Autor(en):
Syed Taha SMA*, Jaffar FHF, Hairulazam A, Vijay S, Jamaludin N, Zulkefli AF, et al.
* Department of Physiology, Faculty of Medicine, Universiti Kebangsaan Malaysia (UKM), Jalan Yaacob Latif, Bandar Tun Razak, Cheras, Kuala Lumpur 56000, Federal Territory.
Malaysia
Veröffentlicht in:
Int J Mol Sci 2026; 27 (8): 3452
Veröffentlicht: 12.08.2026
auf EMF:data seit 12.08.2026
Weitere Veröffentlichungen:
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Expression von Hitzeschockproteinen in den Hoden von Ratten nach Exposition bei 3,5-GHz- und 24-GHz-HF-EMF.

Testicular heat-shock protein expression in rats following 3.5 GHz and 24 GHz RF-EMF exposure.

Original Abstract

The expansion of fifth-generation (5G) wireless networks has increased environmental exposure to mid-band and millimeter-wave radiofrequency electromagnetic fields (RF-EMF), but their molecular effects on male reproductive tissues remain insufficiently understood. This study evaluated whether repeated exposure to 3.5 GHz and 24 GHz RF-EMF alters testicular stress-associated molecular responses by integrating electromagnetic dosimetry with an in vivo rat model. Whole-body specific absorption rate (SAR) and 10 g peak SAR were estimated using a rat voxel model and scaled to the 20 cm antenna-to-cage geometry used during exposure. Thirty-six adult male Sprague Dawley rats were allocated to sham, 3.5 GHz, or 24 GHz groups and exposed for 1 h/day or 7 h/day over 60 days. Testes were examined histologically and assessed for HSP27, HSP70, and HSP90 protein expression. SAR values were low overall, although absorption was higher at 3.5 GHz than at 24 GHz. Histological evaluation showed preserved seminiferous tubule architecture without consistent structural injury. In contrast, molecular analysis demonstrated frequency- and duration-dependent modulation of heat shock proteins, including early HSP70 downregulation at both frequencies, followed by HSP90 upregulation at 3.5 GHz and HSP27 upregulation at 24 GHz. These findings indicate that low-level 5G-relevant RF-EMF exposure can modify molecular stress responses in testicular tissue even in the absence of overt histological damage.

Keywords

electromagnetic fields | heat shock protein | reproductive health | Western blotting | non-ionizing

Exposition:

24 GHz
3500 MHz

EMF:data Auswertung

Einleitung

Die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) nutzt Mittelband-Frequenzen (3,5 GHz) und zukünftig auch Millimeter-Wellen mit Frequenzen zwischen 24 und 28 GHz. Da das Hodengewebe besonders anfällig für Umwelt-Stressoren gilt und frühere experimentelle sowie epidemiologische Studien auf schädigende Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern hinwiesen, untersucht die vorliegende Studie die Auswirkung von 5G-Mittelband- und Millimeterwellen-Frequenzen auf molekulare Stressantworten in den Hoden von Ratten. (Im Fokus liegen hierbei Hitzeschockproteine, die ihres Namens zum Trotz durch ein breites Spektrum zellulären Stresses hochreguliert werden, beispielsweise durch oxidativen Stress oder Toxine. Eine Hauptaufgabe dieser Chaperone ist es anderen Proteinen bei der Faltung zu helfen und dadurch ihre korrekte 3D-Struktur einzunehmen, Anm. d. Red.).

Quelle: ElektrosmogReport 3/2026 | 32. Jahrgang Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Insgesamt wurden 36 männliche Sprague-Dawley-Ratten über einen Zeitraum von 60 Tagen 1 h täglich oder 7 h täglich mit 3,5 GHz, 24 GHz oder scheinbefeldet (n = 6). Das 3,5-GHz-Signal stammt von einem Signalgenerator ohne Frequenzmodulierung. Das 24-GHz-Signal hingegen wurde durch einen kommerziellen Radar-Sensor zur Anwesenheitserkennung generiert. Hierbei liegt zwar eine Frequenzmodulierung vor, allerdings keine mobilfunktypische (weder zeitlich gepulst noch gebündelt). Die Quellen wurden 20 cm über den Käfigen angebracht. Die spezifische Absorptionsrate wurde mit einem Ratten-Voxelmodell simuliert und mittels Potenzgesetz auf 20 cm Abstand extrapoliert. Das Hodengewebe wurde histologisch und immunohistochemisch (Hitzeschockproteine HSP27, HSP70 und HSP90) untersucht. Die statistische Auswertung erfolgte je nach Befeldungsdauer mittels einfaktorieller ANOVA und Tukey-Test.

