Autor(en):
DastAmooz S*, Broujeni ST, Sarahian N.
* Department of Sport Science and Physical Education, Chinese University of Hong Kong.
Iran
Veröffentlicht in:
J Public Health Afr 2023; 14 (6): 2347
Veröffentlicht: 21.06.2023
auf EMF:data seit 12.08.2026
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
Wachstum
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Eine primäre Studie über die fötale Entwicklung von Ratten und die Gehalte des Wachstumsfaktors BDNF unter der Kontrolle von elektromagnetischen Feldern.

A primary study on rat fetal development and brain-derived neurotrophic factor levels under the control of electromagnetic fields.

Original Abstract

Background: In previous researches, electromagnetic fields have been shown to adversely affect the behavior and biology of humans and animals; however, body growth and brain-derived neurotrophic factor levels were not evaluated. Objective: The original investigation aimed to examine whether Electromagnetic Fields (EMF) exposure had adverse effects on spatial learning and motor function in rats and if physical activity could diminish the damaging effects of EMF exposure. In this study, we measured anthropometric measurements and brain-derived neurotrophic factor (BDNF) levels in pregnant rats’ offspring to determine if Wi-Fi EMF also affected their growth. These data we report for the first time in this publication. Methods: Twenty Albino-Wistar pregnant rats were divided randomly into EMF and control (CON) groups, and after delivery, 12 male fetuses were randomly selected. For assessing the body growth change of offspring beginning at delivery, then at 21 postnatal days, and finally at 56 post-natal days, the crown-rump length of the body was assessed using a digital caliper. Examining BDNF factor levels, an Enzyme-linked immunosorbent assay ELISA kit was taken. Bodyweight was recorded by digital scale. Results: Outcomes of the anthropometric measurements demonstrated that EMF blocked body growth in rats exposed to EMF. The results of the BDNF test illustrated that the BDNF in the EMF liter group was remarkably decreased compared to the CON group. The results indicate that EMF exposure could affect BDNF levels and harm body growth in pregnant rats’ offspring. Conclusions: The results suggest that EMF exposure could affect BDNF levels and impair body growth in pregnant rats’ offspring.

Keywords

electromagnetic fields | BDNF factor | anthropometric measurements | male offspring | crown-rump length

Exposition:

2400 MHz
Mobiles Internet/WLAN

EMF:data Auswertung

Einleitung

Der Wachstumsfaktor BDNF („brain-derived neurotrophic factor“), ein neurotropher Wachstumsfaktor, spielt eine wesentliche Rolle bei der Bildung synaptischer Verbindungen, der Reparatur von Nervenzellen, der Differenzierung und dem Auswachsen von Nervenzellen. Darüber hinaus treten Erkrankungen wie Depressionen und Adipositas aufgrund von Funktionsmutationen des BDNF-Rezeptors auf. Frühere Untersuchungen haben einen direkten Zusammenhang zwischen dem fetalen Wachstum und der Gehirngesundheit aufgezeigt. Diesen Studien zufolge moduliert BDNF die Muster der fetalen Entwicklung, insbesondere hinsichtlich des Gewichts. In der vorliegenden Studie wurden Messungen der Körpermaße und die Konzentration von BDNF bei den Nachkommen schwangerer Ratten verwendet, um festzustellen, ob sich WLAN-Exposition auf deren Wachstum auswirkten.

Quelle: ElektrosmogReport 3/2026 | 32. Jahrgang Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Zwanzig trächtige Albino-Wistar-Ratten wurden nach dem Zufallsprinzip in eine WLAN-Gruppe und eine Kontrollgruppe aufgeteilt; nach der Geburt wurden aus jeder Gruppe 12 männliche Föten zufällig ausgewählt. Die trächtigen Ratten wurden in getrennten, temperaturgeregelten Räumen untergebracht: in einem normalen/ungeschirmten Raum (WLAN-Gruppe), sowie in einem mit Aluminiumfolie abgeschirmten Raum (Kontrollgruppe). Ein handelsübliches 2,4-GHz-WLAN-Modem wurde auf einem Tisch in einem Abstand von einem Meter zu den Käfigen der WLAN-Gruppe aufgestellt. Die trächtigen Ratten wurden etwa 20 Tage lang (während der gesamten Trächtigkeit) täglich 6 Stunden lang WLAN ausgesetzt. Beginnend mit der Geburt, dann am 21. Tag nach der Geburt und schließlich am 56. postnatalen Tag wurden Körperlänge, Schwanzlänge und Körpergewicht gemessen. Zur Untersuchung der BDNF-Spiegel gegen Ende des Experiments wurde ein ELISA-Kit verwendet.

