Autor(en):
Saygin M*, Asci H, Ozmen O, Cankara FN, Dincoglu D, Ilhan I.
* Department of Physiology, Faculty of Medicine, Suleyman Demirel University, Isparta, Turkey.
Türkei
Veröffentlicht in:
Environ Toxicol 2016; 31 (12): 1771-1784
Veröffentlicht: 01.12.2016
auf EMF:data seit 16.08.2019
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
Wirkungen auf Hoden/Spermien, Fertilität
Medizinische/biologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Einfluss von 2,45 GHz Mikrowellen-Strahlung auf die Biomarker der Entzündungs-Signaltransduktion im Hoden junger Ratten: die Rolle von Gallus-Säure.

Impact of 2.45 GHz Microwave Radiation on the Testicular Inflammatory Pathway Biomarkers in Young Rats: The Role of Gallic Acid.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposition:

2450 MHz
Mobiles Internet/WLAN

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

In den letzten Jahren haben eine Vielzahl elektronischer Geräte unseren modernen Lebensstil erleichtert. Die elektromagnetische Strahlung (EMS), welche durch verschiedene Quellen wie drahtlose Netzwerke, Mobiltelefone oder Mikrowellen verursacht wird, beeinflusst biologische Systeme. EMS dringt in alle Gewebe des menschlichen Körpers ein. Hoden sind gegenüber Belastungen, wie z.B. Hitze, Entzündungen oder Strahlung, welche zu einem Absterben der Keimzellen führen können, sehr empfindlich. Das Ziel der hier vorgestellten Studie war, die Wirkung von 2,45 GHz-Feldern (Frequenzbereich, in dem WLAN-Router operieren) auf pathologische und strukturelle Veränderungen im Hoden von Ratten zu untersuchen. Zusätzlich wurde analysiert, ob Gallussäure die Wirkung von 2,45 GHz Strahlung reduzieren kann. Gallussäure (GS) ist ein natürlich vorkommendes Pflanzenphenol, welches besonders häufig in verarbeiteten Getränken wie Rotwein, grünem Tee, Kaffee und Granatapfelsaft vorkommt. GS verfügt über ein breites Spektrum an biologischen Aktivitäten, einschließlich antioxidativer und entzündungshemmender Eigenschaften.

Quelle: ElektrosmogReport September 2019 | 25. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Die Studie wurde an jungen männlichen Sprague-Dawley Ratten durchgeführt. Es wurden insgesamt 48 Tiere in vier Gruppen eingeteilt (12 Tiere pro Gruppe): scheinbestrahlt; EMS; EMS+GS; GS. Die Versuchstiere wurden über 30 Tage drei Stunden pro Tag mit 2,45 GHz hochfrequenten Feldern bestrahlt. Der Ganzkörper-SAR-Wert betrug 3,21 W/kg. Nach der 30-tägigen Bestrahlungsperiode wurden den Tieren Gewebeproben der Hoden zur Analyse entnommen. Neben der Histologie wurden der Redoxstatus des Gewebes (MDA, TAS, TOS, OSI) und verschiedene Marker für entzündliche Prozesse (PGE2, CGPR, IL-6) untersucht. Malondialdehyd (MDA) entsteht bei Oxidation mehrfach ungesättigter Fettsäuren und dient als Marker für oxidativen Stress. Der totale oxidative Status (TOS) gibt die oxidative Kapazität einer Probe an. Er wird in der Einheit H2O2-Äquivalent pro Liter angegeben. Umgekehrt dazu gibt der totale antioxidative Status (TAS) die antioxidative Kapazität einer Probe an. Hier beträgt die Einheit Trolox-Äquivalent pro Liter. Der oxidative Stressindex (OSI) stellt den Quotienten von TOS/TAS dar.

Ergebnisse

Das Gewicht der Versuchstiere wurde durch die Strahlenbelastung nicht verändert. Zunächst wurden die Parameter für oxidativen Stress untersucht. Sowohl MDA- als auch TOS-level waren in der EMS-Gruppe im Vergleich zur Kontrolle statistisch signifikant erhöht. Die Zugabe von GS verminderte die TOS-steigernde Wirkung von EMS. Ein äquivalentes Bild zeigt die Analyse des TAS: die EMS-Gruppe besaß einen niedrigeren TAS-Wert als die scheinbestrahlte Gruppe. Die Behandlung mit GS in der EMS+GS-Gruppe konnte dieses Absenken zumindest teilweise kompensieren und den TAS-Wert signifikant anheben. Der OSI-Wert war im Vergleich zur scheinbestrahlten Gruppe bei der EMS-Gruppe erhöht und bei der EMS+GA-Gruppe vermindert. Die Histologie der Hoden war sowohl in der scheinbestrahlten als auch in der GA-Gruppe normal. In der EMS-Gruppe gab es leichte bis milde histopathologische Erscheinungen wie z.B. Gefäßstauungen, Ödeme und Absterben von Spermien. Drei Individuen der EMS-Gruppe wiesen eine signifikante Reduktion der Spermienbildung in den Hodenkanälchen auf. Auch die Spermatidendichte war in der EMS-Gruppe im Vergleich zu allen anderen Gruppen vermindert. Die Zugabe von GS in der EMS+GS-Gruppe konnte die histopathologischen Erscheinungen durch die Bestrahlung signifikant verbessern.

Die Analyse der Entzündungsmarker ergab bei der EMS-Gruppe eine statistisch signifikant erhöhte Konzentration von CGRP und PGE2 in Teilen des Hodengewebes. Bei IL-6 hingegen existierten keine Unterschiede zwischen den vier Gruppen.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass elektromagnetische Strahlung Degeneration von Hodenzellen und Spermienbildung verursachen kann. Oxidative Schäden und entzündliche Prozesse spielen hierbei eine Schlüsselrolle. Dieser Mechanismus könnte ein Grund für Unfruchtbarkeit sein. Gallussäure könnte eine schützende Wirkung auf die Hoden gegenüber 2,45 GHz-Strahlung besitzen. (RH)