Autor(en):
Czerwiński M*, Virto LR, Vian A, Thielens A.
* Department of Grassland and Natural Landscape Sciences, Poznań University of Life Sciences, ul. Dojazd 11, 60-632 Poznań.
Polen
Veröffentlicht in:
Environmental Reviews 2026; 34: 0053
Veröffentlicht: 22.07.2026
auf EMF:data seit 12.08.2026
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

The publication was co-financed by the Polish Minister of Science and Higher Education as part of the Strategy of the Poznan University of Life Sciences for 2024–2026 in the field of improving scientific research and development work in priority research areas.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Wirkung auf Pflanzen
Reviews/Übersichtsarbeiten
zur EMF:data Auswertung

Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Ökosysteme von Gründächern: ein bislang unerforschtes Thema.

Radiofrequency electromagnetic field effects on green roof ecosystems: an unexplored topic.

Original Abstract

In recent decades, mobile communications technologies have been adopted at an unprecedented pace, leading to a rapid increase in the exposure of living organisms to artificial radiofrequency electromagnetic field (RF-EMF) emissions. This exposure is typically much higher on rooftops in dense urban areas where antennas are located, compared to ground level in those same areas. The recent deployment of wireless infrastructure on urban rooftops has coincided with the expansion of green roofs in cities. This indicates that RF exposure is a factor to consider in the planning and maintenance of green roofs. In this paper, we evaluate RF-EMF exposure levels on green roofs situated near base station antennas. Based on this evaluation, we predict potential responses at both the population and ecosystem levels to RF exposure. We conducted a structured two-stage literature review. In Stage 1, we performed a narrative synthesis of empirical RF-EMF measurements on urban rooftops, covering the 0.7–3.8 GHz frequency range. We searched IEEE Xplore, Web of Science, and Google, and retained 20 peer-reviewed and institutional publications containing original measurement data published from 2001 onward. In Stage 2, we conducted a thematic synthesis of published evidence on RF-EMF biological and ecological effects in plants and insects—the taxonomically dominant groups in green roof ecosystems. We searched Web of Science, PubMed, Google Scholar, and the EMF-Portal, retaining 34 studies that satisfied criteria for publication quality, precision of exposure characterization, and relevance of exposure conditions to those determined in Stage 1. The two stages are linked analytically: the exposure range identified in stage one defines the evidence boundary for the bioeffects synthesis in Stage 2. Our research yielded an entirely new ecological interpretation of the evidence on physiological RF-EMF effects in plants. It suggests that chronic stress signal induced by RF-EMF may cause reduced seed production and a shift in resource allocation towards clonal growth. This can lead to lower seedling recruitment and decreased genetic diversity, which may negatively impact the long-term resilience of a green roof ecosystem. There has been no empirical research or specific legislation addressing the issues discussed.

Keywords

base station antenna | microwaves | electromagnetic radiation | ecological community | vegetation

Exposition:

700 MHz - 3,8 GHz
Mobilfunk-Basisstation

EMF:data Auswertung

Einleitung

Eine neue interdisziplinäre Übersichtsarbeit fasst die vorhandene Literatur zur Ökologie von Gründächern und den Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Pflanzen und Insekten, sowie zu Messungen der Leistungsdichte auf Dachflächen zusammen. Die Verbreitung von Gründächern geht Hand in Hand mit dem weltweiten Ausbau der Mobilfunktechnologien.

Quelle: ElektrosmogReport 3/2026 | 32. Jahrgang Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

In Phase 1 führten die Autoren eine narrative Synthese empirischer HF-EMF-Messungen auf städtischen Dächern durch, die den Frequenzbereich von 0,7 bis 3,8 GHz abdeckte. Diese basierte auf einer umfassenden Literaturrecherche, bei der 20 Artikel beibehalten wurden. In Phase 2 führten die Wissenschaftler eine thematische Synthese der veröffentlichten Erkenntnisse zu den biologischen und ökologischen Auswirkungen von HF-EMF auf Pflanzen und Insekten durch. Nach der Literaturrecherche wurden 34 Studien berücksichtigt.

