Autor(en):
Nilsson M*, Hardell L.
* Swedish Radiation Protection Foundation, 178 92 Adelsö.
Schweden
Veröffentlicht in:
Diseases 2026, 14(1), 25
Veröffentlicht: 08.01.2026
auf EMF:data seit 11.05.2026
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

This research received no external funding.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Schlafstörungen
Epidemiologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Zunehmende Zahl von Menschen mit Schlafproblemen in Schweden.

Increasing Numbers of Persons with Sleeping Problems in Sweden.

Original Abstract

Objectives: This study investigated sleeping problems in the Swedish population based on the Swedish National Board of Health and Welfare’s national patient register on numbers of patients in specialized outpatient care diagnosed with codes for sleeping problems. Methods: Numbers of patients per year and per 100,000 inhabitants in various age groups: 0–4, 5–19, 20–39, 40–59, and 60+ years diagnosed each year between 2001 and 2024 with the ICD codes G47 (sleep disorders) or F51 (non-organic sleep disorders) as main diagnosis were assessed. Results: The highest increase for sleep disorders was seen among children, adolescents, and young adults. All results are given per 100,000 persons. In the age group 0–4 years, the numbers of sleep disorders (G47) increased from 41.5 in 2001 to 215.8 in 2024. The corresponding results in the age group 5–19 years were 13.8 and 235.6, respectively. In the age group 20–39 years, 40.4 were diagnosed in 2001 and 220.9 in 2024. For subjects aged 40–59 years, 169.5 were diagnosed in 2001 and 362.8 in 2024, and for persons aged 60+ years, 116.4 were diagnosed in 2001 and 322.9 in 2024. No major changes in the numbers of persons with F51, non-organic sleep disorders, were observed. Conclusions: Sleeping problems can be caused by several factors; however, the rapid increase in recent years has temporally coincided with an increase in the public’s exposure to microwave radiofrequency (RF) radiation and increasing use of screens. RF radiation and use of screens may negatively impact sleep.

Keywords

microwaves | radiofrequency radiation | sleeping problems | Sweden

Exposition:

HF/Mikrowellen (1 - 300 GHz)

EMF:data Auswertung

Einleitung

Seit Beginn des Jahrtausends ist die Exposition der Bevölkerung gegenüber hochfrequenter Mobilfunkstrahlung durch die flächendeckende Verbreitung von Smartphones sowie den sukzessiven Ausbau der Mobilinfrastruktur (3G, 4G, 5G) erheblich gestiegen. Parallel dazu nehmen Schlafstörungen in Schweden zu, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei handelt es sich um Altersgruppen, die historisch kaum von Schlafstörungen betroffen waren. Die vorliegende Studie untersucht, ob die Häufigkeit klinisch diagnostizierter Schlafstörungen zwischen 2001 und 2024 zugenommen hat, und ob ein zeitlicher Zusammenhang (Korrelation) mit der gestiegenen HF-Belastung bzw. zunehmender Bildschirmzeit besteht.

Quelle: ElektrosmogReport 02/2026 | 32. Jahrgang Nr. 2

Studiendesign und Durchführung

Die Autoren werteten das nationale Patientenregister Schwedens im Zeitraum von 2001 bis 2024 aus. Erfasst wurden ambulante Patienten, bei denen die ICD-10-Diagnosen G47 (Schlafstörungen mit organischer Ursache) oder F51 (nicht-organische Schlafstörungen) als Hauptdiagnose festgestellt wurden. Die Auswertung erfolgte in fünf Alterskohorten (0-4, 5-19, 20-39, 40-59 und 60+ Jahre), normiert auf je 100.000 Einwohner.

Ergebnisse

Für die Diagnose G47 wurden in allen Alterskohorten deutliche Anstiege dokumentiert. Der stärkste Zuwachs zeigte sich in der Altersgruppe der 5- bis 19-Jährigen. Hier stieg die Anzahl der diagnostizierten Patienten um das 17-fache von 13,8 pro 100.000 im Jahr 2001 auf 235,6 pro 100.000 im Jahr 2024. Der Anstieg beschleunigte sich nach 2009 erheblich, zeitlich mit der flächendeckenden Einführung von Smartphones und dem Ausbau des 4G-Netzes korrelierend. Auch bei allen anderen Alterskohorten stieg die Rate der Schlafstörungen an: bei Kleinkindern (0-4 Jahre) von 41,5 auf 215,8; bei jungen Erwachsenen (20-39 Jahre) von 40,4 auf 220,9; bei älteren Erwachsenen (40-59 Jahre) von 169,5 auf 362,8 und bei Senioren (60+ Jahre) von 116,4 auf 322,9. Für die Diagnose F51 wurden keine wesentlichen Veränderungen beobachtet.

Schlussfolgerungen

Die Autoren konstatieren eine bevölkerungsweite Zunahme klinisch diagnostizierter Schlafstörungen in Schweden, die zeitlich mit dem Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur und steigender Endgerätnutzung zusammenfällt. Als mögliche Ursachen werden die Wirkung des Mobilfunks auf die Gehirnaktivität und die Unterdrückung der Melatoninproduktion durch Blaulicht aus Bildschirmen diskutiert. Die Wissenschaftler betonen jedoch den hypothesegenerierenden Charakter der Studie und fordern weiterführende Studien, die Schlafstörungen, Mobilfunkbelastung und biologische Parameter gezielt erfassen. Der Anstieg sei jedoch in keinem Fall auf eine höhere Meldequote zurückzuführen.

Anmerkungen der Redaktion:

Besonders besorgniserregend ist die ausgeprägte Zunahme der diagnostizierten Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Hierbei handelt es sich um Altersgruppen, die Entwicklungsphasen durchlaufen und dadurch besonders empfindlich gegenüber Mobilfunkbelastung sind. Laut einer statistischen Untersuchung des schwedischen staatlichen Medienrates nutzen 2022 mehr als 70 % der schwedischen Kinder im Alter von 15 und 40 % der Kinder im Alter von 12 Jahren ein Mobiltelefon mehr als drei Stunden pro Tag. Als wesentliche Limitation der Studie ist der rein korrelative registerbasierte Ansatz zu nennen. Kausale Schlüsse sind methodisch nicht möglich, Confounder wie z. B. pandemiebedingte Stresssymptomatik können nicht kontrolliert werden. Dennoch liefert die Studie einen relevanten epidemiologischen Befund, der im Kontext des wachsenden Literaturfundus zu HF-induzierten neurophysiologischen Pathologien nicht ignoriert werden sollte (RH).