Ergebnisse

Der Gesamt-SAR lag bei 20 cm Abstand im Falle von 3,5 GHz bei 0,06 W/kg, bei 24 GHz lediglich bei 1,80 x 10⁻⁷ W/kg. Histologisch blieb die Struktur der Samenkanälchen weitestgehend erhalten, lediglich vereinzelte milde Veränderungen ohne durchgängige oder fortgeschrittene Schädigungen des Gewebes traten auf. Die Expression der Hitzeschockproteine war hingegen frequenz- und dauerspezifisch statistisch signifikant verändert. Bei der 1 h täglichen Befeldung wurde eine signifikante Verminderung der HSP70-Bildung beider Frequenzen im Vergleich zur scheinbefeldeten Kontrolle beobachtet. Diese Wirkung war bei der 7-stündigen Befeldung nicht vorhanden. Diese induzierte jedoch selektiv bei 3,5 GHz eine signifikante Erhöhung von HSP90. HSP27 hingegen war nach 7-stündiger Befeldung selektiv bei 24 GHz signifikant gesteigert.

Schlussfolgerungen

Die Autoren folgern, dass niederschwellige 5G-relevante Felder Stresssignalwege in den Hoden verändern können, während das Gewebe strukturell intakt bleibt. Die HSP70-Antwort (Herunterregulierung nach 1 h pro Tag Befeldung, kein Unterschied nach 7 h pro Tag) sei eine atypische Stressantwort. Das Fehlen eines anhaltenden Unterschieds deute darauf hin, dass sich die Initialantwort normalisiert habe oder unter der Schwelle einer dauerhaften Induktion geblieben sei. Die nach 7 h pro Tag bei 3,5 GHz induzierte Steigerung von HSP90 spreche für eine proteostatische Anpassung an niederschwellige Stressreize und weniger für direkte Zellschädigungen, konsistent mit dem Mangel an histologischen Befunden. Da die Millimeterwellen hauptsächlich oberflächlich absorbiert würden und nicht in tiefere Gewebeschichten vordringen könnten, weise die nach 7 h pro Tag bei 24 GHz signifikant erhöhte HSP27-Bildung auf eine distinkte Stressadaption hin.

Anmerkungen der Redaktion:

Da die molekularen Wechselwirkungen der 5G-Frequenz-Befeldung bei Intensitäten unterhalb der Grenzwerte für die Dauerexposition der Allgemeinbevölkerung liegen (SAR 0,08 W/kg), wird das Schutzkonzept in Frage gestellt. Reproduktionsbiologisch besonders relevant ist, dass HSP70 und HSP90 eng an der regulären Spermatogenese und nicht nur an einer Stressantwort beteiligt sind. Frühere Studien weisen darauf hin, dass Hochfrequenz die Expression von Hitzeschockproteinen auch in anderen Geweben verändern können (1), siehe ElektrosmogReport 03/2021. Möglicherweise unterschätzt die vorliegende Publikation sogar die biologische Wirksamkeit des 5G-Signals, da dieses unmoduliert (3,5 GHz) bzw. radarmoduliert (24 GHz) vorliegt. Jüngst publizierte Studien geben Anlass zur Vermutung, dass die biologische Wirksamkeit von Mobilfunk durch dessen Modulierungsmuster gesteigert wird (2), siehe ElektrosmogReport 02/2026. (RH)

1.        Othman H, López-Furelos A, Leiro-Vidal JM, Ammari M, Sakly M, Abdelmelek H et al. (2021). Exposure to 2.45 GHz radiation triggers changes in HSP-70, glucocorticoid receptors and GFAP biomarkers in rat brain. International Journal of Molecular Sciences, 22(10), 5103. https://doi.org/10.3390/ijms22105103

2.        Panagopoulos DJ, Litovsky R, Chamberlin K (2026). Recording the extremely low frequency pulsations of wireless communication electromagnetic fields. Electromagnetic Biology and Medicine, 1–10. https://doi.org/10.1080/15368378.2026.2654072