Autor(en):
Sterling L*, Carroll K, Harris LR.
* The Department of Physics, The University of the West Indies, Mona Campus, KGN7 Kingston.
Jamaica
Veröffentlicht in:
Rev Int Androl 2024; 22 (4): 25-32
Veröffentlicht: 30.12.2024
auf EMF:data seit 23.08.2025
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

This research received no external funding.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Spermien-Parameter  |  Wirkungen auf Hoden/Spermien, Fertilität
Epidemiologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Die Nutzung von Laptops und Tablets und ihr Einfluss auf die Gesamtzahl der beweglichen Spermien: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Laptops und Unfruchtbarkeit bei jamaikanischen Männern?

Laptop and tablet use and their influence on total motile sperm count parameters: are laptops linked to infertility in Jamaican men?

Original Abstract

Background: This study aims to determine the impact of laptop and tablet use on total motile sperm count (TMSC) in men being investigated for assisted reproduction. Methods: A cross-sectional study was conducted on 156 men attending a fertility clinic in Jamaica. Routine semen analyses were performed and parameters specific to TMSC assessed. All data analyses were performed using SPSS Version 26. Logistic regression analyses were performed to independently predict the impact of quantifiable measures of laptop and tablet use. The main outcome measures were the parameters associated with TMSC. Results: Overall, 64% of the participants reported using laptops and 36% reported using tablets. There was a significant relationship seen with time spent on laptops and time trying to conceive (p = 0.015). Regression analyses showed that persons who used their laptops for 2 to 5 h daily were approximately 16 times (adjusted Odds Ratio (aOR) = 15.9; 95% Confidence Interval (CI), 2.5–103.3, p = 0.004) more likely to be diagnosed with low semen volume (hypospermia). Although no significant association was found between total motile sperm count (TMSC) and laptop use, a trend towards significance was observed with high laptop use (p = 0.052), suggesting potential implications for TMSC as a predictor of pregnancy outcomes. Conclusions: Our findings highlight the need for clinicians to take into consideration wireless device usage in men undergoing fertility investigations.

Keywords

Assisted reproduction | Infertility | Electromagnetic radiation | Wireless device | Laptop use | Tablet use | Semen volume | Total motile sperm count

Exposition:

Laptop, Tablet (Drahtlose Geräte)
HF/Mikrowellen (1 - 300 GHz)
2450 MHz
Mobiles Internet/WLAN

EMF:data Auswertung

Einleitung

Unfruchtbarkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass es nach einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehrs zu keiner Empfängnis kommt. Schätzungen zufolge sind weltweit 20 % der Paare im fortpflanzungsfähigen Alter von Unfruchtbarkeit betroffen, wobei die Hälfte dieser Fälle auf Unfruchtbarkeit des Mannes zurückzuführen ist. Wi-Fi ist mittlerweile allgegenwärtig und wird in einer Vielzahl von Geräten verwendet. Die von diesen Geräten ausgestrahlten Signale werden vom menschlichen Körper absorbiert und haben vermutlich schädliche Auswirkungen auf das männliche Fortpflanzungssystem. Laptops und Tablets werden, im Vergleich zu anderen häufig verwendeten drahtlosen Geräten, in größerer Nähe zum männlichen Fortpflanzungssystem verwendet. Die Autoren wollten den Zusammenhang zwischen der Gesamtzahl der beweglichen Spermien (TMSC), die ein besserer Prädiktor für die männliche Fruchtbarkeit ist, und der Nutzung von Laptops und Tablets bei jamaikanischen Männern untersuchen, die sich wegen Unfruchtbarkeit untersuchen lassen haben.

