Autor(en):
Migdal P*, Plotnik M, Bienkowski P, Berbec E, Latarowski K, Bialecka N, Murawska A.
* Department of Bees Breeding, Institute of Animal Husbandry and Breeding, Faculty of Biology and Animal Science, Wrocław University of Environmental and Life Sciences, 50-375 Wrocław.
Polen
Veröffentlicht in:
Agriculture 2025; 15 (12): 1266
Veröffentlicht: 11.06.2025
auf EMF:data seit 11.05.2026
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

Support by the department of Bees Breeding, project number B010/0002/25. The publication is co-financed by the Wroclaw University of Environmental and Life Sciences. The publication is co-financed by the Telecommunications and Teleinformatics Department, Wroclaw University of Science and Technology.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Verhalten und kognitive Prozesse  |  Wirkung auf Tiere
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Der Einfluss eines elektromagnetischen Feldes bei einer Hochfrequenz von 900 MHz auf das Verhalten einer Honigbiene.

The Influence of an Electromagnetic Field at a Radiofrequency of 900 MHz on the Behavior of a Honey Bee.

Original Abstract

The development of wireless technology and the desire to improve communication electromagnetic fields (EMFs) of various frequencies have become common across the honey bee’s foraging landscape. There has been discussion for many years about the possible impact of electromagnetic fields on living organisms. Artificial radio fields emit frequencies ranging from 100 kHz to 300 GHz. The presented research aimed to demonstrate the influence of the radiofrequency electromagnetic field (RF-EMF) with a frequency of 900 MHz on the behavior of honey bees in laboratory conditions. For this experiment, we used wooden cages to house honey bee workers immediately after they emerged. Bee workers were divided into control and experimental groups. Bees in the control group were not exposed to RF fields, while the experimental groups were exposed to 900 MHz electromagnetic fields of different intensities and durations of exposure. Bees’ behavior was analyzed with an appropriate computer program. Behavioral analysis of bees was performed immediately after exposure and seven days after exposure. Our research has shown that the radio field (900 MHz) affects the behavior of bees compared to the control group, although not all results are statistically significant. Significant effects were observed seven days after exposure in walking, flight, and individual contact. However, it is worth extending the study to include the impact of an RF-EMF on the expression of genes responsible for bee behavior.

Keywords

behavior | honey bee | RF-EMF | 900 MHz

Exposition:

900 MHz

EMF:data Auswertung

Einleitung

Es liegen nur wenige Daten darüber vor, wie elektromagnetische Strahlung (EMF) das grundlegende Verhalten von Honigbienen beeinflusst. In Laborstudien werden im Rahmen der Verhaltensanalyse in der Regel die grundlegenden Verhaltensweisen der Honigbiene untersucht. Zu diesen Verhaltensweisen zählen das Laufen (die Zeit, die die Biene in Bewegung verbringt), das Fliegen (Bewegung mit den Flügeln), der Kontakt zu Artgenossen (einschließlich gegenseitiger „Fellpflege“), die Selbstreinigung (Pflege der Körperoberfläche) und die Bewegungslosigkeit (die Zeit, in der die Biene stillsteht). Die für die Untersuchung ausgewählten Verhalten – Fliegen, Laufen, Putzen, sozialer Kontakt und Bewegungslosigkeit – spielen eine entscheidende Rolle für die Erhaltung der Gesundheit des Bienenvolkes und der individuellen Fitness. Die Analyse des Flugverhaltens kann Einblicke in die kognitiven und sensorischen Fähigkeiten von Honigbienen liefern. Ziel der vorliegenden Studie war es, zu untersuchen, ob 900-MHz-elektromagnetische Strahlung (EMF) ausgewählte Verhaltensweisen der Honigbiene beeinflusst. Darüber hinaus wurde untersucht, ob mögliche Veränderungen unmittelbar nach der Exposition sichtbar sind oder erst nach einiger Zeit (verzögerte Wirkung).

