Autor(en):
Cui Z*, Shi L, Yang M, Chang C, Jin S, Hao Y, Zhao X, Lu Y, Li Y, Zuo H.
* Department of Experimental Pathology, Beijing Institute of Radiation Medicine, 100850 Beijing.
China
Veröffentlicht in:
J Integr Neurosci 2026; 25 (4): 48640
Veröffentlicht: 17.04.2026
auf EMF:data seit 11.05.2026
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Chengde Medical University Discipline Construction Funds.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Gedächtnis, Lernen, Verhalten  |  Auditives System (Sinnessystem)
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Beteiligung des Kreislaufs aus primärem auditorischem Kortex und basolateraler Amygdala an der veränderten Abrufbarkeit des konditionierten Angst-Gedächtnis nach Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern bei Mäusen.

Involvement of the Primary Auditory Cortex-Basolateral Amygdala Circuit in Altered Conditioned Fear Memory Retrieval Following Electromagnetic Field Exposure in Mice.

Original Abstract

Background: Electromagnetic field (EMF) exposure is increasingly common and has been implicated in a range of effects on human health. Conditioned fear memory plays a critical role in enabling organisms to respond appropriately to previously encountered threats. Despite growing interest in the neurobiological consequences of EMF exposure, its impact on the neural circuits underlying conditioned fear responses has not been clearly defined. Methods: Using a mouse model exposed to combined microwave and static magnetic fields, we examined the involvement of the primary auditory cortex-basolateral amygdala (Au1-BLA) circuit in EMF-associated alterations in conditioned fear retrieval. A multifaceted experimental approach was employed, including behavioral assays, viral tracing, genetically encoded calcium imaging, chemogenetic modulation, histopathological analysis, and immunofluorescence.

Results: Exposure was associated with reduced conditioned fear memory retrieval, pathological changes in Au1 and BLA tissue ultra-structures, and decreased Nissl bodies in Au1 neurons and Au1-BLA neuronal fiber projections. The attenuation of conditioned fear memory retrieval coincided with decreased calcium activity in Au1 and BLA neurons. Consistently, chemogenetic activation of Au1 calcium-dependent protein kinase II (CaMKII)-expressing neurons enhanced calcium activity in BLA neurons during fear retrieval and was accompanied by changes in cholinergic signaling in the BLA. These findings suggest that cholinergic neuronal populations downstream of the Au1-BLA circuit are sensitive to EMF exposure and may participate in EMF-related modulation of fear retrieval.

Conclusions: Our findings support an association between EMF exposure and altered conditioned fear expression involving functional changes within the Au1–BLA circuit, especially for the changes in calcium activity and chemogenetic modulation of Au1 CaMKII-expressing neurons. This study provides direct experimental evidence linking EMF exposure to circuit-level functional interactions underlying fear memory retrieval.

Keywords

fear conditioning | auditory cortex | amygdala | electromagnetic fields | neural pathway

Exposition:

9,375 GHz
Magnetfelder

EMF:data Auswertung

Einleitung

Zahlreiche Studien zeigen, dass elektromagnetische Felder (EMF) kognitive Funktionen und emotionales Verhalten beeinträchtigen können. Besonders relevant ist in diesem Kontext das konditionierte Furchtgedächtnis, da dessen Dysregulation als zentrales Merkmal posttraumatischer Belastungsstörungen gilt. Die Wirkung von EMF auf die zugrundeliegenden neuronalen Schaltkreise ist bislang weitgehend unerforscht. Der primäre auditorische Kortex (Au1) und die basolaterale Amygdala (BLA) bilden einen Schlüsselschaltkreis für die Verarbeitung und den Abruf des Furchtgedächtnisses. Die vorliegende Studie untersucht, wie eine kombinierte Befeldung mit statischem Magnetfeld und Hochfrequenz diesen Au1-BLA-Schaltkreis auf Verhaltens-, Struktur- und Signalübertragungsebene beeinflusst.