Quelle: ElektrosmogReport September 2025 | 31. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

156 Teilnehmer gaben ihre schriftliche Einwilligung und wurden in die Studie aufgenommen. Männer mit einer selbst angegebenen Krankengeschichte von Erkrankungen, die bekanntermaßen die Spermienqualität beeinträchtigen, wie frühere Diagnosen von Mumps, Hodenhochstand, Varikozele/Varikozele-Reparaturen und bestimmte diagnostizierte sexuell übertragbare Krankheiten, wurden von der Studie ausgeschlossen. Die Daten wurden im Zeitraum von Februar 2020 bis Juli 2021 erhoben. Der 25 Punkte umfassende Fragebogen zur Nutzung drahtloser Geräte, der von den leitenden Prüfärzten (Embryologe und Ingenieur für drahtlose Kommunikation) erstellt wurde, sollte die Häufigkeit der Nutzung von Laptops und Tablets erfassen. Die Spermaanalysen wurden gemäß den von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Richtlinien durchgeführt. Die Spermaanalysen wurden ohne vorherige Kenntnis der Verwendung drahtloser Geräte durchgeführt. Die primäre unabhängige Variable von Interesse war ein messbarer Indikator für die Häufigkeit der Laptop- und Tablet-Nutzung. Sowohl die Laptop- als auch die Tablet-Nutzung wurde in drei Kategorien eingeteilt: geringe Nutzung <2 h/Tag, mittlere Nutzung 2-5 h/Tag und hohe Nutzung >5 h/Tag. Weitere unabhängige Variablen, die in die statistischen Analysen einbezogen wurden, waren das Alter, die Dauer der Versuche, schwanger zu werden, frühere Schwangerschaften und der Freizeitdrogenkonsum. Es wurden unbereinigte und bereinigte Analysen des TMSC und der damit verbundenen Einzelparameter (Spermavolumen, Spermienzahl und Spermienbeweglichkeit) für die Indizes der Laptop- und Tablettennutzung sowie für die zuvor ausgewählten Störfaktoren durchgeführt. Alle Analysen wurden mit SPSS durchgeführt.

Ergebnisse

Von den 156 Teilnehmern, die ihr Einverständnis gaben, waren 68 % jünger als 40 Jahre, wobei das Alter zwischen 22 und 60 Jahren lag (Mittelwert (M) = 37,21, Standardabweichung (SD) = 7,27). Die meisten Probanden waren normalgewichtig, konsumierten Alkohol, und nur wenige gaben an, in ihrer Freizeit Drogen zu konsumieren. Die Verteilung der Laptop- und Tablet-Benutzer betrug 64 % (n = 100) bzw. 36 % (n = 57). Die Mehrheit der Teilnehmer gab an, ihre Laptops und Tablets an einem Schreibtisch zu benutzen (73 % bzw. 78 %). Die Teilnehmer, die eine hohe Laptop-Nutzung angaben, versuchten mit größerer Wahrscheinlichkeit seit einem oder mehreren Jahren, schwanger zu werden, und waren eher jüngeren Alters (<40 Jahre).

Der einzige statistisch signifikante Unterschied bestand zwischen Teilnehmern mit normalem und abnormalem Spermavolumen und denjenigen, die eine Laptop-Nutzung von 2 Stunden oder mehr pro Tag angaben, was einer mittleren und hohen Nutzung entsprach. Der einzige Spermaparameter, der mit der Gerätenutzung in Verbindung stand, war das Volumen. Die Ergebnisse der nicht bereinigten logistischen Regressionsanalysen zeigten, dass bei mittlerer Laptop-Nutzung die Wahrscheinlichkeit, ein niedriges Spermavolumen zu haben, im Vergleich zu Nicht-Nutzern etwa 16-mal höher war (p = 0,004). Auch zwischen hoher Laptop-Nutzung und dem TMSC-Wert wurde ein signifikanter Zusammenhang festgestellt (p = 0,052). Die Beobachtung, dass die Laptop-Nutzung mit einem geringen Spermavolumen, einem Parameter der TMSC, zusammenhängt, ist von großer klinischer Bedeutung.

