderte Membranintegrität hinweisen könnten.

Schlussfolgerungen

Die Studie zeigt signifikante Stoffwechseländerungen in der Leydig-Zelllinie TM3 nach Befeldung mit 1950 MHz. Die Veränderung der GSH-Stoffwechselkomponenten bei der kontinuierlichen Befeldung wird durch signifikant gesenkte GSH-Spiegel bestätigt. Die Anreicherung differentiell gebildeter Metabolite in Stoffwechseltransportwegen könnte laut den Autoren auf eine eingeschränkte Fähigkeit der Zellen, toxische Substanzen zu entgiften und auszuscheiden, hindeuten. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei der Spermatogenese um einen energetisch aufwändigen Prozess handelt, könnten Störungen im Energiestoffwechsel einen negativen Einfluss auf die Spermienbildung haben. Die unterschiedlichen, zelltypspezifischen Auswirkungen der Befeldung interpretieren die Autoren so, dass diese in engem Zusammenhang mit den funktionellen Rollen der Zellen und deren metabolischen Anforderungen stünden.

Anmerkungen der Redaktion:

Die Studie kann durch moderne chromatographische und massenspektrometische Methoden, multivariate Analysen und eine ergänzende Validierung durch ELISA aufwarten. Als Limitationen sind, auch von den Autoren selbst, die Verwendung eines reinen in-vitro-Systems zu nennen. Auch die Verwendung von Zelllinien ist negativ anzumerken. Der verwendete SAR-Wert ist mit 3 W/kg eher hoch, auch wenn ein Einfluss von Temperaturerhöhung durch die Temperaturüberwachung praktisch auszuschließen ist. Als Basis für weiterführende in vivo- und Dosis-Wirkungs-Beziehungsstudien ist die vorliegende Arbeit jedoch wertvoll, da sie belastbare Hinweise auf metabolische Reaktionen von reproduktiven Zellen auf hochfrequente Strahlung liefert. (RH)