Quelle: ElektrosmogReport 02/2026 | 32. Jahrgang Nr. 2

Studiendesign und Durchführung

Zehnwöchige C57BL/6N-Mäuse wurden randomisiert in 4 Gruppen unterteilt: 1) scheinbefeldete Kontrolle; 2) Magnetfeldexposition (MF; 100 mT, 1 h/Tag); 3) HF-Exposition (HF; 9,375 GHz Trägerfrequenz unmoduliert, SAR-Wert 2,58 W/kg, 15 min/Tag) und 4) kombinierte Exposition (MF & HF). Thermische Wirkungen wurden durch rektale Temperaturmessungen ausgeschlossen. Die Tiere wurden einer auditorischen Furchtkonditionierung unterzogen. Die Aktivierung des Furchtgedächtnisses wurde durch Erstarrungsverhalten bewertet. Außerdem wurden die Hörfunktion sowie strukturell-morphologische Gewebeveränderungen in Au1 und BLA analysiert. Des Weiteren wurden Projektionsneuronen (Verbindung Au1-BLA) sowie die Kalziumdynamik der Au1- und BLA-Neuronen untersucht. Zur funktionellen Charakterisierung wurden exzitatorische (CaMKII-exprimierende) Au1-Neuronen gezielt aktiviert oder inhibiert und die nachgeschalteten exzitatorischen und inhibitorischen Neuronen in der BLA überprüft. Je nach Analyse wurden 6 oder 8 Proben pro untersuchter Gruppe verwendet (n = 6|8).

Ergebnisse

Ausschließlich die kombiniert befeldete Gruppe (MF & HF) zeigte nach 7-tägiger Befeldung eine signifikante Veränderung des Erstarrungsverhaltens, ein klares Zeichen für die Beeinträchtigung des Furchtgedächtnisses. Die Hörfunktionen waren nicht verändert. Strukturell zeigten sich in den befeldeten Gruppen pathologische Veränderungen gegenüber der Kontrollgruppe, darunter Mitochondrienschwellung, Chromatin-Kondensation und Degranulation des endoplasmatischen Retikulums. Diese Veränderungen waren ausgeprägter in der kombiniert befeldeten Gruppe als in der MF- oder HF-Gruppe und ausgeprägter in den Au1-Neuronen als in den BLA-Neuronen. Damit konsistent waren die Nissl-Körperchen bei den kombiniert befeldeten Au1-Neuronen signifikant reduziert. Auch die Verbindung zwischen Au1- und BLA-Areal (neuronale Projektion) wies eine geschwächte Signalübertragung auf. Korrespondierend war in der kombiniert befeldeten Gruppe die Kalziumaktivität während der Furchtreaktion statistisch signifikant vermindert. Funktionell zeigte sich, dass die chemische Aktivierung der exzitatorischen Au1-Neuronen das Furchtverhalten und die BLA-Kalziumdynamik partiell wiederherstellte, während die chemische Inaktivierung den Phänotyp verstärkte. In der BLA zeigte sich nach kombinierter Befeldung eine erhöhte Aktivierung exzitatorischer, nicht jedoch inhibitorischer Neurone, die durch die Au1-Aktivierung abgeschwächt wurde.

 

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse zeigen, dass eine kombinierte Befeldung aus statischem Magnetfeld und HF-EMF den Au1-BLA-Schaltkreis funktionell schwächen und dadurch den Abruf des Furchtgedächtnisses beeinträchtigen kann. Die funktionelle Überprüfung weist darauf hin, dass eine reduzierte glutamaterge Ausgangsaktivität des Au1 mit nachgeschalteter Dysregulation cholinerger BLA-Neuronen beteiligt ist. Die beobachteten Beeinträchtigungen sind nicht auf eine Störung der peripheren Hörfunktion oder initialen sensorischen Reizverarbeitung zurückzuführen.

Anmerkungen der Redaktion:

Die vorliegende Studie zeichnet sich durch ihren multimodalen Ansatz aus: Verhaltenstest, Chemogenetik, Kalziumbildung, Elektronenmikroskopie und virales Tracing (Projektionsneurone) werden zu einer konsistenten Evidenzkette verknüpft. Eine mögliche klinische Relevanz ergibt sich aus dem Bezug zur posttraumatischen Belastungsstörung, wobei diese Tierversuchsdaten nicht direkt auf den Menschen übertragbar sind. Die Stärke des statischen Magnetfeldes liegt unterhalb der Unbedenklichkeits-Einstufung der ICNIRP (400 mT), während die spezifische Absorptionsrate des HF-EMF mit 2,58 W/kg in der Größenordnung der zulässigen Belastung für den Kopf liegt (2 W/kg). Bemerkenswert ist, dass die EMF-Wirkungen vor allem synergistisch auftreten, wie es z. B. auch bei realer Drahtloskommunikation der Fall ist. Die Niederfrequenz-Komponente bei drahtloser Kommunikation unterscheidet sich jedoch stark von dem hier verwendeten statischen Magnetfeld, da diese pulsiert ist und wesentlich schwächer. (RH)