Autor(en):
Hardell L, Carlberg M.
* The Environment and Cancer Research Foundation, Örebro.
Schweden
Veröffentlicht in:
Fortune J Health Sci, 8 (2025): 267-273.
Veröffentlicht: 03.04.2025
auf EMF:data seit 23.08.2025
Weitere Veröffentlichungen: Studie gefördert durch:

No funding was received.

Schlagwörter zu dieser Studie:
Prostata  |  Sonst. Krebsarten
Epidemiologische Studien
zur EMF:data Auswertung

Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen und der Zusammenhang mit Prostatakrebs.

Use of Mobile and Cordless Phones and The Association with Prostate Cancer.

Original Abstract

Exposure to radiofrequency (RF) radiation in the frequency range 30 kHz–300 GHz was in 2011 evaluated by the International Agency for Research on Cancer (IARC) at the World Health Organization (WHO) to be a ‘possible’ human carcinogen, Group 2B. This was based on epidemiological results on increased risk for glioma and acoustic neuroma. Results on other cancer types are sparse. An increased incidence in male rats of proliferative lesions in the prostate gland induced by RF radiation was found in the US NTP study. Thus, it was pertinent to study an association with prostate cancer in human studies. We analyzed data in two of our previous studies, one on brain tumors (only deceased subjects; those who died from prostate cancer were defined as cases) and another on prostate cancer (living subjects) that included similar questions on use of mobile phones or cordless phones. The pooled analysis gave for mobile phone use OR = 1.8, 95 % CI = 1.01-3.1, increasing in the >10 year latency group to OR = 2.8, 95 % CI = 1.5-5.3. Also, use of the cordless phone gave increased risk, although not statistically significant. Dose-response analysis gave highest risk for >2,000 h use of the mobile phone with OR = 2.4, 95 % CI = 1.2-5.1. The cordless phone yielded highest risk in the group 1001-2000 h with OR = 2.3, 95 % CI = 1.01-5.4. Lower OR was seen for use > 2,000 h but based on low numbers. Higher risk was seen in cases with more aggressive cancer based on Gleason score, PSA, and high risk profile, and among subjects with heredity for prostate cancer.

Keywords

Mobile phone | cordless phone | prostate cancer | risk factors

Exposition:

Schnurlostelefone/DECT
Mobiltelefone

EMF:data Auswertung

Einleitung

In diesem Artikel stellen Hardell und Carlberg Hinweise für den Zusammenhang zwischen Hochfrequenz (HF)-Strahlungsexposition und dem Risiko für Prostatakrebs vor, die auf zwei früheren Fall-Kontroll-Studien basieren. Die erste Fall-Kontroll-Studie untersuchte die Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen und das Risiko für bösartige Hirntumore bei verstorbenen Patienten, wobei verstorbene Personen als Kontrollgruppe dienten. Die zweite Studie untersuchte Perfluoralkylsubstanzen (PFAS), Umweltkontaminanten und den Zusammenhang mit Prostatakrebs. Der Einschlusszeitraum war 2007–2011. Es wurde ein erhöhtes Risiko für bestimmte PFAS in der Fallgruppe mit Vererbung als Risikofaktor für Prostatakrebs festgestellt. Auch die Nutzung von Mobiltelefonen wurde untersucht. Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Erkrankung in Schweden mit 12.066 neuen Fällen im Jahr 2022, die 30,9 % aller Krebserkrankungen bei Männern ausmachen. Die Risikofaktoren sind zahlreich und heterogen. Dazu gehören genetische, entzündliche und infektiöse, hormonbedingte, ernährungsbedingte, altersbedingte und ethnische Faktoren, die zur Anfälligkeit für Prostatakrebs beitragen.

Quelle: ElektrosmogReport September 2025 | 31. Jahrgang, Nr. 3

Studiendesign und Durchführung

Die erste Studie in diesem Artikel umfasste Patienten mit histopathologisch bestätigten Hirntumoren, die zwischen 1997 und 2003 diagnostiziert wurden. Sie waren alle verstorben. Die Kontrollgruppe wurde aus dem schwedischen Sterberegister gezogen. Die vorliegende Studie basierte auf Patienten in der Kontrollgruppe, die an Prostatakrebs gestorben waren, und auf Personen, die an anderen Krankheiten als Krebs gestorben waren (in dieser Studie als Kontrollen definiert). Dieser Teil umfasste die Nutzung von analogen 1G und digitalen 2G-Mobiltelefonen sowie von DECT. Die Kontrollgruppe bestand aus 619 verstorbenen Personen. In dieser Kontrollgruppe waren 51 Personen mit Prostatakrebs verstorben.

Die zweite Studie befasste sich mit Patienten mit Prostatakrebs, die zwischen 2007 und 2011 in die Abteilung für Onkologie des Universitätskrankenhauses Örebro in Schweden eingeliefert und für eine Studie über persistente organische Schadstoffe rekrutiert wurden. Sie wurden gebeten, eine Blutprobe für eine chemische Analyse abzugeben. Das Blut wurde vor einer Behandlung mit Zytostatika oder einer Strahlentherapie abgenommen.

In die neue Analyse, die auf beiden epidemiologischen Studien aufbaut, wurden 51 Probanden aus Studie I und 202 Probanden aus Studie II mit Prostatakrebs einbezogen; insgesamt 253. Die Kontrollpersonen umfassten 150 Personen aus der Studie I und 186 Personen aus der Studie II; insgesamt 336 Kontrollpersonen.