Ergebnisse

Diese Studie ergab, dass das Körpergewicht von neugeborenen Ratten, die elektromagnetischen Feldern (WLAN) ausgesetzt waren, am 56. Tag nach der Geburt (~207 g) im Vergleich zur Kontrollgruppe (~230 g) um etwa 10 % geringer war; dieser Befund war jedoch statistisch nicht signifikant. Im Gegensatz dazu war die Körperlänge der WLAN-Gruppe zum Zeitpunkt der Geburt signifikant größer als die der Kontrollgruppe: 51,0 mm gegenüber 45,6 mm. Auch die Schwanzlänge der WLAN-Gruppe (20,0 mm) zum Zeitpunkt der Geburt war signifikant größer als die der Kontrollgruppe (17,2 mm). Umgekehrt war die Schwanzlänge der Kontrollgruppe am 21. Tag nach der Geburt signifikant länger (um ca. 45 %) als die der WLAN-Gruppe: 67,3 mm gegenüber 46,3 mm; und am 56. Tag nach der Geburt 156,2 mm gegenüber 136,5 mm (14 % höher bei der Kontrolle). WLAN-behandelte Neugeborene wiesen 56 Tage nach der Geburt statistisch signifikant niedrigere BDNF-Konzentrationen (6,8 ± 0,2 ng/ml) auf als die Kontrollgruppe (7,08 ± 0,16 ng/ml), was jedoch nur eine Verringerung um 4 % darstellt.

Schlussfolgerungen

Diese Studie war durch die geringe Stichprobengröße, das Fehlen von Messungen des Wachstumshormonspiegels, die kurze Expositionsdauer (6 Stunden am Tag für 20 Tage) und das Fehlen von BDNF-Messungen bei der Geburt der Neugeborenen eingeschränkt.

Anmerkungen der Redaktion:

Leptin und BDNF interagieren über komplexe Signalwege, die die Energiehomöostase, die Stimmung und die neurologische Entwicklung regulieren. Im erwachsenen Gehirn wirkt Leptin als starker Regulator der BDNF-Expression, insbesondere im Hippocampus. Bei Nagetieren kommt es zu einem postnatalen Leptinanstieg (welcher verringerte in-utero-Werte von BDNF kompensieren könnte), beim Menschen tritt dieser Anstieg jedoch nicht auf. Insgesamt bilden Leptin und BDNF eine entscheidende Fettgewebe-Gehirn-Achse, wobei die Leptin-Signalübertragung bei Erwachsenen die BDNF-Expression moduliert, während bei Föten die mütterlichen Spiegel beider Faktoren zur Programmierung der Stoffwechsel- und Nervenentwicklung beitragen. Die hier vorgestellten Befunde nach WLAN-Exposition (bei geringer nicht-thermischer Leistungsdichte von geschätzt 10 mW/m²) sind interessant, zumindest die Unterschiede in der Körperlänge deuten auf eine relevante und problematische Beeinträchtigung des normalen Wachstumsprozesses hin. Inwiefern dies jedoch am BDNF-Spiegel liegt bleibt unklar, da dieser nur am 56. Tag gemessen wurde (da dafür die Ratten geopfert wurden), und zu diesem Zeitpunkt nur eine 4%-Verminderung im BDNF-Spiegel der WLAN-Gruppe zu messen war, welche wahrscheinlich irrelevant ist. Die Studie sollte wiederholt/repliziert werden mit einer höheren Anzahl an Versuchstieren, mehr Hormonmessungen (z.B. Leptin und Wachstumshormon), und es sollte zusätzlich das BDNF bei der Geburt und am 21. Tag ermittelt werden. Auch sollte das BDNF der trächtigen Weibchen gemessen werden, da in utero das BDNF im Blut der Mutter über die Plazenta die sich entwickelnden Föten erreicht, und somit bislang nicht klar ist, auf welcher Ebene (Mutter oder Föten) WLAN den BDNF-Level beeinflussen kann. (AT)