Ergebnisse

Die Literaturrecherche zeigt, dass die HF-EMF-Werte auf Dächern deutlich höher sind als in Bodennähe; einige Studien geben einen Faktor von bis zu 150 an (d. h. auf dem Dach sind die Werte 150-mal höher als am Boden), andere nennen einen 30- bis 100-fachen Unterschied, während die 2 neuesten Studien einen durchschnittlich 16-fachen Unterschied finden. Diese Werte variieren je nach Höhe des Gebäudes (und der Basisstation) über dem Boden, den städtebaulichen Gegebenheiten sowie hinsichtlich der verwendeten Mobilfunktechnologie (1G bis 5G) und der verwendeten Frequenzbänder. Insgesamt zeigen die zitierten Studien, dass die HF-EMF-Belastung auf Dächern in der Nähe von Telekommunikationsantennen stark variiert und oft Werte von mehreren zehn Milliwatt pro Quadratmeter oder mehr erreicht. Belastungswerte über 10 000 mW/m² treten nur in sehr geringer Entfernung direkt vor Telekommunikationsantennen auf; bei einer Standardantenne mit 900 MHz beträgt diese Entfernung je nach Strahlungsleistung und Antennengewinn 1–4 m. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass thermische Effekte bei Pflanzen und Tieren auf Gründächern wahrscheinlich geringfügig und selten sind. Fliegende Insekten können jedoch in unmittelbare Nähe zu sendenden Antennen gelangen und thermisch relevante Dosen erhalten. Angesichts der begrenzten Anzahl hochwertiger Studien, die sich mit Wirbellosen unter HF-EMF-Exposition befassen, kommen mehrere Übersichtsarbeiten zu dem Schluss, dass es schwierig ist, endgültige Schlussfolgerungen zu diesem Thema zu ziehen. Zwei weitere aktuelle Übersichtsarbeiten erkennen zwar ebenfalls die Mängel einiger Studien sowie die Diskrepanzen zwischen den im Labor verwendeten HF-EMF-Expositionen und den realen Umweltbedingungen an, sprechen jedoch mit größerer Sicherheit davon, dass die HF-EMF-Exposition von Insekten mit nichtthermischen, schädlichen biologischen Auswirkungen verbunden ist. Es ist seit langem bekannt, dass HF-EMF einen echten Umweltreiz für Pflanzen darstellt. Über die quantitativen Zusammenhänge zwischen der Reaktion der Pflanzen und den HF-EMF-Expositionsbedingungen ist jedoch nur sehr wenig bekannt. Die gesammelten Erkenntnisse reichen nicht aus, um die Form des Zusammenhangs zwischen der Stärke der Pflanzenreaktion und der EMF-Leistungsdichte zu definieren.

Schlussfolgerungen

Ökosysteme auf Gründächern in der Nähe von Basisstationsantennen können erhöhten HF-EMF-Werten ausgesetzt sein, die deutlich über denen in Bodennähe liegen. Die Reaktionen von Pflanzen auf die HF-EMF-Belastung sind besonders relevant, da Pflanzen die grundlegende Komponente eines Ökosystems auf einem Gründach darstellen. Diese Reaktionen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen. Die erste Kategorie umfasst Stresseffekte, insbesondere eine erhöhte Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und Veränderungen in der zytosolischen Kalzium (Ca²⁺)-Signalübertragung. Die zweite Kategorie umfasst direkte morphologische Effekte wie einen Rückgang der photosynthetischen Pigmente sowie kürzere Wurzeln oder Stängel. Chronische ROS- und Ca²⁺-Stresssignale führen zu phänotypischen Anpassungen, die in der Literatur zum Thema Pflanzenstress gut dokumentiert sind. Diese Anpassungen gehen mit einem langsameren Wachstum einher und fördern die vegetative Vermehrung auf Kosten der Samenproduktion. Da Bienen einige Pflanzenarten auf Gründächern bestäuben, stellen diese Verhaltenseffekte einen zusätzlichen Weg dar, über den HF-EMF die Funktionsweise von Gründach-Ökosystemen beeinflussen können, unabhängig von direkten Auswirkungen auf die Pflanzen.

Dementsprechend liefern die Autoren überzeugende Argumente und schlagen konkrete Möglichkeiten vor, städtische Gründächer als Modellsysteme für die ökologischen Auswirkungen von HF-EMF aus Basisstationen zu nutzen, was offenbar darauf hindeutet, dass solche Forschungsvorhaben bereits geplant sind oder bereits laufen.

Anmerkungen der Redaktion:

Es ist erfreulich zu sehen, dass Wissenschaftler mit unterschiedlichem Hintergrund – in diesem Fall zwei Botaniker, die über Erfahrung mit den Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf Pflanzen verfügen, und ein Biophysiker, der sich auf die Modellierung der Absorption elektromagnetischer Strahlung (bei Insekten) spezialisiert hat – zusammenarbeiten und sich für einen noch wenig erforschten Forschungsbereich einsetzen. Die Argumente, dass städtische Dächer (ökologisch und in anderer Hinsicht) relevante und gut geeignete Modelle oder Systeme zur Untersuchung der Auswirkungen von EMF sind, sind überzeugend, und hoffentlich werden die Autoren tatsächliche (Semi-)Feldstudien in solchen städtischen Dachumgebungen durchführen. Ein kleiner Nachteil, der erwähnt werden sollte, ist, dass die Strahlungswerte auf städtischen Dächern zwar im Durchschnitt deutlich höher sind als am Boden, eine Reihe aktueller Studien und Übersichtsarbeiten jedoch stärkere Auswirkungen von EMF bei niedrigeren Dosen (z. B. 5 V/m) im Vergleich zu wesentlich höheren Dosen (z. B. 40 V/m) festgestellt haben [1, 2]; daher wäre es ratsam, bei zukünftigen Experimenten einen breiten Bereich von EMF-Leistungsdichten bzw. Feldstärken zu verwenden. (AT)

1. Brzozek C, Mate R, Bhatt CR, Loughran S, Wood AW, Karipidis K (2024). Investigating the impact of anthropogenic radiofrequency electromagnetic fields on animals and plants in the environment: Analysis from a systematic map. International Journal of Environmental Studies, 81(5), 2343-2358. https://doi.org/10.1080/00207233.2024.2375861

2. Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) (2026). Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Pflanzengesundheit und Wachstum: Vorhaben 3622EMF404. Ressortforschungsberichte zum Strahlenschutz-261/26. https://doris.bfs.de/jspui/handle/urn:nbn:de:0221-2026060160272