Hinweise darauf, dass nicht-ionisierende Strahlung epigenetische Veränderungen, genomische Instabilität und oxidativen Stress im Gewebe von Fortpflanzungsorganen hervorrufen kann, verdichten sich. In der vorliegenden Studie wurden die Auswirkungen von WLAN-Befeldung während der Schwangerschaft auf die Plazenta in Mäusen (n = 3) in vivo untersucht.
Als Strahlungsquelle diente ein D-Link WLAN-Router (2,4 GHz). Die Tiere wurden 2 oder 4 h pro Tag befeldet, wobei der Abstand zur Strahlungsquelle 30 oder 60 cm betrug. Die Befeldungsperiode dauerte von Tag 5 nach Verpaarung bis einen Tag vor der erwarteten Geburt. Die Autoren geben den SAR-Wert im Kopf der Versuchstiere bei einem Abstand von 30 cm mit 0,09 W/kg an. Die Kontrollen wurde nicht-bestrahlt.
Es wurden Lipidperoxidation (MDA), Aktivität des antioxidativen Enzyms SOD, Expression der DNA-Reparaturproteine CDKNA1 und GADD45a, Expression des pro-apoptotischen Bax und des anti-apoptotischen Bcl-2 sowie Expression von SOD in der Plazenta untersucht. Die Expressionsanalysen fanden auf mRNA-Ebene statt. Außerdem wurde Apoptose mittels TUNEL-Assay überprüft.
Sowohl die Lipidperoxidation als auch SOD-Aktivität war bei beiden Gruppen, die 4 h pro Tag bestrahlt wurden, im Vergleich zur Kontrolle signifikant erhöht. Die SOD-Expression hingegen war bei beiden Gruppen, die im Abstand von 30 cm befeldet wurden, signifikant gesteigert. Die Expressionsanalyse der beiden Gene CDKNA1 und GADD45a ergab eine Hochregulation, welche mit abnehmendem Abstand und zunehmender Befeldungsdauer stärker wurde. Das pro-apoptotische Bax war bei beiden 4 h pro Tag Gruppen signifikant gesteigert, das anti-apoptotische Bcl-2 lediglich bei der Gruppe, welche 4 h/Tag mit einem Abstand von 30 cm bestrahlt wurde, verringert. Ein ähnliches Bild zeigte der TUNEL-Assay, bei dem lediglich bei 4 h und 30 cm eine signifikante Steigerung positiver Nuklei beobachtet wurde.
Die Ergebnisse der Studie weisen auf eine biologische Wirkung der WLAN-Strahlung in Form von oxidativem Stress, Apoptose und Expressionsveränderungen hin. Die untersuchten Gene CDKN1A und GADD45a sind im Wesentlichen Signaltransduktoren, die physiologische und umweltbedingte Belastungen in zelluläre Stressreaktionen umwandeln. Die jeweiligen Proteine spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung von DNA-Reparatur, Zellwachstum und Apoptose als Reaktion auf Stressbedingungen. Die vorliegende Studie besitzt allerdings auch einige Limitationen. Zunächst fällt die geringe Anzahl an Versuchstieren negativ auf. Es werden jedoch trotzdem statistisch signifikante Daten erzeugt. Die Dosimetrie wurde nicht näher spezifiziert, die Angabe des SAR-Wertes im Kopf scheint in Anbetracht dessen, dass die Plazenta untersucht wurde, nicht sinnvoll gewählt. Es wurde jedoch ein kommerzieller WLAN-Router als Strahlungsquelle und damit ein realistisches Befeldungsszenario gewählt. (RH)