Quelle: ElektrosmogReport 02/2026 | 32. Jahrgang Nr. 2

Studiendesign und Durchführung

Rahmen mit Brut wurden ins Labor transportiert und in einen Inkubator gestellt, dessen Bedingungen denen im Bienenstock gleichen. Nach dem Schlüpfen wurden die Honigbienen-Arbeiterinnen in Holzkäfige umgesetzt und in eine Kontrollgruppe sowie neun Versuchsgruppen aufgeteilt. Die Bienen in den Versuchsgruppen wurden jeweils 15 Minuten, 1 Stunde oder 3 Stunden lang elektromagnetischen Feldern mit 900 MHz und Intensitäten von 12 V/m, 28 V/m und 61 V/m ausgesetzt. Die EMF-Quelle bestand aus einer Plattenantenne, die an einen Verstärker angeschlossen war, der von einem 900-MHz-Hochfrequenzgenerator gespeist wurde, der mit 2G-Frequenzumtastung moduliert war. Unmittelbar nach Ende der Exposition (und erneut 7 Tage später) wurden aus jeder Gruppe Bienen zufällig ausgewählt, um ihr Verhalten 6 Minuten lang mit einer Kamera aufzuzeichnen. Die Verhaltensanalyse wurde mit der Software Noldus Observer XT 9.0 (Wageningen, Niederlande) durchgeführt. Auch wenn 1 Tag alte Bienen noch nicht flugfähig sind, bewertet die Verhaltensanalyse die Flugaktivität anhand von Flügelbewegungen und Bewegungen zwischen den Wänden. Die durchschnittliche Dauer des Verhaltens (wie viel Zeit die Bienen in der Gruppe mit der Ausführung eines bestimmten Verhaltens verbrachten) und die durchschnittliche Anzahl der Vorkommen eines bestimmten Verhaltens (wie oft während der Beobachtung die Individuen in der Gruppe das ausgewählte Verhalten zeigten) wurden analysiert.

Ergebnisse

Was die durchschnittliche Zeit betrifft, die für ein bestimmtes Verhalten aufgewendet wird, erscheinen die Auswirkungen einer akuten Exposition auf den „individuellen Kontakt“ seltsam: teils verringert, teils verstärkt, jedoch ohne eindeutigen Zusammenhang mit der Feldstärke oder der Expositionsdauer. Eine Woche später ist der individuelle Kontakt in fast allen Expositionsgruppen, mit Ausnahme der Kontrollgruppe, leicht verringert. Ein ähnlicher, wenn auch weniger deutlicher Trend zeigt sich beim Reinigungsverhalten. Das einzige eindeutige Ergebnis dieser Studie ist die Auswirkung der Bestrahlung auf das „Flugverhalten“. Alle exponierten Gruppen zeigten weniger Flugverhalten als die Kontrollgruppe, und der Effekt scheint bei höherer Feldstärke etwas stärker zu sein. Eine Woche später wurden ähnliche Trends festgestellt. Alle exponierten Gruppen zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe weiterhin ein verringertes Flugverhalten, und zwar in etwa gleichem Ausmaß (Reduktion um 25–68 %) wie 7 Tage früher. Die Gruppen mit einer Expositionsdauer von 3 Stunden scheinen stärker betroffen zu sein als die Gruppen mit kürzerer Expositionsdauer. Ähnliche Trends wurden bei der Anzahl der beobachteten Flugverhalten festgestellt.

Schlussfolgerungen

Dem Autor zufolge zeigt diese Studie, dass 2G-modulierte 900-MHz-Strahlung das Verhalten von Bienen im Vergleich zur Kontrollgruppe geringfügig beeinflusst. Darüber hinaus werden statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Testgruppen festgestellt, die dem Funkfeld unmittelbar nach der Exposition sowie sieben Tage nach der Exposition ausgesetzt waren. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte Verhaltensänderungen möglicherweise erst zeitverzögert nach der Exposition gegenüber EMF auftreten. Die Studie stellte unmittelbar nach der Exposition, aber auch eine Woche nach der Exposition eine durchgängig verminderte Flugaktivität der Bienen fest. Dies liefert einen weiteren Hinweis darauf, dass hochfrequente 2G-Strahlung eine Schwächung der Bienenvölker durch Verringerung ihrer Nahrungsversorgung verursachen und möglicherweise zur Verschärfung des Phänomens des Bienensterbens beitragen könnte.

Anmerkungen der Redaktion:

Die Studie nutzt eine neue Methode, das Verhalten von Bienen automatisiert zu kategorisieren. Die meisten Befunde waren nicht statistisch signifikant. Jedoch waren insbesondere beim Flugverhalten die Feldstärke und Expositionsdauer klar und quasi-linear mit dem Ausmaß der Reduktion/Störung des Verhaltens verbunden, und dies auch noch eine Woche nach der Exposition. Eine größere Anzahl an Beobachtungen (etwa 3–4 mal mehr) würde hier sicherlich statistisch signifikante Unterschiede für fast alle Expositionsgruppen finden. Die in der Studie verwendeten Feldstärken waren allerdings unrealistisch hoch: die niedrigste verwendete Feldstärke von 12 V/m entspricht 380 mW/m², Werte, die nur sehr nahe (im Allgemeinen bei weniger als 10 m Abstand) einer Basistation zu messen sind, was die Übertragbarkeit der Befunde etwas in Frage stellt. Zukünftige Studien sollten versuchen zu erklären, wieso insbesondere die Flugaktivität durch 2G-Strahlung gestört wird, und dies womöglich auf Ebene der Neurotransmitter betrachten. (AT)