Autor(en):
Margaritis LH*, Manta AK, Kokkaliaris KD, Schiza D, Alimisis K, Barkas G, Georgiou E, Giannakopoulou O, Kollia I, Kontogianni G et al.
* Department of Cell Biology and Biophysics, Faculty of Biology, University of Athens , Panepistimiopolis, Athens.
Griechenland
Veröffentlicht in:
Electromagn Biol Med 2014; 33 (3): 165–189
Veröffentlicht: 01.09.2014
auf EMF:data seit 01.06.2017
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
Fertilität, Reproduktion  |  Zellschädigung, Zelltod (Apoptose)
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Eireifung bei Drosophila als ein Biomarker für die Reaktion auf elektromagnetische Feldquellen.

Drosophila oogenesis as a bio-marker responding to EMF sources.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Quelle: PubMed
Exposition:

900 MHz
1800 MHz
1880–1900 MHz
2450 MHz
Mobiles Internet/WLAN
Schnurlostelefone/DECT
Mobiltelefone
GSM
Diverse HF-Quellen 27,15 MHz–2,44 GHz (u.a. Babyphone, UKW/FM Radiosender, Mikrowellenherd/Heizgerät)
Ø 22 V/m (Abstand 0 cm); 2 V/m (Abstand 10 cm); 0,4 V/m (Abstand 20 cm)
SAR = 1,2 W/kg (nach Angabe des Herstellers)

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Das Ziel dieser Studie war, einerseits die Reaktion der Eientwicklung in den Eierstöcken (Oogenese in den Ovarien) auf das einwirken von elektromagnetischen Feldern von zwei Drosophila-Stämmen (Tau-, Obst- oder Fruchtfliegen) zu erforschen und zweitens zu bewerten, ob Drosophila als Testsystem (Biomarker) geeignet ist, da die einzelnen Entwicklungsschritte dieser Tiere gut untersucht sind. Zwei Parameter wurden dazu untersucht, die Reproduktionskapazität (Fekundität) und die Apoptose während der Oogenese (die regulär in bestimmten Entwicklungsstufen erfolgen muss). Das zweite Ziel war festzustellen, ob es einen Unterschied in den biologischen Wirkungen zwischen gepulsten und kontinuierlichen Feldern gibt. Diese Studie ist Teil eines großen Forschungsvorhabens zu verschiedenen Testmodellen (Eidechsen, Mäuse, Ratten, freiwillige menschliche Testpersonen) unter verschiedenen Expositionsbedingungen.

Studiendesign und Durchführung

Die beiden Stämme D. melanogaster (kleine Tiere) und D. virilis (größere Tiere) wurden verschiedenen Geräten und Frequenzen (900 MHz, 1800 MHz, 1880–1900 MHz DECT Basisstation und Handset, 2,44 GHz Wi-Fi und Bluetooth, 92,8 MHz FM-Generator, 27,15 MHz Babyphon, 900 MHz CW-Generator (kontinuierliche Felder) und 2,44 GHz Mikrowellenherde), Zeiten, Abständen und Feldstärken (geringste 0,3 V/m von Bluetooth) ausgesetzt. Insgesamt wurden 280 Experimente mit mehr als 240 Wiederholungen durchgeführt, wobei die frisch geschlüpften Tiere 3 – 7 Tage den entsprechenden Feldern ausgesetzt wurden. Die Apoptose wurde mit zwei verschiedenen Testmethoden (Acridinorange und TUNEL) untersucht. Zur Kontrolle dienten scheinbestrahlte und unbehandelte Tiere.

Ergebnisse

Alle verwendeten Feldquellen, selbst die geringsten von Bluetooth, die sehr deutlich unter den ICNIRP-Werten liegen, hatten signifikante Wirkungen auf die Apoptose-Induktion und die Reproduktionskapazität. Bei allen hier verwendeten Strahlungsarten war ein statistisch signifikanter Anstieg von apoptotischem Zelltod induziert worden. Bei fast allen Feldquellen war die Fekundität zwischen 10 % (bei Wi-Fi und Bluetooth ) und 30 % (bei Mobiltelefonen und DECTDECTHandset) vermindert, nur bei dem 900-MHz-CW-Generator war sie bei D. virilis um 12 % erhöht. Bei den beiden Kontrollen betrug die Anzahl der apoptotischen Follikel 2–3 %, bei den bestrahlten fand man das 2–7-Fache. Es scheint, als steigere die Strahlung den physiologischen Rhythmus an den Checkpoints (Schaltstellen der Entwicklungsstufen) während der Oogenese durch Mechanismen, die noch unbekannt und zu erforschen sind. Auch die Zahl der Puppen bei den Nachkommen war bei den verschiedenen Feldquellen signifikant vermindert gegenüber den Kontrollen. Man konnte bemerkenswerterweise keine kumulativen Wirkungen finden, wenn verschiedene Felder einwirkten oder die Einwirkdauer verlängert war.

Schlussfolgerungen

Das Drosophila-Oogenese-System ist gut geeignet als Biomarker zur Erforschung der potenziellen Bioaktivität von elektromagnetischen Feldern. Das System ist vielseitig und einfach in der Anwendung, dazu leicht mit bloßem Auge zu untersuchen. Die Tatsache, dass die geringen Feldstärken von Bluetooth (0,3 V/m) ähnliche Zelltodraten (6,1 %) erzeugten wie 20 V/m der 900-MHz-CW-Felder (6,9 %) oder 13 V/m vom FM-Signal (6,5 %), aber dass das 900-MHz-Mobiltelefon mit 22 V/m eine Zelltodrate von 10–14 % erzeugt, kann durch die unterschiedliche biologische Wirkung von gepulster und kontinuierlicher Strahlung erklärt werden. Das zeigt, dass das System der Drosophila-Oogenese für alle Arten von Strahlung irgendeiner Intensität und Modulation eingesetzt werden kann, wenn mögliche biologische Wirkungen erforscht werden sollen. Auf die Frage, warum mehrere ähnliche Frequenzen, die gleichzeitig einwirken, die gleiche Wirkung haben wie eine einzige FM-modulierte Frequenz, haben die Forscher noch keine Antwort, sie arbeiten aber an dieser Frage.