Die Exposition wurde anhand eines Fragebogens ermittelt, der per Post an jede Person oder an ihre nächsten Angehörigen geschickt wurde. In beiden Studien wurde ein ähnlicher Fragebogen verwendet. Hinsichtlich der Nutzung eines Mobiltelefons oder schnurlosen Telefons wurde nach der durchschnittlichen Nutzungsdauer (Minuten pro Tag) sowie nach der Dauer der Nutzung des schnurlosen Telefons gefragt. Die Technologie hat sich seit der ersten Einführung von Mobiltelefonen verändert, und der Fragebogen wurde so gestaltet, dass Informationen zu allen Geräten, angefangen bei analogen Mobiltelefonen (1G), digitalen Mobiltelefonen (2G und 3G) sowie DECT- und anderen schnurlosen Telefonen, erfasst wurden.

StataSE 12.1 wurde zur Berechnung von Odds Ratios (OR) und 95% Konfidenzintervallen (CI) verwendet. Probanden, die angaben, keine mobilen oder schnurlosen Telefone zu benutzen, bildeten die Kontrollgruppe. Die Latenzzeit wurde definiert als das Jahr der ersten Nutzung eines Mobiltelefons bis zum Jahr der Diagnose. Die kumulative Anzahl der Nutzungsstunden wurde berechnet. Die Latenzzeit wurde anhand der Zeiträume >1–5 Jahre, >5–10 Jahre und >10 Jahre analysiert. Die kumulative Nutzung der verschiedenen Telefontypen wurde für 1–1.000, 1.001–2.000 und >2.000 Nutzungsstunden analysiert.

Ergebnisse

In der gepoolten Analyse beider Studien ergab die Nutzung von Mobiltelefonen eine OR = 1,8 [1,01–3,1]. Das Risiko war am höchsten bei der Gruppe mit der längsten Latenzzeit, d. h. > 10 Jahre, und ergab OR = 2,8 [1,5–5,3]. Ähnliche Ergebnisse wurden sowohl für analoge und digitale Telefone als auch für schnurlose Telefone insgesamt gefunden. Auch die Verwendung von DECT-Telefonen erhöhte das Risiko, wenn auch nicht statistisch signifikant.

Ein statistisch signifikantes Risiko wurde in der Gruppe mit einer Exposition von mehr als 2000 Stunden für die gesamte Mobiltelefonnutzung mit OR = 2,4 [1,2–5,1] festgestellt. Für die gesamte Nutzung von Schnurlostelefonen wurde das höchste Risiko in der Gruppe > 2.000 h mit OR = 2,2 [1,1–4,3] festgestellt.

Die Einstufung des Prostatakrebses ergab kein erhöhtes Risiko für die Gleason-Grade 2–6 (der Gleason-Score dient als Prognose-Wert beim Prostatakrebs aufgrund histologischer Befunde). Für die Gleason-Grade 7–10 wurden erhöhte ORs für alle Arten von schnurlosen Telefonen mit OR = 2,0 [0,7–6,0] gefunden. Eine getrennte Analyse von Mobiltelefonen und DECT ergab ähnliche Ergebnisse. Auch für PSA wurde die höchste OR in der Gruppe mit dem aggressivsten Tumor gefunden. So ergab PSA >10 für die Nutzung von Mobiltelefonen OR = 2,5 [0,7–8,9]. Die Fälle wurden weiter unterteilt in niedriges Risiko, mittleres Risiko und hohes Risiko (anhand von PSA und Gleason-Score). Die Nutzung von Mobiltelefonen oder DECT wurde nicht mit Prostatakrebs im Niedrigrisikobereich in Verbindung gebracht. Für Prostatakrebs mit mittlerem und hohem Risiko wurden erhöhte ORs berechnet.

Vererbung und Mobiltelefonnutzung führten zu einem erhöhten Risiko von grenzwertiger statistischer Signifikanz mit OR = 2,8 [0,98–7,8]. Die höchsten Risiken wurden für alle Telefontypen bei Patienten mit erblicher Veranlagung für Prostatakrebs festgestellt.

Schlussfolgerungen

Das wichtigste Ergebnis dieser Studie war ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs im Zusammenhang mit der Nutzung von Mobiltelefonen. Das Risiko nahm mit der Latenzzeit zu und war am höchsten bei einer Latenzzeit von mehr als 10 Jahren. Die Literatur zu HF-Strahlung und Prostatakrebs ist spärlich. Die Ergebnisse dieser Studie werden durch Daten aus der UK Biobank Study gestützt (Zhang et al. 2024). Es wurde ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Prostatakrebs mit einer Hazard Ratio (HR) = 1,19 [1,13–1,25] festgestellt. Die Dauer der Mobiltelefonnutzung ergab das höchste Risiko für >8 Jahre mit einem statistisch signifikanten Trend (p < 0,001). Die NTP-Studie unterstützt ein erhöhtes Risiko für Prostataneoplasien. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die vorliegende Studie ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs im Zusammenhang mit der Nutzung von Mobil- oder Schnurlostelefonen ergab. Das Risiko stieg mit der Latenzzeit und der kumulativen Nutzung in Stunden. Darüber hinaus war das Risiko in Fällen mit aggressiverem Krebs, basierend auf Gleason-Score, PSA und hohem Risikoprofil, am höchsten. (AT)

Zhang Y, Zhang Y, Ye Z, Yang S, Liu M, Wu Q, Zhou C, He P, Gan X, Qin X. Mobile phone use and risks of overall and 25 site-specific cancers: a prospective study from the UK Biobank study. Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention. 2024 Jan 9;33(1):88-95.