Autor(en):
Tahmasebi S*, Mortazavi SMJ, Pourghayoomi M, Sheikhzadeh P, Welsh JS, Seif F et al.
* Breast Cancer Research Center, Shiraz University of Medical Sciences, Shiraz.
Iran
Veröffentlicht in:
J Res Med Sci 2025; 30 (1): 63
Veröffentlicht: 29.11.2025
auf EMF:data seit 25.02.2026
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Shiraz University of Medical Sciences.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Brustkrebs
Epidemiologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Hochfrequente Strahlung von Mobiltelefonen und das Risiko für Brustkrebs: Eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie mit einer zusätzlichen Verdachtsgruppe.

Radiofrequency radiation from mobile phones and the risk of breast cancer: A multicenter case-control study with an additional suspected comparison group.

Original Abstract

Background:  The rapid global increase in mobile phone use has raised concerns about the potential long-term health effects of radiofrequency electromagnetic fields. While most studies have focused on brain tumors, evidence regarding breast cancer remains limited. The objective of the study is to examine the association between mobile phone use and breast cancer risk among women in Iran.

Materials and Methods:  In this multicenter case–control study, 226 women were recruited from diagnostic, mammography, and radiotherapy centers across Iran and classified as controls (no history of breast cancer, n = 97), suspected cases (advised to undergo mammography due to breast-related complaints or physician recommendation, n = 52), and confirmed cases (histologically verified invasive breast cancer, n = 77). Structured questionnaires collected demographic, reproductive, lifestyle, and environmental data, including mobile phone call duration, screen time, and phone placement. Associations were analyzed using multinomial logistic regression, adjusting sequentially for demographic, reproductive, environmental, and lifestyle variables.

Results:  In fully adjusted models, women reporting more than 60 min of daily mobile phone conversations had higher odds of confirmed breast cancer (odds ratio [OR] = 3.49, 95% confidence interval [CI]: 1.02–11.97) and suspected status (OR = 10.84, 95% CI: 2.29–51.41) compared with those using phones <10 min daily. Longer screen time (>4 h/day), later age at menarche, lower education level, and exposure to environmental pollutants were also associated with increased odds.

Conclusion:  Prolonged mobile phone use was associated with higher odds of breast cancer, but this does not imply causation. Given self-reported exposures and potential residual confounding, findings should be interpreted cautiously. Larger prospective studies with objective exposure assessment are warranted.

Keywords

Breast cancer | electromagnetic fields | mobile phones | prolonged phone use | radiofrequency radiation

Exposition:

Mobiltelefone

EMF:data Auswertung

Einleitung

Obwohl mehrere große Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien den Zusammenhang zwischen Mobiltelefongebrauch und Hirntumoren untersucht haben, sind die Ergebnisse nach wie vor nicht eindeutig, und es gibt kaum Belege für andere bösartige Tumoren wie Brustkrebs. Die aktuellen Erkenntnisse aus großen Kohortenstudien stützen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mobiltelefongebrauch und einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen insgesamt. Um diese Wissenslücke zu schließen, führten die Autoren eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie mit einer zusätzlichen Verdachtsgruppe in Strahlentherapiezentren im Iran durch.

Quelle: ElektrosmogReport 1/2026 | 32. Jahrgang, Nr. 1

Studiendesign und Durchführung

Insgesamt wurden 226 Frauen in die endgültige Analyse einbezogen: 77 bestätigte Brustkrebsfälle, 52 Verdachtsfälle und 97 Kontrollpersonen. Obwohl herkömmliche Fall-Kontroll-Studien oft eine größere Anzahl von Kontrollpersonen umfassen, führte die begrenzte Anzahl geeigneter Freiwilliger zu einem ungleichen Verhältnis. Durch logistische Regressionsmodelle wurde dieses Ungleichgewicht berücksichtigt, ohne die analytische Validität zu beeinträchtigen. Geschulte Interviewer führten einen strukturierten Fragebogen durch, der demografische Daten, Daten zur Reproduktion, zum Lebensstil und zur Umwelt umfasste, darunter die Dauer von Mobiltelefonaten, die Bildschirmzeit und die Platzierung des Telefons. Die Zusammenhänge wurden mithilfe einer multinomialen logistischen Regression analysiert, wobei sequenziell Anpassungen für demografische, reproduktive, umweltbezogene und lebensstilbezogene Variablen vorgenommen wurden. Es wurden zwei multivariable Modelle erstellt: Modell 1 ist bereinigt um Alter, Gewicht, Bildung und reproduktive Faktoren (z. B. Alter bei der Menarche). Modell 2 baut auf Modell 1 auf, plus Umwelt- und Lebensstilvariablen, darunter Schadstoffbelastung, Schlafgewohnheiten, Mobiltelefonnutzung und Bildschirmzeit.

