Autor(en):
Panagopoulos DJ*.
* National Center for Scientific Research "Demokritos", Athens, Greece.
Griechenland
Veröffentlicht in:
Mutation Research
Veröffentlicht: Juli 2019
auf EMF:data seit 22.08.2019
Weitere Veröffentlichungen:
Schlagwörter zu dieser Studie:
DNA-Schädigung
Reviews/Übersichtsarbeiten
zur EMF:data Auswertung

Vergleich von DNA-Schäden, induziert durch Mobilfunk und andere Arten von künstlichen elektromagnetischen Feldern.

Comparing DNA damage induced by mobile telephony and other types of man-made electromagnetic fields.

Original AbstractÜbersetzung n.n. vorhanden!

Exposition:

EMF allgemein
NF (50/60 Hz)
900 MHz
1800 MHz
Mobiltelefone
GSM

EMF:data Auswertung

Zusammenfassung

Die Anzahl an Studien, welche negative Auswirkungen auf lebende Organismen durch vom Menschen verursachte elektromagnetische Felder (EMF) demonstrieren, ist enorm angestiegen. Hunderte von kreuzgeprüften („Peer-reviewed“) Studien zeigen eine Vielzahl an Auswirkungen, wobei DNA-Schädigungen hervorzuheben sind. Diese stehen mit Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen, Unfruchtbarkeit und vielen anderen negativen Wirkungen in Zusammenhang. Innerhalb dieser kreuzgeprüften Studien zeigen insbesondere jene die negativen Folgen von EMF, welche handelsübliche Mobiltelefone anstatt simulierter EMF als Strahlungsquelle nutzen. Der Autor der hier vorgestellten Studie analysierte eine Vielzahl von in der Literatur vorhandenen Publikationen. Dabei fand er heraus, dass von 71 Studien, die eine reale Exposition verwendet haben, 68 signifikante Wirkungen von EMF nachwiesen. 68 aus 71 entsprechen 95,8 %. Zu diesen Wirkungen zählen unter anderem Abnahme der Fortpflanzungsfähigkeit, DNA-Schäden und Zelltod, Gedächtnisstörungen und Beeinträchtigung der allgemeinen kognitiven Fähigkeiten und Herzfrequenzänderungen. Arbeiten, welche simulierte EMF als Strahlungsquelle nutzen, konnten lediglich zu 50 % negative Wirkungen von EMF nachweisen. Die Ziele der präsentierten Arbeit waren 1) Analyse anderer, thematisch verwandter Studien sowie 2) ein direkter Vergleich von DNA-Schädigungen durch sechs unterschiedliche vom Menschen verursachte EMF. Der experimentelle Teil wurde an Drosophila melanogaster (Fruchtfliege) durchgeführt.

Quelle: ElektrosmogReport September 2019 | 25. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Die Arbeitsgruppe des Autors untersuchte sechs verschiedene vom Menschen verursachte EMF: 900 MHz GSM (2G), 1800 MHz GSM (2G), 50 Hz alternierende Magnetfelder mit einer Flussdichte von 0,1 mT, 1,1 mT und 2,1 mT sowie ein gepulstes elektrisches Feld (PEF; 8 kHz; 44,4 Hz Pulswiederholrate, 400 kV/m). Dieses PEF ähnelt in etwa den atmosphärischen EMF, welche durch Blitzeinschlag bei Gewittern entstehen. Jeweils 10 männliche und weibliche Fruchtfliegen befanden sich in einer Versuchsgruppe. Die netto Bestrahlungsdauer und Feld- bzw. Strahlungsintensitäten waren dabei wie folgt: Belastung mit 900 oder 1800 MHz GSM für 6 Minuten alle 24 Stunden (insgesamt 36 min) mit einem Mobiltelefon im „Sprach“-Modus und in Kontakt mit den Glasgefäßen, in welchen sich die Tiere befanden. Die hochfrequente Strahlungsintensität betrug hierbei 0,378±0,059 mW/cm². Die Strahlungsintensitäten der extrem niederfrequenten Elektromagnetischen Felder (ENF) betrugen für E-Feld 19±2,5 V/m und B-Feld 0,9±0,15 mG für GSM 900 und ca. 30% niedrigere entsprechende Werte für GSM 1800. (Anm. der Redaktion: ENF sind bei der Telekommunikation in Form von Pulsen und Modulation vorhanden, obwohl die eigentliche Information mit Hochfrequenz übermittelt wird.) Der höchste SAR-Wert des verwendeten Mobilteils wurde vom Hersteller mit 0,89 W/kg für den menschlichen Kopf angegeben. Die Bestrahlung mit den 50 Hz alternierenden Magnetfeldern erfolgte kontinuierlich über 5 Tage (120 Stunden). Das PEF wurde für 30 Minuten alle zwei Stunden über 5 Tage aktiviert (30 Stunden insgesamt). Als Kontrolle gab es für jede bestrahlte Versuchsgruppe eine scheinbestrahlte Gruppe. Nach der Bestrahlung wurden die DNA-Schädigungen, verursacht von den verschiedenen EMF, in den Eierstöcken der Tiere untersucht.