Schlussfolgerungen

Die Studie ergab, dass bei Männern, die eine Fruchtbarkeitsuntersuchung durchführen lassen wollten, die Häufigkeit der Laptop-Nutzung das Spermavolumen verringerte, und bei Nutzern, die 2 bis 5 Stunden pro Tag am Laptop verbrachten, war die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen ein niedriges Spermavolumen diagnostiziert wurde, etwa 16 Mal höher. Obwohl sowohl Laptops als auch Tablets hochfrequente elektromagnetische Strahlung (HF-EMF) übertragen, können die Unterschiede in der relativen Größe und der Nähe der WLAN-Antennen beider Geräte zu Organen und Geweben zu Unterschieden in der Verteilung und Absorption von HF-EMF führen. Die Position von Tablets, die im Vergleich zu Laptops in der Regel weiter vom Schoß und den Fortpflanzungsorganen entfernt gehalten werden, kann zu einer geringeren HF-EMF-Exposition der Hoden führen. Dieser Unterschied in der Positionierung könnte zu der beobachteten geringeren Signifikanz der Auswirkungen der Tablet-Nutzung auf TMSC beitragen.

Zukünftige Studien sind erforderlich, um zu erforschen, was „sichere“ Entfernungen für den Betrieb von drahtlosen Geräten sind, und um zwischen HF-EMF-spezifischen thermischen Effekten und nicht-thermischen Effekten auf Spermienparameter zu unterscheiden. Da jedoch die Mehrheit angab, ihren Laptop auf dem Schreibtisch und nicht auf dem Schoß zu benutzen, ist die Wahrscheinlichkeit einer nicht-thermischen HF-EMF-Exposition (deutlich) größer als die thermischer Effekte. Das Ergebnis, dass eine erhöhte Laptop-Nutzung mit einer Verringerung des Spermavolumens korreliert, ist besorgniserregend.

Sekrete aus den Samenblasen und der Prostata machen etwa 90 % des Spermavolumens aus. In Tierstudien wurden signifikante pathologische Veränderungen an den Samenblasen nach Exposition mit Wi-Fi-Strahlung festgestellt. Obwohl der Zusammenhang zwischen erhöhtem Laptop-Konsum und TMSC nur annähernd signifikant war, hätte die Signifikanz möglicherweise mit einem größeren Stichprobenumfang erreicht werden können. Es gibt mehrere Berichte, die zeigen, dass afrikanisch-karibische Männer, insbesondere jamaikanische Männer, anders auf bestimmte äußere Faktoren reagieren, was zu einer ungewöhnlich hohen Inzidenz von Prostatakrebs im Vergleich zur weltweit gemeldeten Inzidenz führt. Insgesamt unterstützen diese Ergebnisse die Notwendigkeit weiterer kulturell relevanter zukünftiger Studien. Besonders besorgniserregend ist auch die Feststellung, dass es einen Zusammenhang zwischen der vermehrten Nutzung von Laptops und einer verlängerten Zeit des Empfängnisversuchs gibt.

Die Autoren schlagen vor, die Untersuchung der Nutzung drahtloser Geräte als Standardverfahren in die Untersuchung von Männern auf Unfruchtbarkeit aufzunehmen. Insbesondere Männern in den Gruppen mit mittlerer und hoher Nutzung sollte geraten werden, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um das Risiko einer übermäßigen EMF-Exposition durch diese Geräte zu minimieren. Einige Einschränkungen des Studiendesigns müssen erwähnt werden: Die Ergebnisse sind möglicherweise nicht allgemein auf die gesamte männliche Bevölkerung übertragbar, da sich die Untersuchung ausschließlich auf jamaikanische Männer konzentrierte, die sich einer Unfruchtbarkeitsuntersuchung unterzogen. Eine weitere erwähnenswerte Einschränkung ist, dass die HF-EMF-Emissionen während der Analyse nicht gemessen wurden. (AT)