Ergebnisse

Mehrere Lebensstilfaktoren unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen, darunter die Anzahl der Schwangerschaften (p < 0,001), der Obst- und Gemüsekonsum (p < 0,001), das Einkommensniveau (p = 0,017), die Anwendung einer Hormontherapie (p = 0,015), Operationen oder Biopsien in der Vorgeschichte (p = 0,007), Exposition gegenüber Schadstoffen (p = 0,036), Zeit im Freien (P < 0,001), Gesprächsdauer (p = 0,004), Bildschirmzeit (p = 0,003), Einschlafschwierigkeiten (p = 0,003) und frühes Aufwachen (P < 0,001). Andere Variablen wie Drogenkonsum, Menopausenstatus, Fettaufnahme, Zuckerkonsum, Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln, Strahlentherapie, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Im vollständig angepassten Modell (Modell 2) zeigten einige bemerkenswerte Variablen ein höheres Risiko für bestätigten Brustkrebs und/oder Verdacht auf Brustkrebs:

• Das Bildungsniveau steht in signifikantem Zusammenhang mit dem Fallstatus (High School OR = 5,11 [1,5–17,9], p = 0,011).

• Das Alter bei der Menarche war ein signifikanter Prädiktor für den Fallstatus (OR = 1,39 [1,0–1,9], p = 0,040).

• Die Exposition gegenüber Schadstoffen war stark mit dem Fallstatus assoziiert (OR = 7,29 [1,9–27,8], p = 0,004).

• Die Dauer von Mobiltelefonaten war signifikant, wobei mehr als 60 Minuten Telefonieren sowohl mit Fällen (OR = 3,49, 95 % KI: 1,0–11,9, p = 0,046) als auch mit Verdachtsfällen (OR = 10,84 [2,3–51,4], p = 0,003) assoziiert war.

• Eine längere Bildschirmzeit (> 4 Stunden/Tag) war ebenfalls mit erhöhten Odds verbunden.

Schlussfolgerungen

Diese Studie liefert neue Erkenntnisse über die mögliche Rolle von Lebensstil- und Umweltfaktoren – insbesondere der Nutzung von Mobiltelefonen, der Bildschirmzeit und der nächtlichen Lichtexposition – bei der Entstehung von Brustkrebs. Das konsistenteste und robusteste Ergebnis war der signifikante Zusammenhang zwischen längeren täglichen Mobiltelefonaten und dem Brustkrebsrisiko. Frauen, die täglich mehr als 60 Minuten mit dem Mobiltelefon telefonierten, hatten ein 3,5-fach höheres Risiko für bestätigten Brustkrebs und ein mehr als zehnfach erhöhtes Risiko, als Verdachtsfall eingestuft zu werden, verglichen mit Frauen, die angaben, täglich weniger als 10 Minuten zu telefonieren. Diese dosisabhängige Beziehung stärkt die biologische Plausibilität eines Zusammenhangs zwischen langfristiger HF-EMF-Exposition und Brustkrebsentstehung.

In dieser multinomialen Analyse war eine längere Handynutzung mit einem erhöhten Risiko sowohl für Verdachtsfälle als auch für bestätigte Brustkrebsfälle verbunden. Dieser Zusammenhang begründet jedoch keine kausale Beziehung, da die Exposition nicht unabhängig gemessen wurde und potenzielle verbleibende Störfaktoren nicht ausgeschlossen werden können. Diese Ergebnisse sollten daher mit Vorsicht interpretiert werden, und es sind größere prospektive Studien mit objektiven Expositionsmessungen erforderlich, um zu klären, ob dieser Zusammenhang eine Kausalität oder lediglich eine Korrelation widerspiegelt. (AT)