Ergebnisse

Die von Mobiltelefonen ausgesendeten EMF waren signifikant gesundheitsschädlicher als die anderen EMF. GSM 900 oder GSM 1800 mit einer Gesamtexpositionsdauer von 36 Minuten verursachte DNA-Brüche in bis zu 50,16% der Eikammern in den Eierstöcken der bestrahlten Weibchen. Die 50 Hz Magnetfelder verursachten diese DNA-Schädigungen bei lediglich 7,52% mit einer Gesamtbestrahlungsdauer von 120 Stunden. Das PEF beschädigte bei einer Gesamtdauer von 30 Stunden 2,74 %. Das entspricht einem Anstieg der DNA-Schäden im Vergleich zu den scheinbestrahlten Gruppen von 669,6 % für GSM EMF, 114,8 % für 50 Hz MF und 47,7 % für PEF. Diese Zahlen legen dar, dass die EMF von realen Mobiltelefonen wesentlich bioaktiver sind als die anderer EMF. Sie sind insbesondere wesentlich bioaktiver als 50 Hz alternierende MF, welchen, bereits lange vor der Diskussion über drahtlose Kommunikation, unterstellt wurde, sie seien krebserregend. Obwohl ein direkter Vergleich unmöglich ist, waren Mobiltelefon-EMF signifikant bioaktiver als zuvor getestete Stressfaktoren wie Etoposid, Staurosporin, Dehydrierung oder Mangelernährung.

Schlussfolgerungen

Die Publikation legt nah, dass bei der Strahlung von realen Mobiltelefonen sowohl die hochfrequenten als auch die niederfrequenten Felder eine Rolle für die Bioaktivität spielen. Die sich ständig ändernde Strahlungsintensität ist ein extrem wichtiger Faktor bei der Wirkung der polarisierten elektromagnetischen Felder auf biologische Systeme bzw. die Gesundheit. Alle drahtlosen Kommunikationsgeräte (Mobiltelefone, WLAN, schnurlose Telefone) benutzen zur Signalübertragung hochfrequente und zur Modulation niederfrequente Felder (bis 3000 Hz). Zudem treten beim Arbeiten des Gerätes ständig Veränderungen der Strahlungsintensität auf, weil diese von Änderungen des Standorts, der Anzahl anderer Teilnehmer am Netzwerk, Änderungen in der Leitfähigkeit der Atmosphäre usw. abhängen. Dadurch kann die durchschnittliche Intensität zu 20 – 30 % überschritten werden. Je neuer die Generationen der Mobiltelefone, umso mehr Informationen werden übertragen, es steigt die Variabilität und Komplexität der Signale mit jeder neuen Generation (3G, 4G und 5G).

Der Autor schlussfolgert, dass die hohe Variabilität und Komplexität des Signals es lebenden Organismen unmöglich macht, sich daran anzupassen. Experimentelle Daten und theoretische Berechnungen ergaben, dass die wichtigsten physikalischen Parameter im Wechselspiel zwischen elektromagnetischen Feldern und Bioaktivität sind 1) Polarisation, 2) die niederfrequenten Komponenten, 3) Feld-/Strahlungsintensität, 4) Belastungsdauer und 5) Feldvariabilität.

Die Bedeutung der in der vorliegenden Studie dargestellten Belastungsvariabilität verlangt, dass die Belastung mit elektromagnetischen Feldern nicht nur durch Frequenzen und durchschnittliche Intensitätswerte zu definieren sind, sondern auch maximale und minimale Intensität, Frequenzvariationen, gepulste oder kontinuierliche Wellen, Modulation und Polarisierung zu beachten sind. Aus diesem Grund fordert der Autor, dass in Experimenten reale, und nicht simulierte Felder genutzt werden sollten. Außerdem vertritt er die Meinung, dass die Belastung von Mensch und Tier durch Mobilfunkstrahlung drastisch reduziert werden muss durch kluge Nutzung und durch strengere Grenzwerte.

Anm. der Redaktion: Die dargestellte Arbeit könnte einen Hinweis bieten, warum die Faktenlage in der Wissenschaft zum Thema Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern auf die Gesundheit zurzeit so kontrovers ist. Die Festlegung von einheitlichen Anforderungen an die Quellen von elektromagnetischen Feldern in wissenschaftlichen Studien ist von großer Bedeutung. Wenn Variabilität sowie Modulation eine derart wichtige Rolle spielen, wie diese Publikation nahelegt, müssen diese Faktoren in allen wissenschaftlichen Arbeiten berücksichtigt werden. (RH)